1. März 2016

Tiere und Kinder: Warum der Kontakt guttut

Tiere und Kinder - meinefamilie.at

Tiere machen für Kinder den Lebenskreislauf erfahrbar und ermutigen zu Offenheit. Auch Eltern profitieren davon.

Seit mein Sohn (2 3/4) auf der Welt ist, haben Tiere einen besonderen Stellenwert in unserem Alltag. Er ist gerne mit Tieren zusammen, zeigt großes Interesse an allem, was mit Tieren zu tun hat, und lernt dabei viel über das Leben. In der Begegnung mit Tieren begegnet man immer auch der Vielfalt und den Wundern der Schöpfung. Das ist nicht nur für Kinder eine Bereicherung…

Tiere sind anders als Menschen

Von Anfang an waren meinem Sohn Tiere „lieber“ als Menschen. Markant zeigte sich diese Präferenz während der immer wieder heftig aufflammenden „Fremdel-Phasen“. Während er in solch turbulenten Zeiten beim Besuch anderer Menschen in Panik geriet, reagierte er auf die Präsenz von Tieren immer gleich: Bis auf eine kurze Phase, in der er sich vor Käfern und Spinnen zu fürchten schien, war er Tieren gegenüber immer offen und suchte deren Nähe.

Kein Wunder: Tiere sind zurückhaltend, wollen ihn nicht anfassen, bedrängen ihn nicht. Sie respektieren seine Grenzen und lassen ihn so sein, wie er ist.

Und sie wirken beruhigend: Nicht umsonst werden zum Beispiel Pferde in der Therapie eingesetzt. In viele Klassenzimmer sind in den letzten Jahren Schulhunde eingezogen, deren bloße Anwesenheit sich positiv auf die Gemüter auswirkt.

Tiere und Kinder – ein Faszinosum

Nicht zu übersehen: Unser Sohn mag Tiere. Dass sie wertvoll und liebenswert sind, leben mein Mann und ich ihm vor. Doch geht seine Leidenschaft für die tierische Spezies weit über das „Gernhaben“ hinaus. Im zarten Alter von 1,5 Jahren entdeckte er auf dem Dachboden zwei bis zu diesem Zeitpunkt ungewürdigte Tier-Enzyklopädien. Meine Mutter hatte sie nach dem Tod meiner Tante vor der Müllhalde gerettet. Mit unvorhersehbaren Folgen!

Zuerst wollte mein Sohn nur darin blättern und jene Tiere sehen, die er bereits „kannte“. Doch schon bald schien ihm die sagenhafte Vielfalt der Tierwelt zu dämmern. Seither schauen wir die Bücher regelmäßig an, im Moment wieder mehrmals täglich. Ausschließlich auf seinen Wunsch. Es ist beeindruckend, mit welcher Faszination er dabei ist, wie ausdauernd er die verschiedenen Tierbezeichnungen erfragt, wie mühelos er sich Namen wie „Doppelband-Taggecko“ und „Zweifarbiger Baumsteigerfrosch“ merkt.

Tiere sind in der Erlebniswelt meines Sohnes omnipräsent: In seinen Rollenspielen geht es primär um Tiere, in jedem Essen entdeckt er eines, er formt aus Tüchern und Knete fast ausschließlich Tiere. Ja, manchmal denke ich mir: Ich bin umzingelt!

Den Kreislauf des Lebens verstehen lernen

Für viele Kinder sind Tiere lustige Spielkameraden. Und auch eine Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen: Gerne helfen sie beim Füttern und Pflegen. Tiere haben aber noch einen anderen Nutzen: Sie bringen Kinder ganz selbstverständlich mit den natürlichen Gegebenheiten des Lebens in Kontakt. Mit Geburt und Tod.

Als Omas Katze Mauntzi eine Maus ankarrte und – nach ausgiebigem Spiel – entschied, sie vor unser aller Augen zu verspeisen, war ich versucht zu sagen: „Komm, wir gehen lieber.“ Ich wollte meinem Sohn wohl den Anblick des Todes ersparen. Als ich aber seine Konzentration und sein Interesse sah, biss ich mir auf die Zunge. Ich selbst konnte kaum hinsehen, gestattete meinem Sohn aber diese anschauliche Demonstration von „Fressen und Gefressenwerden“. Pragmatisch, ja weise kommentierte er die Szene schließlich mit den Worten: „So, jetzt ist sie weg.“

Fast täglich besuche ich mit meinem Sohn die Hühner in der Nachbarschaft. Wir füttern sie mit unseren Speiseabfällen, bringen ihnen frische Gräser. Er hat auch schon einmal ein Ei im Stall gefunden, und er weiß, dass daraus ein Küken schlüpfen kann. Ich hoffe, er darf dieses Wunder der Geburt bald einmal miterleben. Spätestens dann, wenn wir unsere eigenen Hühner haben – wovon mein Mann und ich oft laut träumen. Seit mein Sohn davon Wind bekommen hat, überlegt er, ob wir uns wohl für Sussex-, Zwerg- oder doch Bankivah-Hühner entscheiden werden. Auch die Frage des richtigen Hahns beschäftigt ihn sehr: So ein Altenglischer Kämpfer wäre natürlich fein. Allerdings könnte er sich auch einen Guyana-Klippen-Hahn vorstellen. Ich schmunzle und staune…

Teil des großen Ganzen

Und wieder darf ich durch meinen Sohn etwas lernen. Und zwar, wie unterschiedlich Kinder sind, welch verschiedene Interessen und Begabungen sie haben.

Manche Kinder fahren gerne mit dem Laufrad, manche plantschen gern im Wasser, manche lieben laute Blasmusik. Und manche blättern in einem Tier-Lexikon und träumen von Paradiesvögeln. Wenn ich meinen Sohn dabei beobachte, spüre ich seine Individualität, sein Feuer.

Dieses möchte ich auf keinen Fall durch Vergleichen oder Über-den-Kamm-Scheren zum Erlöschen bringen. Ich nehme mir fest vor, das Feuer ungebremst züngeln zu lassen und einfach dabei zuzusehen, in welche Richtungen es Flammen werfen wird. Demütig und dankbar erkenne ich: Mein Sohn ist Teil der Schöpfung, einzigartig und liebenswert. So wie wir alle. Der Kontakt mit Tieren ist ein wunderbarer Weg, diese Verbundenheit mit dem Universum (wieder) zu spüren. Deshalb sind Tiere so wichtig!



EIN ARTIKEL VON
  • Susanne Sommer

    Ich lebe mit meinem Mann und meinem Sohn (2,5) im Burgenland und bin Bewegungstrainerin und Texterin. Die Geburt meines Sohnes veränderte mein Leben grundlegend und brachte mich auf die Spur zu mir selbst. Neben dem Schreiben und Lesen sind die Natur, das Musizieren, Töpfern und Häkeln meine großen Leidenschaften.


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