3. Juni 2015

Streit bei Kindern: Aus Spiel wird schnell Streit


Aus einem Spiel kann schnell mal ein Streit werden, aber Kinder können so schnell vergessen und verzeihen – und wir Erwachsenen tun uns so schwer damit?

Neulich waren unsere drei Jüngsten bei einer Freundin meiner Frau eingeladen. Sie sind gerne dort, da ihre drei Kinder im gleichen Alter sind. Meistens kommt es zu harmonischen Paarbildungen, man bleibt altersmäßig unter sich. Hin und wieder aber lösen sich die Formationen auf, es entsteht ein ungleiches Kräfteverhältnis – einer gegen zwei zum Beispiel – und ein Streit entsteht.

Wie es zum Streit kam

Es gab diesmal, wie Sophie beim Nachhausekommen berichtete, einen aufregenden Zwischenfall. Wie es dazu gekommen war, ließ sich nicht einwandfrei klären. Jakob und sein Freund Georg hantierten mit selbstgeschnitzten Holzschwertern. Offensichtlich stand ein Zielwerfen auf dem Programm. Mein Sohn zählte zehn Schritte weg von einer dicken Tanne. Als er sich umdrehte und sein Schwert wie einen Tomahawk in der Luft wirbelte, schob sich seine kleine Schwester plötzlich vor sein Ziel. Warum sie das tat? Sie wollte auch ein Schwert werfen.

Nun lässt sich ein richtiger Kämpfer durch den Störversuch eines lästigen Mädchens nicht abhalten von seinem Tun. In scharfem Ton rief Ritter Jakob Fräulein Sophie zu: „Gib den Baum frei!“ Das kleine Fräulein dachte nicht daran, schloss ein wenig gelangweilt die Augen und lehnte sich lässig gegen den Baumstamm. Kann sich ein Ritter eine solche Provokation gefallen lassen? Jakob konnte nicht, zielte mit dem Holzschwert gegen den Baum – und traf seine Schwester auf dem Kopf. Aus einer klaffenden Wunde floss Blut. Weinend lief meine jüngste Tochter zur Gastgeberin. „Was hat sie denn gemacht?“, wollte ich wissen, in der Annahme, die Bekannte, eine erfahrene Kinderkrankenschwester, habe ihr einen Eisbeutel auf- und nach Abklingen der Schwellung einen Druckverband angelegt. „Sie hat mir ein gelbes Marzipanei gegeben“, antwortete Sophie, „dann war´s gut.“

Nach dem Streit die Versöhnung

Ich sah meinen Sohn streng an: „Jakob, weißt du, was da alles hätte passieren können?“ Winzig stand der vor ein paar Stunden noch so trotzige Ritter da und kämpfte mit den Tränen. Ich wollte eben zu einer in solchen Fällen wohl üblichen Moralpredigt ansetzen, da kam ihm seine kleine Schwester, von Mitleid gepackt, zu Hilfe: „Nicht schimpfen, Papa. Er hat´s nicht absichtlich gemacht.“ Vor dem Schlafengehen bauten die beiden eine Ritterburg: Schleppten Pölster und Decken herbei, die sie über das Stockbett hängten. Sophie holte ihre vielen, vielen Stoffhasen, Jakob seine vielen, vielen Bärlis. Unsere Tochter nahm aus dem Eiskasten eine Karotte, fütterte ihre Tiere damit und brachte ein Petersilienbüschel für Jakobs Bärenfamilie.
Als sie friedlich, Seite an Seite, einschliefen, dachte ich: Warum können Kinder so schnell vergessen und verzeihen – und wir Erwachsenen tun uns so schwer damit?

Tipps:

  • Überlegen Sie sich gut, wann Sie sich in einen Streit unter Ihren Kindern einmischen. In den meisten Fällen ist die „Schuldfrage“ nicht zu klären.
  • Greifen Sie nur ein, wenn tatsächlich Gefahr im Verzug ist.
  • Ihre Parteinahme wird von den beteiligten Kindern meistens als ungerecht empfunden.
  • Vertrauen Sie darauf, dass Kinder sich nach einer Auseinandersetzung üblicherweise sehr schnell wieder vertragen.

Siehe auch: Was tun, wenn Kinder streiten

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EIN ARTIKEL VON
  • Gottfried Hofmann-Wellenhof

    Mit meiner Frau habe ich fünf Söhne, drei Töchter und einen Adoptivsohn aus Kamerun. Die Erfahrungen mit meiner Großfamilie teile ich in Kolumnen und Büchern. Meine Hobbys: Hometrainer, Fußballmatches meiner Söhne, Kochen und Lesen.


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