2. September 2016

Starke Eltern erziehen starke Kinder

Starke Eltern erziehen starke Kinder - meinefamilie.at

Konsequent zu bleiben, sich gegen die Wünsche der Kinder zu stellen und die eigenen Werte und Grenzen durchzusetzen, ist die Herausforderung der Erziehung. Doch nur starke Eltern können starke Kinder erziehen.

Dieser Artikel ist in der Zeitschrift Familie als Berufung erschienen. Autoren sind diesmal Hertha & Martin Schiffl, Familientrainer aus Wien. 

Ziehen wir wirklich eine Generation von Egoisten heran, wie es der deutsche Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Michael Winterhoff behauptet? Seine Beobachtung: Viele Eltern sehen im Kind einen Partner oder kleinen Erwachsenen, wollen vom Kind partout geliebt werden. Diese Eltern halten Spannungen nicht aus, deshalb lesen sie ihrem Nachwuchs jeden Wunsch von den Augen ab. Und die Folge ist: „Dass die Kinder auf der Stufe eines 16 Monate alten Kleinkindes verharren. Sie sind vollkommen auf sich selbst bezogen, es fehlt ihnen an Empathie und an Einsicht in die Notwendigkeit von Regeln.“ (zitiert aus: Kronen Zeitung vom 23.2.2014)

Die heutige Nicht-Erziehung

Eine Volksschullehrerin beobachtet die Auswirkungen der Nicht-Erziehung: „In der 1. Klasse brauche ich die Zeit von Schulbeginn bis Weihnachten, um den Kindern die einfachsten Regeln zu erklären, und die Kinder dahin zu bringen, dass sie diese Regeln auch einhalten: Beim Arbeiten sitzen wir auf unserem Platz. Auf den Gängen laufen wir nicht. Am Morgen grüßen wir, usw.“

Wir gehen davon aus, dass praktisch alle Eltern das Beste für ihr Kind wollen. Und das Beste ist, dass das Kind viel Selbstvertrauen hat und selbständig ein gutes Leben führen kann – ein starkes Kind eben. Dazu kann man nur sagen:

Starke Kinder brauchen starke Eltern. Eltern, die bereit sind dem Kind liebevoll und ehrfurchtsvoll Grenzen zu setzen.

In dem Film „Rollerball“ geht es um ein Mannschaftsspiel, bei dem die Regeln immer mehr aufgelöst werden. Am Ende gibt es keine Regeln mehr, was dazu führt, dass sich die Spieler gegenseitig umbringen. Der Stärkste ist der Sieger, aber glücklich ist er damit nicht. Selbst oder gerade bei den „harten“ Sportarten wie Rugby und Eishockey gibt es strenge Regeln. Und wer sich nicht daran hält, wird ausgeschlossen oder kommt zumindest für eine gewisse Zeit auf die Strafbank. Nur so ist dieses Spiel überhaupt möglich.

In der heutigen Welt zu bestehen, ist auch ein „hartes Spiel“. Wer da nicht gelernt hat, sich an Regeln zu halten, der wird letztlich scheitern. Die Schiedsrichter beim Eishockey müssen sich oft ganz schön was anhören, wenn sie jemanden auf die Strafbank schicken. Sie bleiben trotzdem immer bei ihrer Entscheidung. Als Eltern müssen wir in manchen Situationen so sein wie diese Schiedsrichter. Auch wenn wir uns von unseren Kindern ganz schön was anhören müssen (Geschrei, Weinen, Schimpfen): Bei Grenzen heißt es hart bleiben. Nicht „hart“ im Sinne von brutal, sondern „hart“ wie der Fels in der Brandung, der Halt gibt.

Zu zweit starke Eltern sein

Als Eheteam kann man leichter stark sein. Zu zweit kann man sich darin bestärken, dass Grenzen notwendig sind, und dass es notwendig ist, bei Grenzen einfach ein Fels in der Brandung zu sein. Meistens ist bei einem Ehepaar einer von beiden der Konsequentere und einer der etwas Weichere.

Wenn es um das Einfordern von Grenzen geht, dann stehen wir zusammen.

Und das gibt den Kindern Halt. Und natürlich haben wir kluge Kinder. Die versuchen alles, was geht, um ihre Wünsche und Forderungen durchzusetzen. Und dazu gehört, dass sie besonders stark dort klopfen, wo sie die weichere Stelle vermuten, dass sie z.B. den freiheitsliebenden Papa damit konfrontieren: „Immer schränkst du meine Freiheit ein“, oder dass sie die mitfühlende Mama wissen lassen: „So zerstörst du mein Leben!“

„Aber alle dürfen das…“

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Beim „Nein“ bleiben, auch wenn das Kind es hören möchte, ist wichtig für seine Entwicklung.

Eine sehr wirkungsvolle und oft eingesetzte Strategie der Kinder: „Alle in meiner Klasse dürfen das, nur ich nicht.“ Diese Strategie ist deshalb so wirkungsvoll, weil wir, wie es Pater Kentenich oft angesprochen hat, in einer Massengesellschaft leben, in der jeder einzelne von uns Gefahr läuft, zum Massenmenschen zu werden. Wer heute dazu gehören will, der muss das richtige Handy, das passende Outfit und den angesagten Lebensstil haben. Hier unterläuft vielen Eltern ein schwerwiegender Irrtum: Wir versorgen lieber unser Kinder mit allen möglichen Statussymbolen, erlauben alles, was auch die anderen erlauben, sonst gehört unser Kind am Ende wirklich nicht dazu. Und wieder wird ein ganz origineller, ganz besonderer Mensch von der Masse geschluckt.

„Die Kinder sind unsere größte Kapitalanlage“, hat Pater Kentenich in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts zu amerikanischen Familien gesagt. Sich das immer wieder in Erinnerung zu rufen kann nicht schaden, gerade wenn es schwierig wird, wenn ich z.B. „Nein“ sagen muss zu einem Wunsch meines Kindes. Mein Kind ist ein Original und nicht Teil einer Masse. Daher gebe ich meinem Kind, was es braucht – nicht, was es glaubt zu brauchen, weil es die anderen auch haben.

Oft haben wir auch beobachtet, dass das „Alle dürfen das“ gar nicht stimmt. Aber nicht, weil das Kind dabei lügt, sondern weil niemand von den Eltern eine Entscheidung trifft. So entsteht aus der Vorstellung, das könnten alle dürfen, tatsächlich die Realität, dass das alle dürfen. Sich nicht zu entscheiden ist nämlich auch eine Entscheidung, nämlich die, sich der Masse unterzuordnen. Auch öfter beobachtet: Wenn bei so einer Frage ein Elternpaar eine klare Entscheidung trifft, dann hat das Signalcharakter für die anderen. Ja, der Massenmensch ist leicht zu beeinflussen: Eine mutige Entscheidung kann da schon ausreichen. Wie gesagt:

Als Eheteam geht das doch leichter, wenn man zu zweit an einem Strang zieht und sich gegenseitig in der Richtigkeit des Tuns bestärkt.

In unserer Familie ist es anders

Die Gewinner beim Sport, die guten Politiker, die Leute, die das Leben meistern sind immer die, die eigene Wege gehen und gelernt haben, Rückschläge und Frustrationen auszuhalten. Es sind diejenigen, denen vollkommen egal ist, was die anderen denken und reden. Daher ist wichtig, den Kindern zu vermitteln: „Bei UNS ist das so!“ Unsere Familie ist etwas Besonderes. Du bist etwas Besonderes. Um das vermitteln zu können, müssen wir als Eltern an uns selbst arbeiten: Das eigene Selbstbewusstsein aufmöbeln und Gott dafür dankbar sein, dass er uns als Original geschaffen hat.

Im Paargespräch können wir unsere Sorgen und Ängste besprechen, aber auch auf unsere Werte und Stärken schauen: Das ist uns wichtig und daran halten wir fest – aus Überzeugung, nicht aus Sturheit. Und dann müssen wir unseren Kindern gegenüber gar nicht mehr so viel reden, sondern wir stehen gemeinsam als starke Eltern da, die sich über ihre starken Kinder freuen. Wenn wir in unseren Werten unsicher sind, dann können wir sie zwar einfordern, aber nicht durchsetzen. Wenn wir in unseren Werten sicher sind, dann müssen wir sie meist weniger stark einfordern, weil wir ohnedies eine Klarheit ausstrahlen.

Starke Eltern geben Halt

Wenn sich Kinder ständig gegen die eigenen Eltern durchsetzen können, dann ist das ganz schlecht für die Kinder. Sie müssen dann eine Rolle einnehmen, die nicht für sie bestimmt ist. Kinder brauchen Eltern, die ihnen Halt geben, nicht Eltern, mit denen sie machen können was sie wollen. Heute klagen viele Firmen darüber, dass es kaum junge Mitarbeiter gibt, die eine entsprechende Arbeitshaltung haben, Sinn für Pünktlichkeit, Umgangsformen, Frustrationstoleranz.  Starke Eltern, die sich gegen ihre Kinder mit Liebe und Ehrfurcht durchsetzen, erziehen junge Menschen, die die gesuchten Eigenschaften mitbringen.

Natürlich bedeutet unser „Nein“ Frustration für das Kind. Aber so lernt es auch, mit dieser Frustration umzugehen.

Gott sagt öfters „Nein“ zu unseren Wünschen und großartigen Ideen. Aber nicht weil er böse zu uns ist, sondern weil er uns liebt und unser Bestes will.

„Erziehung ist Nachahmung der Erziehertätigkeit Gottes“, hat Pater Kentenich sinngemäß gesagt. Als Vater und Mutter bzw. als Eheteam können wir diese Erziehertätigkeit Gottes am besten nachahmen. Wir ergänzen einander, bestärken einander und werden so zu starken Eltern, die als Werkzeuge Gottes starke Kinder erziehen.

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