25. April 2017

Wie wir uns auf die Stärken unserer Kinder konzentrieren

Auf Stärken unserer Kinder konzentrieren - meinefamilie.at

Egal ob es darum geht, dass das Kind noch nicht spricht, nicht läuft oder andere Dinge, die „von der Gesellschaft“ gefordert werden, noch nicht kann – ich empfehle, in aller Ruhe abzuwarten, sich gute Antworten zurechtzulegen und sich über all das zu freuen, was das Kind täglich dazulernt.

Mein Sohn konnte mit 10 Monaten selbständig gehen, auf die Rutsche klettern und runterrutschen, mit zwölf Monaten jedes Gerüst am Spielplatz erklimmen und auch wieder runter klettern. Mit eineinhalb konnte er Bälle werfen und fangen und beim Fußball Tore schießen.

Fein, nur all das zählte offenbar in der Olympiade der Eineinhalbjährigen nicht. Denn ab 18 Monaten gab es nur noch zwei Fragen: „Warum spricht er noch nicht?“ oder „Wieso kann er noch kein ganzes Wort sagen?“ Ich wurde täglich gefühlt ein Dutzend Mal gefragt – von der Oma, der besten Freundin, deren Tochter mit einem Jahr einen Wortschatz von 100 Wörtern beherrschte, von der Nachbarin und sogar von der Kassendame im Supermarkt. Oder er wurde bemitleidet. „Ach, kannst du noch gar nicht sprechen?“ Dass er ab und an mal „mamamama“ und „eieiei“ sagte und „babababa“ sang, zählte da ebenso wenig wie das „a a a“, wenn er auf etwas zeigte, das er haben wollte, ein lautstarkes „iiiii“ von sich gab, wenn ihm etwas missfiel und „aua“ sagte, wenn ihm etwas wehtat. Nein, diese kleinen Schritte auf dem Weg zum perfekten Redner zählten nicht. Das Kind war 18 Monate alt und daher muss es nun endlich anfangen, ganze Worte zu sprechen.

Kinder haben Zeit für ihre Entwicklung

Dabei ist das natürlich kompletter Unsinn, denn Kinder haben damit Zeit, bis sie zwei Jahre oder auch noch älter sind. Manche reden mit zehn Monaten, manche mit 18 Monaten und bei einigen dauert es eben zwei Jahre, bis sie ein ganzes Wort sagen können. Wenn ein Kind „erst“ mit zwei Jahren die ersten Wörter spricht, werden Eltern also ein halbes Jahr lang gefragt, warum ihr Kind noch nicht sprechen kann. Das kann einen ganz schön unter Druck setzen.

Ich hoffe sehr, dass niemand auf die Idee kommt, sein zweijähriges Kind, das täglich Laute übt um Worte zu formen, zum Logopäden zu zerren, denn dar Aufzug kommt definitiv nicht schneller, nur weil wir öfter drücken.

Ich war in dieser Zeit Gott sei Dank sehr gelassen, hab auf diese Fragen humorvolle oder auch teilweise provokative Antworten à la „Er ist sehr schüchtern und spricht nicht mit Fremden“ gegeben. Jeder sah sofort, dass das Kind nicht schüchtern sein kann, denn er war ja in seinem nie enden wollenden Bewegungsdrang permanent unterwegs und überall dran und drauf. Oder ich sagte: „Deutsch kann er schon perfekt, aber er lernt und übt gerade eine Geheimsprache, die nur er und ich verstehen.“ Mit der Zeit hatte ich dann so ca. zehn Standard-Antworten parat, die ich je nach Situation und Fragesteller gab.

Eltern dürfen gelassen sein

Jedem, der solche Situationen kennt, egal ob es nun darum geht, dass das Kind noch nicht spricht, nicht läuft oder andere Dinge, die „von der Gesellschaft“ gefordert werden, noch nicht kann, empfehle ich in aller Ruhe abzuwarten, sich gute Antworten zurechtzulegen und sich über all das zu freuen, was das Kind täglich dazulernt. Jemand, der meint, er könne oder müsse gar die verschieden- und damit einzigartige Lern-Geschwindigkeit von Babys und Kleinkindern durch sein Eingreifen beschleunigen, der glaubt wahrscheinlich auch, dass das Gras schneller wächst, wenn er daran zieht. 😉

Kommende Termine

Autorin Margit Dechel bietet Workshops in ihrem Beratungszentrum „Bewusste Eltern“ an. Der nächste Kurs startet am 9. Mai 2017.

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