15. Januar 2015

Sprachentwicklung


Wann geschieht Sprachförderung? Augenblicklich und immer, denn die Sprachentwicklung startet schon im Mutterleib.

Sprachentwicklung – Sprache wird in Beziehungen gelernt

Wann geschieht Sprachförderung? Augenblicklich und immer, denn die Sprachentwicklung startet schon im Mutterleib.

Viele Eltern wollen ihre Kinder bestmöglich fördern und unterstützen. Neben der Motorik der Kleinen ist die Sprache ein wichtiger Punkt. Sprachförderung beginnt aber nicht erst im Kindergartenalter, wie Brigitte Lackner vom „Forum Katholischer Erwachsenenbildung in Österreich“ erklärt: „Sprachförderung beginnt mit der Geburt – eigentlich schon vorgeburtlich, wenn man bedenkt, dass Kinder auch schon lange vor der Geburt die Stimme ihrer Mutter erkennen können! Sprache wird in Beziehungen gelernt. Kinder brauchen dazu lebende Vorbilder, an denen sie Sprache hören und ’sehen‘ können und eine emotionale Verbindung zu diesen Personen.“

Eltern spielen wesentliche Rolle bei der Sprachentwicklung

Im Normalfall sind Eltern die engsten Bezugspersonen von Babys und spielen damit natürlich auch die wichtigste Rolle in der Sprachentwicklung ihrer Kinder. Eltern passen, so die Expertin Lackner, intuitiv Lautstärke, Tonfall, Tonhöhe und Nähe so an, dass die Neugeborenen sie am besten hören und verstehen können. „Mit Mimik, Gestik, Blickkontakt und Körperhaltung wird diese Kommunikation noch unterstützt.“

Kinder „lesen“ ihre Eltern

Kinder reagieren auf ihre Eltern. Zuerst mit Mimik und Gestik, dann mit Lauten und Silben und später mit Sprache. Eltern „lesen“ ihre Kinder und passen die eigene Sprache wieder drauf an. „Diese intuitive elterliche Kompetenz ist Sprachförderung von Anfang an“, so Lackner.

Tipp: Kommunikation mit Babys in Worten, Lauten, Gesten und Mimik ist die Basis für eine gute Sprachentwicklung!

Sprachentwicklung und Leseförderung

Sind Bücher von Anfang an ein Bestandteil der Lebensumgebung von Kindern und erforschen die Bezugspersonen gemeinsam mit ihnen den „Gegenstand Buch“, dann sind diese Kinder später auch mehr am Lesen interessiert, erklärt Lackner. Zuerst betrachten und „lesen“ die Kinder die Gesichter ihrer Bezugspersonen, die mit ihnen die Bücher lesen. „Erst nach und nach tritt das Betrachten der Bilder im Buch in den Vordergrund und Bezugspersonen und Kind können ihre Aufmerksamkeit auf etwas Gemeinsames richten“, erklärt Lackner.  Dann nimmt das Kind mit Gesten und ersten Silben an der Kommunikation über das Buch teil. „So werden nach und nach Bilder und später auch der Text, durch Erzählen und Vorlesen, gemeinsam ‚entschlüsselt‘.“

„Im Bestreben des Kindes nach Autonomie und Selbsttätigkeit ist es dann ein ganz natürlicher Schritt, dass Kinder lesen lernen wollen!“

Jedes Kind hat sein eigenes Entwicklungstempo

Auch Kinder die spät, oder auf Grund ihres Temperaments wenig sprechen, finden ihren Weg zu Büchern und lesen, wenn diese Teil ihrer Umgebung sind.

Tipp: Bücher werden wie Sprache am leichtesten im Kontakt mit Menschen entdeckt. Also Vorbild sein und die Bücher nicht vor kleinen Kinderhänden hinter Schranktüren in Sicherheit bringen, sondern sie zum Teil der Wohnung machen, als ein beliebter Gegenstand, den Mama und Papa häufig in der Hand haben.

Was können Eltern bei der Sprachförderung falsch machen?

Die Antwort darauf ist laut Expertin Lackner „nichts tun“. „Das ist es, was für Kinder am wenigsten förderlich ist. Am besten ist es, dem eigenen Bauchgefühl nachzugeben und von Anfang an den sprachlichen Kontakt mit dem Kind zu suchen und es aufmerksam zu beobachten, auf seine Signale zu achten und zu reagieren. Damit bestimmt auch das Kind das Tempo und eine Überforderung ist dann eigentlich nicht mehr möglich.“

Wiederholung trägt zur gesunden Sprachentwicklung bei

Kinder mögen Wiederholungen und auch wenn Eltern oft stöhnen, wenn sie zum hundertsten- und gefühlten zehntausendsten Mal die selbe Gute-Nacht-Geschichte lesen sollen, es trägt zur gesunden Sprachentwicklung bei. „Mehr braucht es vorerst nicht“, so Lackner. „Das ist es, was alle Eltern tun können. Auch dann, wenn sie manchmal von Ratgebern oder Literatur verunsichert sind. Wenn weitere Fragen auftauchen gibt es immer die Möglichkeit, Elternbildungsveranstaltungen zu besuchen.“

Auf www.elternbildung.or.at finden sich Informationen und Kurse zur Elternbildung und auf www.sprache-hilft.at gibt es Angebote und Material zur Sprach und Leseförderung.

Brigitte Lackner ist Verantwortliche für den Fachbereich Elternbildung im Forum Katholischer Erwachsenenbildung in Österreich. Die katholische Elternbildung ist mit rund 4.500 Veranstaltungen und 64.000 TeilnehmerInnen jährlich landesweit der größte Elternbildungsanbieter. Ziel ist es, die Eltern bei ihren Erziehungsaufgaben mit Bildungsangeboten zu unterstützen.

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein


EIN ARTIKEL VON
  • Andrea Harringer

    „Meine Mami schreibt das auf, was ihr andere Leute erzählen.“ Das sagte mein Sohn, als man ihn fragte, was seine Mama beruflich mache. Seit 2001 bin ich Redakteurin in der Erzdiözese Wien, schreibe für den „Sonntag“ und versuche, Themen wie Familie, Kinder und Erziehung auch aus einem christlichen Blickwinkel zu beleuchten.


Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at