15. November 2017

Die Sprache des Babys: Baby, was willst du mir sagen?

Die Sprache des Babys erkennen - meinefamilie.at

Eine der größten Herausforderungen für uns junge Eltern ist zu erkennen, was unser Kind gerade braucht, was es fühlt oder was es mitteilen möchte. Babys haben ihre eigene Körpersprache, die Eltern meist intuitiv verstehen.

Babys können noch nicht sprechen, aber uns etwas mitteilen können sie schon. Natürlich wäre es einfacher, wenn Babys von Anfang an wenigstens ein paar Worte sprechen könnten, wie „Hunger“, „kalt“, „Bauchweh“. Weil es aber so einfach nicht funktioniert, müssen wir lernen, die Signale unseres Babys zu verstehen. Dabei gehören natürlich auch Missverständnisse dazu. Da muss die kleine Ilvie das Bauchweh ertragen, weil der Papa nicht erkennt, dass Ilvie ein Bäuerchen machen muss – und wenn er glaubt, es verstanden zu haben, legt er sie in Zukunft bei jedem Schreien über die Schulter und geht wippend auf und ab – dabei möchte Ilvie nun einfach schlafen.

Wie das Baby mit uns spricht

Natürlich ist es nicht immer leicht zu erkennen, was das Baby will. Alle Eltern brauchen Zeit die Bedürfnisse ihres Babys zu erkennen. Doch mit zunehmender Übung werdet ihr und euer Baby euch gut verständigen können. Es gibt nämlich Möglichkeiten, die Babysprache zu erlernen.

Die Sprache des Babys erkennen - meinefamilie.atEuer Baby kann seine Gefühle und Bedürfnisse durch Mimik, Gestik und Laute verständlich machen. Bereits von Geburt an drücken Babys mit ihrem ganzen Körper aus, wie es ihnen geht. Sie wenden sich ab und reiben zum Beispiel die Augen, wenn sie eine Pause brauchen oder zeigen durch kleine Geräusche, dass sie Kontakt wollen. Es liegt an uns, diese Zeichen richtig zu deuten. Und je besser wir diese Sprache verstehen, umso zufriedener wird das Kind sein und umso besser ist die Bindung zwischen Eltern und Kind.

Eltern sind intuitiv fürsorglich

Die gute Nachricht: Eltern haben eine intuitive Kompetenz, der sie vertrauen können. Mütter und Väter reden mit ihren Babys langsamer, in hoher Stimmlage und wiederholend. Aber auch wenn Eltern ihr Neugeborenes betrachten, halten sie es automatisch ca. 30 Zentimeter von ihrem eigenen Gesicht entfernt: ein schlauer Trick der Natur. Kleine Babys können nämlich in diesem Abstand Details in der Mimik am besten erkennen.

Babysignale erkennen

Babys senden viele Signale, meist bevor sie weinen: Wenn diese nicht wahrgenommen oder richtig interpretiert werden, dann gibt es für das Baby meistens nur noch das Kommunikationsmittel: Schreien.

Grundsätzlich gilt: Euer Baby ist dann aufmerksam und zum Dialog bereit, wenn es zum Beispiel den Blickkontakt sucht, lächelt oder vielleicht die Zunge raus streckt. Das werdet ihr vielleicht auch schon beobachtet haben. Ein deutliches Zeichen dafür sind auch geöffnete Hände. In die Elternsprache übersetzt heißt das „Mama/ Papa, beschäftige dich mit mir. Erzähl mir was!“

Wendet euer Baby seinen Blick ab, braucht es eine Pause. Wenn es auch noch ruckartige Bewegungen macht oder den Körper überstreckt, dann ist das ein klares Signale dafür, dass es eurem Baby zu viel ist. Manchmal nimmt es auch wie zum Schutz die Hände vor den Kopf. Das kennst ihr? Übersetzt heißt das: „Ich braucht jetzt Ruhe!“

Gelingt es euch, diese und andere Signale frühzeitig zu erkennen, könnt ihr das Verhalten eures Kindes besser verstehen und feinfühlig auf die Zeichen reagieren. So werdet ihr und euer Kind mit der Zeit immer mehr zu einem Team und es entsteht ein fein abgestimmtes Zusammenspiel.

Babytalk: Verständigen über Gefühle

Schon in den ersten Lebensmonaten lernt euer Baby, Gefühle in eurem Gesicht zu lesen. Bald kann es Freude, Angst, Wut und Überraschung unterscheiden. Und es tritt mit euch in Kontakt, indem es eure Gefühle „nachmacht“ – es runzelt die Stirn, wenn ihr traurig ausseht oder lacht, wenn ihr lacht, das kennen wahrscheinlich die meisten von euch. Es versucht also, sich mit euch zu verständigen. Eltern ahmen intuitiv, oft etwas übertrieben, auch den Gesichtsausdruck des Babys nach: Sie lächeln, reißen den Mund weit auf oder runzeln die Stirn. Dies nennt man „spiegeln“. Euer Baby lernt dabei, sich selbst und seine Gefühle zu verstehen, und kann besser mit seinen Gefühlen umgehen. Das stärkt das Einfühlungsvermögen und die Bindung. Dadurch könnt ihr die Gefühle eures Kindes immer besser nachempfinden und angemessen darauf reagieren.

Wie ihr wisst, ist jedes Kind anders. Seine Signale und seine Zeichen sind immer auch aus der Situation heraus zu deuten. Damit das gegenseitige Verstehen gelingt, ist es wichtig, genau hinzuschauen und wachsam auf die Signale eures Kindes zu achten. Durch dieses feinfühlige Verhalten wird die Bindungsentwicklung eures Babys zu euch gefördert.

So hilft sich euer Baby selbst

Mit diesen Strategien versucht sich euer Baby selbst zu helfen, wenn es ein wenig angestrengt ist: Es

  • nuckelt oder saugt am Daumen,
  • zieht seine Beine an,
  • führt Füße oder Arme in der Körpermitte zusammen,
  • hält sich an seiner Kleidung oder an seinem Körper fest.

Wenn euer Baby unruhig ist, hilft es manchmal bereits, wenn ihr eurem Kind einfach nur euer Gesicht zeigt und ihm beruhigend zuredet. Viele Babys brauchen ein wenig Zeit, um eure Unterstützung wahrzunehmen. Gebt ihm deshalb Zeit, auf eure Hilfe zu reagieren. Versucht Schritt für Schritt eurem Kind Beruhigungsmethoden anzubieten.

So beruhigt  ihr euer Baby, wenn es belastet oder unruhig ist

  • Sprecht euer Baby mit beruhigender Stimme an.
  • Legt eine Hand auf seinen Bauch.
  • Führt seine Arme oder Füße behutsam in der Körpermitte zusammen.
  • Lasst es an seinem Daumen oder Schnuller nuckeln.
  • Wenn euer Kind weiterhin belastet oder gestresst wirkt, nehmt es auf den Arm.
  • Wiegt euer Kind sanft.
  • In vielen Situationen hilft Ruhe besser als jede Ablenkung.
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EIN ARTIKEL VON
  • Marie-Thérèse Schmiedleitner

    Ich bin Pädagogin und seit vielen Jahren in der Kinderbetreuung tätig. Darüber hinaus biete ich systemische Familienberatung für Babys und Kleinkinder und Elternworkshops an. Ich lese leidenschaftlich gerne Blogs und bin selbst begeisterte Bloggerin.



1 Kommentare
  • Maria Neuberger-Schmidt., 22. November 2017, 8:45 Antworten

    Gratuliere zu diesem wunderbar einfühlsamen und informativen Beitrag.

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