6. Juli 2016

Beim Spielen erfahren Kinder die Welt

Beim Spielen die Welt erfahren - meinefamilie.at

Wer Kinder beim Spielen beobachtet, merkt bald, wie viel dahintersteckt: Fantasie, Gemeinschaft, Eindrücke verarbeiten und unbewusstes Lernen in allen Bereichen.

Ich komme vom Einkaufen heim und rufe bei der Haustür hinein: “Kinder, ich bin da-ha! Bitte wegräumen helfen!” Keine Antwort. Ich rufe nochmal. Da kommen Sara und Gregor langsam die Stiege herunter und halten sich ihre Bäuche, die etwas unförmig aussehen.

“Mama, wir haben jetzt keine Zeit”, erklärt meine Siebenjährige. “Zuerst müssen unsere Babys auf die Welt kommen.”

Jetzt erst bemerke ich, dass beide jeweils eine Puppe unter ihr T-Shirt gesteckt haben, mit dem Kopf nach unten, wie sich das bei Babys im Bauch gehört. Ich muss schmunzeln. “Komm, Steffi. Wir fahren jetzt ins Krankenhaus.” Gregor-Steffi folgt seiner großen Schwester in den Garten. Ich schaue den beiden hinterher und mache mich ans Ausräumen. Wirklich amüsant sind sie manchmal, diese Rollenspiele. Wie anders spielen die beiden miteinander als unsere beiden Großen, als sie in diesem Alter waren! Die waren Piraten oder Ritter oder Saurierforscher. Da Sara nun die Ältere ist, sind die meisten Spiele der beiden Jüngeren mädchenhaft. Manchmal sind sie Prinzessinnen, dann wieder trinken sie Kaffee und backen kreative Sandtorten. Gregor macht da begeistert mit, auch wenn dann meist irgendwann der wilde Kerl in ihm durchbricht und er die Puppe in eine Ecke schleudert oder die “Torte” zerstört. Sara ist dann immer ganz entrüstet, doch so ist das eben: Er lässt kein Mädchen aus sich machen, auch wenn er gerade auf blinkende und glitzernde Schuhe steht.

Beim Spielen in anderen Welten

Ich bin sehr froh, dass unsere Kinder so gern miteinander spielen. Es fasziniert mich, wie sie da in verschiedenen Welten leben und fantasievolle Reisen unternehmen. Was ich immer wieder beobachte, egal ob zu zweit oder in größeren Gruppen, ist die Tatsache, dass Kinder anfangs immer Spielregeln ausmachen. Manchmal sitzen sie eine Weile diskutierend beisammen, bis sie Regeln gefunden haben, die für alle passen. Es geht da auch schon mal sehr emotional zu. “Ich will aber nicht Melanie heißen!”, regt sich eines der jüngeren Kinder auf. Oft ist es so, dass eines der größeren Kinder die Rolle des Regisseurs übernimmt, wie bei einer Theateraufführung. Jeder hat seinen Part.

Das ist sehr wertvoll für Kinder, zu lernen, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und im Team zu agieren. Wenn alles geklärt ist, wird gespielt, oft stundenlang.

Ich kann mich noch selbst an ein Spiel erinnern, das ich mit einigen Kindern aus der Nachbarschaft liebend gern gespielt habe. Wir hatten in unserer Garage einen Haufen Pflastersteine, die irgendwann verlegt werden sollten. Bis dahin war das unser “Berg”. Wir holten Äste, Blätter und Moos und bauten uns einen Adlerhorst. Dann durften einige Kinder im Nest sitzen, während zwei als Adlereltern herumflogen und Nahrung suchten. Wir suchten Regenwürmer, Insekten etc., doch die stopften wir den Kindern natürlich nicht in die “Schnäbel”. Als wir wirklich hungrig wurden, stürmten wir die Küche und holten Brot, Käse und Wurst.

Als meine Oma eines Tages einen kleinen Spatz fand, den sie großzog, konnten wir unsere “Vogeleltern-Qualitäten” sehr sinnvoll einsetzen. Wir waren Weltmeister im Sammeln von Vogelfutter!

Spielen ist mehr als Unterhaltung

Spiele sind eben nicht nur reine Unterhaltung, obwohl sie auch als solche sehr wichtig sind. Viele Spiele bereiten die Kinder auf das Leben vor bzw. helfen ihnen, einschneidende Erlebnisse zu verarbeiten. In Spiele verpackt, lassen sich auch manche lästige Aufgaben leichter erledigen.

Ich rufe nochmal nach meinen beiden Schwangeren, die nun ihre Babys im Arm halten. Anscheinend war die Geburt schnell und leicht. “He, ihr beiden,”,  schlage ich vor, “eure Babys brauchen jetzt viel Schlaf. Was haltet ihr davon, wenn wir ein Lastwagen-Wettrennen vom Auto zum Haus machen?” Begeistert holen sie zwei Fahrzeuge, die ich mit Lebensmitteln belade. In Windeseile ist der Einkauf vom Auto zum Haus geräumt und die beiden haben auch noch Spaß dabei!

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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