4. März 2018

„So viel muss es aushalten“? Bedürfnisse von Kindern achten!

das muss mein kind aushalten - meinefamilie.at

Welchen Frust müssen Kinder aushalten? In welchen Alter? Wenn es darum geht, dass die Kleinen jetzt kein Eis essen dürfen, weil es kalt ist, dann ist dieser Frust dem Kind zumutbar. Wenn es aber um echte, tiefe kindliche Bedürfnisse geht, dann gilt es, diese Bedürfnisse zu achten und im Rahmen des Möglichen zu respektieren!

Gelegentlich schreibe ich, dass Kinder lernen müssen, Frust zu verkraften. Es kommt aber ganz darauf an: Welchen Frust? In welchem Alter? Wenn es darum geht, dass mein Kind jetzt kein Eis essen darf, weil es kalt ist, weil bald das Essen serviert wird, und ich bei allem Verständnis „nein“ sage, so ist dieser Frust dem Kind zumutbar – auch wenn es vielleicht zu toben beginnt.

Wenn es aber um echte, tiefe kindliche Bedürfnisse geht, wie etwa das Bedürfnis nach Nähe, Zuwendung, Sicherheit und Versorgung, etc., dann gilt es, diese Bedürfnisse zu achten und im Rahmen des Möglichen zu respektieren – und oft genug die eigenen Bedürfnisse hintan zu stellen.

Wann müssen wir eigene Bedürfnisse hintan stellen?

Jedes Kind stellt seine Eltern immer wieder vor solche Situationen: Sie wollen sich mit jemandem unterhalten, aber es stört permanent. Sie müssen in die Arbeit, aber Ihr Kind kann sich in der Krippe nicht eingewöhnen. Sie wollen ins Fitness-Studio, aber Ihr Kind klebt weinend an Ihnen. Sie brauchen Ihren Schlaf, aber Ihr Kind wacht nachts auf, weint und lässt sich stundenlang nicht beruhigen, mit oder ohne ersichtlichen Grund.

Entwicklungsbedürfnisse müssen gestillt werden

Das Eingehen auf kindliche Bedürfnisse und das Erlernen von Frustrationstoleranz sind wichtige Erziehungsziele, doch der wirtschaftliche Sachzwang bringt viele Familien unter Druck. Manche Eltern geben jedoch den eigenen Interessen Priorität und sagen sich: „So viel muss mein Kind aushalten! Je eher es sich daran gewöhnt, umso besser wird es mit Frust im Leben umgehen können.“ Diese Aussage ist bedenklich.

Es bedarf eines verständnisvollen, behutsamen Umgangs mit Verzicht und keiner „Schocktherapie“. Sonst mag es sein, dass eine vordergründige, oberflächliche Gewöhnung eintritt, aber um welchen Preis! Es stirbt etwas ab in der Kinderseele, emotionale Blockaden werden aufgebaut, Ängste nisten sich ein, die oft viel später in Form von Süchten, Abhängigkeiten oder Depressionen lebenslang Freude, Selbstbewusstsein, Liebes- und Beziehungsfähigkeit stark beeinträchtigen können.

Auf emotionalen Defekten lässt sich keine Charakterstärke aufbauen

Ein Kind, das ausreichend Liebe, Geborgenheit und Nahrung für die Seele findet, wird später gerade deshalb für die Härten des Lebens gewappnet sein. Ein behutsamer und respektvoller Umgang mit den kindlichen Bedürfnissen ist immer eine gute Investition – auch wenn sie in der heutigen, von Sachzwängen vollgepflasterten Zeit oft wahrlich schwer zu erfüllen ist.

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