25. November 2016

„Slow Family“: Das Familienleben vereinfachen


Ein Ratgeber, der auf sympathische Weise ermutigt, aus dem Hamsterrad unserer Gesellschaft auszusteigen: „Slow Familiy – Sieben Zutaten für ein einfaches Leben mit Kindern“ von Julia Dibbern und Nicola Schmidt (Beltz).

Titelbild © Beltz

Ich habe dieses Buch zufällig entdeckt und fand es so ansprechend, dass ich es kaufen musste, obwohl ich nicht 100% in die Zielgruppe passe. Aber meine Vorfreude auf eigene Kinder hat sich durch das Lesen des Buches um einiges gesteigert! 🙂

Nicola Schmidt und Julia Dibbern, beide erprobte Mamis, beschreiben in ihrem Buch einerseits den Weg zu einem entspannteren Familienalltag und ermutigen andererseits zu einem sehr natürlichen Umgang mit Kindern, den sie als „artgerecht“ bezeichnen und der in unserer hochprofessionellen Gesellschaft scheinbar in Vergessenheit geraten ist. Wir sind heute sehr darauf bedacht, immer alles richtig zu machen. Immer up to date zu sein. Immer auf dem neuesten Stand der Technik und Wissenschaft zu sein. Immer und bei allem gut auszusehen und das auch noch auf Facebook, Twitter und Instagram zu dokumentieren.

Dem Menschen wird das allerdings nicht wirklich gerecht. Viel weniger dem, was unsere Kinder brauchen. Da sind die beiden Autorinnen natürlich nicht die ersten, die das erkennen. Immer mehr Menschen stellen sich die Frage, wie wir aus dem Hamsterrad, in das wir uns begeben haben, wieder hinauskommen. Die beiden Autorinnen haben es auf sehr sympathische, leicht nachvollziehbare und ermutigende Art geschafft zu beschreiben, wie sie den Weg aus unserer immer schneller werdenden Zeit hin zu einem „slow familiy“-Leben gegangen sind bzw. immer noch gehen. Sie schöpfen dabei aus ihrer eigenen Erfahrung und aus ihrer Beratungstätigkeit im „Artgerecht-Projekt“.

„Slow Family“: Der Blick auf das Wesentliche

Mir hat das Buch gefallen, weil die zum Teil recht einfachen Tipps (von denen manche sicher nicht neu sind) sehr auf das Wesentliche ausgerichtet sind. Und was ist das Wesentliche?

  • Möglichst viel stressfreie Zeit mit den Kindern verbringen.
  • Viel draußen sein und von der Natur lernen.
  • Den eigenen (Mutter-, Vater, Eltern-) Instinkten wieder trauen.
  • Erziehung nach dem Pippi Langstrumpf-Prinzip.
  • Bewusstes Leben in Gemeinschaft (Familie, Nachbarschaft, das „Dorf“), denn der Mensch ist nicht geboren, um allein zu sein.

Auch ohne Kinder war sehr viel Hilfreiches für mich dabei: Die Welt geht zum Beispiel nicht unter, wenn mir der Bus mal davon fährt. Für diese Erkenntnis brauche ich zwar keinen Ratgeber zu lesen, aber erstaunlicherweise vergesse ich das meistens, wenn ich wieder mal so einem öffentlichen Verkehrsmittel hinterherhetze. Öfter um Hilfe zu bitten, bevor mir alles zu viel wird, übe ich auch besser schon mal gleich. Und die Ermutigung, der Nachbarin hin und wieder ein Stück Kuchen vorbeizubringen, klingt simple, aber wie oft habe ich das getan? Kann ich leider an einer Hand abzählen…

Was ist eigentlich notwendig?

Sehr eingeprägt hat sich das Nachdenken über das kleine Wort „notwendig“. Wendet es irgendeine Not, wenn die Zweijährige mal mit schmutzigem T-Shirt außer Haus geht, weil sie sich weigert das saubere anzuziehen? Vermutlich nicht. Und diese Frage kann ich mir fast 100 Mal am Tag stellen. Ist das not-wendig?

Das Buch zeigt mir, dass es oft nur Kleinigkeiten sind, die eine schwierige Situation verändern können, in diesem Sinne also not-wendig sind. Mit Humor kommt man meistens auch weiter als mit Strafen. Zum Beispiel wenn sich die Kinder weigern, Gemüse zu essen. Kommt euch bekannt vor? Vielleicht probiert ihr es mal mit der Umkehrung:

„Heute gibt es für die Kinder nur Süßigkeiten. Sonst nichts! So viel Schokolade wie ihr wollt, aber keinen Apfel, keine Gurke.“

Spätestens am Nachmittag hatten Nicolas Kinder die Nase bzw. den Bauch voll und stürzten sich auf die Karotten. Ähnliche Tipps gibt es zu den Themen Haare waschen, Zähne putzen, Gebrauch von Schimpfwörtern u.v.m.

Langsam. Achtsam. Echt. Daran orientieren sich die beiden Autorinnen dieses empfehlenswerten Buches. Und so könnten wir es in diesem Advent ja (wieder) einmal versuchen: Langsamer. Achtsamer. Echter.

Slow Familiy – Sieben Zutaten für ein einfaches Leben mit Kindern

Slow Family - meinefamilie.at

Julia Dibbern und Nicola Schmidt
Beltz Verlag, 2016
240 Seiten; 16,95 Euro
ISBN: 978-3-407-86426-0

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EIN ARTIKEL VON
  • Veronika Bonelli

    Nach 10 Jahren Moderation und Redaktion bei Radio Maria habe ich nicht nur das Bundesland (Vorarlberg) gewechselt, sondern auch die Art und Weise, meine Gedanken mit anderen zu teilen (vom Mikro zur Tastatur) Meine Lieblingsthemen sind gleich geblieben: alles rund um die Frage, wie wie unser Leben sinnvoll, kreativ, verantwortlich und mit Freude gestalten können.


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