13. April 2016

Sexualerziehung ab dem Kleinkindalter

Sexualerziehung - meinefamilie.at

Maria und Richard Büchsenmeister, Autoren des Buches “Stark. Selbstbewusst. Aufgeklärt – Sexualerziehung vom Kleinkindalter bis in die Vorpubertät” erzählen, warum es wichtige Aufgabe der Eltern ist, Sexualerziehung von Anfang in die Hand zu nehmen und wie das funktioniert.

Mit dem Titel Ihres Buches „Stark. Selbstbewusst. Aufgeklärt“ drücken Sie schon aus, dass Aufklärung zur Erziehung starker Kinder dazugehört. Wie kann das funktionieren?

Dazu gehört vorerst sicher einmal, dass wir Eltern selbst an uns arbeiten und eine gewisse Sicherheit erlangen, miteinander über das Thema Sexualität sprechen zu können. Das kommt normalerweise nicht von alleine. Das haben wir entweder in der je eigenen Familie gelernt und/oder durch eigene Bildung erworben. Wir haben das Rüstzeug durch unsere Herkunftsfamilien und später durch gemeinsame Ausbildungen in Natürlicher Empfängnisregelung nach Rötzer erhalten.

Unbeschwerte Kommunikation über Sexualität

Das Aneignen von Wissen und einer schönen Sprache ist gerade im Bereich der Geschlechtlichkeit grundlegend. Sie führen zu einer freien und unbeschwerten Kommunikation über die eigene Sexualität. Das Ehepaar wird durch Bildung, Auseinandersetzung und gemeinsames Gespräch stärker, selbstbewusster und aufgeklärt. Und diese Klarheit im eigenen Kopf hilft uns, auch mit unseren Kindern – natürlich alters- und kindgerecht – zu sprechen.

Kein Buch, Film oder sonst eine Hilfe kann unsere erste und wichtigste Aufgabe als Eltern ersetzen, (Sexual-)Erziehung selbst in die Hand zu nehmen.

Wie man nun konkret mit Kindern über dieses Thema in verschiedenen Situationen des Lebens sprechen kann, haben wir in unserem Buch „Stark. Selbstbewusst. Aufgeklärt – Sexualerziehung vom Kleinkindalter bis in die Vorpubertät“ dargelegt. Die erste Auflage des Buches konnten wir im August 2015 veröffentlichen. Und wir freuen uns, ermutigt durch die große Nachfrage und die vielen positiven Rückmeldungen, schon heuer im Februar 2016 die überarbeitete 2. Auflage fertig zu stellen.

Plötzliche Fragen über Sexualität

Kinder stellen plötzlich und unerwartet Fragen zur Sexualität oder erforschen ihre Sexualität spielerisch. Das kann Eltern verunsichern. Wie können sie damit umgehen?

Sie haben vollkommen Recht: Kinder stellen manchmal Fragen, die uns überfordern und verunsichern, so gut kann unseres Erachtens gar niemand auf Elternschaft vorbereitet sein. Kinder beginnen zwischen dem 4. und 6. Lebensjahr (manchmal früher, selten später), sich für den Unterschied von Mann und Frau und die Entstehung eines neuen Menschen zu interessieren. Es gibt sehr viele schlichte und kindgerechte Formulierungen, um den Fragen gerecht zu werden. Wir Eltern können bedenken, dass das Kind Erotik nicht kennt.

Seine Fragen betreffen reine Biologie und nehmen den gleichen Stellenwert ein, wie zum Beispiel Fragen über den Blutkreislauf. Und genau auf dieser Ebene der Biologie können wir Antworten geben.

Kein Kind wird uns allerdings wegen einer nicht beantworteten Frage böse sein. Wir können ja z.B. sagen: „Ich muss mir überlegen, wie ich Dir das am besten erkläre. Darf ich Dir die Antwort heute Abend geben?“ Am Abend muss die Initiative jedoch von den Eltern ausgehen, sie sollten nicht auf die Wiederholung der Frage warten. Keine Antwort wäre auch eine Antwort, nämlich ‚Ich will lieber nicht darüber reden‘. Kinder werden dann möglicherweise aufhören ihren Eltern Fragen zu stellen, denn sie sind sehr sensibel und merken bald, wenn diese peinlich berührt sind, eher ausweichen und nicht darauf zurückkommen wollen. Dann suchen sie sich eine andere Informationsquelle…

Wenn Sexualität spielerisch erforscht wird

Spielerische Erforschung von Sexualität umfasst eine breite Palette. Grundsätzlich interessiert Kinder in diesem Alter in erster Linie die Biologie, also wie die Organe richtig heißen, wie und wo ein Kind entsteht und natürlich, dass die Liebe zwischen Mann und Frau ganz wesentlich und wichtig damit verbunden ist.

In diesem Kontext ist es ganz natürlich, dass das Kleinkind seine äußeren Geschlechtsorgane neugierig anfasst.

Spielerische Erforschung von Sexualität und damit angestrebter Lustgewinn kommt bei Kindern vor der Pubertät selten vor. Wenn Kinder vor der Pubertät auffällig mit ihren Geschlechtsteilen „spielen“, es also eindeutig in Richtung Lustgewinn geht, ist das meist ein Hilferuf des Kindes. Es könnte sein, dass das Kind in irgendeinem Bereich zu kurz kommt und hier eine Ersatzbefriedigung sucht. Wir möchten raten, gute und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Besser, sich als Eltern zu viele Gedanken zu machen als zu wenige.

Sexualerziehung ist weit mehr als Aufklärung

Welche Aufgabe haben Eltern in der Sexualerziehung?

Eltern sind grundsätzlich die ersten und wichtigsten Erzieher. Es ist ihre Pflicht und auch ihr Recht, diese Aufgabe wahrzunehmen und wenn nötig auch zu verteidigen. Dieses Recht und diese Pflicht betreffen alle Bereiche der Erziehung und deshalb natürlich auch die Sexualerziehung.

Unsere ureigene Aufgabe als Eltern ist es vor allem, die gute Beziehung zu unseren Kindern bewusst zu pflegen und zu leben. Aber ebenfalls die Beziehung als Ehepaar miteinander. Ganz kleine Kinder zeigen offen ihre Freude, wenn sie sehen und spüren, dass sich die Eltern sehr gerne haben.

Wenn wir also das große Glück haben, als Eltern noch ein Paar zu sein, zahlt es sich aus, dieser Liebesbeziehung die höchste Priorität zu geben. Zum Wohle des Kindes.

Das sind die Grundlagen, die es erleichtern, unseren Kindern Biologie und die Geheimnisse von Liebe und Sexualität weiterzugeben. Denn Sexualerziehung ist bei weitem mehr als reine Aufklärung.

Aber gute Sexualerziehung in der Familie kommt nicht ohne Aufklärung aus. Und eine gute Aufklärung durch die eigenen Eltern in der Kindheit baut eine solide Gesprächsbasis. Diese bricht in der Pubertät nicht plötzlich weg. Eltern bleiben die wichtigsten Ansprechpersonen für den Jugendlichen, gerade im Bereich der Sexualität.

Die eigene Sexualität profitiert vom Kleinkindalter

Wie sieht altersgemäße Sexualerziehung im Kleinkindalter aus?

Gerade ganz kleine Kinder sind durch die Vorgabe der Natur besonders auf uns angewiesen. Sie bedürfen unserer Liebe, Zuwendung und Sorge so stark und lange, wie kein anderes Lebewesen in der Natur. Diese erste Zeit des Lebens war und ist von enormer Bedeutung für jeden Menschen. Und – wie so vieles – profitiert später auch die eigene Sexualität von einem positiven Kleinkindalter.

Also altersgemäße Sexualerziehung im Kleinkindalter ist in erster Linie Liebe, Zuwendung, gute Sorge und Pflege des Kindes.

Der zeitlich nächste Abschnitt ist die Benennung der Geschlechtsorgane. Und hier empfehlen wir sehr, auch in der Familie die korrekten Bezeichnungen zu verwenden. Überlegungen, warum das so wichtig ist, haben wir im Buch angeführt.

Aufklärung: Besser zu früh als zu spät

Und schließlich kommen wir zur eigentlichen Aufklärung. Zwei Grundsätze möchten wir dazu nennen: ‚Besser ein Jahr zu früh, als eine Sekunde zu spät!‘ Keine Angst, solange wir nur mit Worten erklären, überfordern wir das Kind nicht. Und: ‚Dem Kind immer die Wahrheit sagen!‘ Dann können wir später darauf aufbauen. Aber das bedeutet nicht, immer die ganze Wahrheit zu sagen.

Wird der natürliche Wissensdurst des Kindes gestillt, wird es stark und selbstbewusst. Voller Ruhe kann es sich einem neuen Bereich zuwenden.

Maria und Richard Büchsenmeister sind Familientrainer, zwölffache Eltern, tätig im Referat für Ehe und Familie der Erzdiözese Salzburg und Inhaber des Verlages ehefamiliebuch.

Stark. Selbstbewusst. Aufgeklärt.

Buch Sexualerziehung Büchsenmeister - meinefamilie.at

Sexualerziehung vom Kleinkindalter bis in die Vorpubertät.
Maria und Richard Büchsenmeister
Einband mit Klappen, 110 Seiten
€ 12,50

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2 Kommentare
  • Anonymous, 18. April 2016, 12:15 Antworten

    Möchte gerne an der Verlosung des Buches "Stark, selbstbewusst, aufgeklärt" teilnehmen. Ute Jahn mayer_ute18@hotmail.com

    • meinefamilie.at, 18. April 2016, 12:29 Antworten

      Liebe Ute, leider ist das Gewinnspiel gestern zu Ende gegangen. Wir werden bald wieder ein Buch verlosen! :-)

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