2. Februar 2015

Selbstgefühl bei Kindern stärken


Wie stärke ich das Selbstgefühl bei Kindern, warum ist es so wichtig und worin besteht der Unterschied zum Selbstvertrauen?

Der von mir sehr geschätzte dänische Familientherapeut Jesper Juul schreibt in seinem Buch „Dein kompetentes Kind“ (Tipp!), dass er noch nie Eltern begegnet sei, die ihre Kinder nicht lieben. Woran es allerdings oft hapert, sei, dass sich die liebevollen Gefühle nicht in liebevollem Verhalten äußern. Will heißen: Kinder spüren die Liebe ihrer Eltern manchmal nicht und fühlen sich vielleicht sogar ungeliebt. Was für eine grausame Vorstellung! Denn das, was ich mir am meisten für meine Kinder wünsche, ist, dass sie sich geliebt und angenommen wissen – ganz egal, ob sie nun ‚brav‘ oder ‚schlimm‘ sind, ob sie meinen Erwartungen entsprechen oder nicht. Juul verrät in seinem schlauen Buch natürlich auch, wie Eltern ihren Kindern ihre Liebe zeigen können, auf eine sehr nachvollziehbare Art und Weise, wie ich finde.

Selbstgefühl ist nicht Selbstvertrauen

Juul unterscheidet zwischen dem Selbstgefühl und dem Selbstvertrauen. Das Selbstvertrauen bezieht sich auf das, was wir können: Wenn ich unseren Dreijährigen lobe, weil er ‚Fuchs, du hast die Gans gestohlen‘ singen kann, stärkt das sein Selbstvertrauen. Mein Lob motiviert ihn, er singt auch weiterhin, hat Freude daran, lernt immer mehr Lieder und wird vielleicht irgendwann einmal ein berühmter Sänger. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist gut und wichtig – als Mutter will ich ihm helfen, seine Fähigkeiten und Talente zu erkennen, zu stärken und zu schätzen. Viel wichtiger, weil fundamentaler, ist es allerdings, sein Selbstgefühl zu stärken. Wer ein gut ausgeprägtes Selbstgefühl hat, ruht in sich selbst, fühlt sich wohl in seiner Haut, weiß, dass er gut ist, so wie er eben ist. Es ist genau DAS, was ich meinen Kindern vermitteln will: Unabhängig von deiner Leistung und deinen Fähigkeiten ist es gut, dass du bist!

Zwei Dinge, die das Selbstgefühl von Kindern stärken:

  •  Kinder wollen gesehen werden

Wenn unsere Einjährige für zwei Sekunden frei steht und mich anstrahlt, braucht sie wahrscheinlich einen liebevollen Blick von mir. Oder ein freundliches „Du hast dich ja hingestellt!“ Wenn der Dreijährige mit viel Hingabe ein Ausmalbild bearbeitet und es mir schenkt, kann ich sagen: „Danke, mein Schatz! Zeig mal her, was du da alles gemalt hast.“ Es geht weniger um Lob – das würde ja die Leistung betonen -, sondern ums Wahrnehmen. Ich zeige meinem Kind, dass ich es sehe und dass ich an dem, was es tut, an dem, was es interessiert, auch interessiert bin.

  •  Kinder wollen wertvoll für andere sein

Dass meine Kinder mein Leben bereichern, möchte ich ihnen immer wieder zeigen. Wenn der Große von einem Wochenende bei seinen Großeltern nach Hause kommt, drücke ich ihn ganz fest und sage ihm, wie schön es ist, dass er wieder da ist. Wenn ich beim Kuscheln zu unserer einjährigen Tochter sage „Du machst mein Leben schön!“ wird sie die Worte des Satzes nicht verstehen, die Botschaft aber kommt hoffentlich an.

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EIN ARTIKEL VON
  • Sandra Lobnig

    Seit ich Kinder habe, ist mein Leben schöner, erfüllter, spannender geworden. Und wahrscheinlich auch anstrengender. Ich bin Theologin und lese und schreibe über Ehe-, Erziehungs- und Glaubensthemen. Mit meinem Ehemann und unseren vier kleinen Kindern lebe ich in Wien.


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