15. Januar 2015

Selbstbewusstsein bei Kindern stärken


Selbstbewusstsein kommt nicht von selbst. Um zu wachsen, brauchen Kinder viele Möglichkeiten zum Lernen, Freiheit, Grenzen, aber vor allem Vertrauen!

Ich wünsche mir, so wie viele andere Mütter sicherlich auch, selbstbewusste Kinder, die später gut allein in der Welt zurechtkommen und dort ihre Frau und ihren Mann stehen. Die zu ihren Werten stehen, zu ihrem Glauben, die standhaft bleiben angesichts der vielen ungesunden Angebote. Die sich für andere einsetzen und ihren Weg ganz klar und entschlossen gehen. Das ist mein Fernziel.

Den richtigen Weg finden

Im Alltag bedeutet das, hunderte, ja tausende von Gelegenheiten zu nützen, um meinen Kindern Geborgenheit und Liebe zu geben und auf dieser Basis ihren Charakter zu formen. Da gibt es viele kleine Nahziele. In manchen Bereichen fällt es mir leicht, vor allem in denen, wo ich selbst als Kind gute Erfahrungen gemacht habe. In anderen weiß ich nicht so recht, wie ich es nun am besten beginnen soll. Da fehlen mir Vorbilder. Oft rede ich dann mit Gott darüber und versuche, mit ihm gemeinsam einen Weg zu finden.

Ein interessantes Thema ist für mich das „Lassen“. Um zu wachsen, brauchen Kinder viele Möglichkeiten zum Lernen, Freiheit, aber auch Grenzen. Zu viel Strenge erzeugt nur Widerstand und Rebellion, zu wenig Grenzen sind für Kinder auch nicht gut. Den Mittelweg zu finden ist oft nicht einfach.

So wächst das Selbstbewusstsein

Unser Jüngster ist nun mit drei Jahren in einer Phase, wo er immer und überall mithelfen und vor allem alles selber tun möchte. Das kann ganz schön anstrengend sein! Wie viel schneller wäre ich manchmal fertig, wenn ich den Wäschekorb einfach ruckzuck die Stiege hochtrage, anstatt ihn mit Hilfe meines Kleinen in einem langwierigen Prozess hochzuhieven. Ich komme mir dann manchmal vor wie die Ameisenmutter, die ihren Kleinen, der ihr gerne „helfen“ möchte, noch zusätzlich schleppen muss. Doch wenn ich dann die Begeisterung in seinen Augen funkeln sehe, wenn wir es gemeinsam geschafft haben und ich ihn lobe, sehe ich den Sinn darin. Durch solche Erlebnisse wächst mein Kleiner! Sogar äußerlich wirkt er gleich ein paar Zentimeter größer, aber vor allem innerlich bewirken solche Erfolgserlebnisse eine Menge! Sein Selbstbewusstsein wächst. Er wird sich seiner selbst bewusst. Dessen, was er kann und auch, was er noch nicht kann. Er lernt auf gesunde Weise sich selbst einzuschätzen.

Deshalb lasse ich ihn oft bewusst Dinge machen, die vielleicht noch nicht unbedingt für Dreijährige geeignet sind. Natürlich unter Aufsicht. Wie glücklich ist er, wenn auch er nun schon anstatt der Plastikteller die richtigen, zerbrechlichen, großen Speiseteller vom Geschirrspüler ausräumen darf! In seinem Übereifer taumelt er dann schon mal gefährlich oder stößt irgendwo an, vor allem wenn die älteren Geschwister meinen, ihm das gute Stück aus der Hand nehmen zu müssen. „Lasst ihn doch!“ fordere ich sie dann auf. „Auch ihr habt es so gelernt. Wir können ihm das schon zutrauen.“ Und interessanterweise hat unser Kleiner noch nicht wesentlich mehr kaputtgemacht als die Großen. Missgeschicke passieren nun mal jedem. Stattdessen durfte unser Kleiner innerlich wachsen. Er gehört nun auch schon zu den Großen, die solche heiklen Tätigkeiten durchführen dürfen. Das erfüllt ihn sichtlich mit Stolz und steigert sein Selbstbewusstsein.

Klar gibt es Grenzen. Er darf natürlich noch keine Feuerzeuge oder scharfen Messer haben. Aber es ist mir wichtig, ihm mein Vertrauen zu zeigen und ihn spüren zu lassen, dass er ein wertvolles Mitglied unserer Familiengemeinschaft ist. Nicht nur durch Worte oder Kuscheln, sondern auch dadurch, dass ich ihm vertraue und ihm nach und nach immer verantwortungsvollere Aufgaben übertrage. Schließlich wird auch unser Kleinster groß!

Mehr zu diesem Thema: Selbstgefühl bei Kindern stärken

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein


EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at