16. August 2019

Welcher Lerntyp ist mein Kind?


Hat ein Kind Lernschwierigkeiten in der Schule ist dies nicht automatisch darauf zurückzuführen, dass es lernschwach oder gar „schlecht“ ist und etwas nicht kann. Wenn ein Kind Probleme beim Lernen hat oder sich dabei sehr plagen muss, kann dies die unterschiedlichsten Gründe haben.

In diesem Beitrag möchte ich einen möglichen Grund aufgreifen: Nämlich, wenn beim Lernen der falsche „Sinnes-Kanal“ des Kindes angesprochen wird, welcher nicht seinem Lerntyp entspricht.

Es ist so, dass wir durch unsere Sinnesorgane Wissen aufnehmen bzw. Wissen zu unserem Gehirn geleitet wird. Wir können beispielsweise Informationen lesen, hören oder sie uns durch ein Gespräch aneignen.

Bei jedem Menschen sind die Wahrnehmungskanäle unterschiedlich ausgeprägt. Während bei dem einen der Sinn des Hörens besser geschärft ist, funktioniert bei einem anderen der Sehsinn verstärkt. Dementsprechend werden die Lerntypen unseren Sinneswahrnehmungen zugeteilt. Es wird zwischen dem visuellen, auditiven, motorisch-kineätischen und kommunikativen Lerntyp unterschieden. In der Regel ist es meist so, dass jeder Mensch keinem einzigen Lerntypen zugeordnet, sondere jeder eine Lerntypen-Mischung ist.

Wenn ich jetzt das Wissen darüber besitze, welche Sinneskanäle bei meinem Kind am besten ausgeprägt sind, kann ich es beim Lernen unterstützen, indem ich ihm Lernmöglichkeiten und Lernstrategien zeige, die für seine Kanäle optimal sind. Dadurch wird Lernen leichter und effektiver und es kann vom Lern-Frust zur Lern-Lust kommen.

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Ich möchte Ihnen zum Verständnis ein persönliches Beispiel dazu erzählen:

Unsere Valerie geht jetzt in die zweite Klasse Volksschule, in der das Erlernen des „Ein-Mal-Eins“ einen großen Schwerpunkt des Lehrplans bildet. Um das Können der Malreihen zu kontrollieren, bekamen sie in der Schule jede Woche 28 Malrechnungen, die sie in zwei Minuten schaffen sollten. Valerie tat sich dabei sehr leicht. Als jedoch die Malreihen nicht mehr schriftlich kontrolliert wurden, sondern mündlich abgefragt wurden, tat sie sich vom Einen auf’s Andere sehr schwer. Sie musste bei jeder Rechnung lange überlegen und man merkte, wie sie sich dabei quälte. Für mich stand wieder einmal mehr fest: Valerie musste vorwiegend (so wie ich auch) der visuelle Lerntyp, der alles sehen zum Verstehen muss, sein. Um sie beim Lernen zu unterstützen und ihr zu zeigen, wie sie sich leichter tat, bastelte ich gemeinsam mit ihr Mal-Reihen-Kärtchen. Jedes Mal, wenn ich sie mündlich nach einer Malrechnung fragte, zeigte ich ihr das entsprechende Kärtchen dazu, um ihren Sehsinn mit anzusprechen. So übten wir die Malreihen einige Zeit bis wir die Kärtchen weg lassen konnten und sie sich auch ohne leicht tat.

Wenn ich also die Lernkanäle meines Kindes kenne, habe ich die Chance ihm ein „Werkzeug“ in die Hand zu geben und ihm zu zeigen, wie es dieses selbst einsetzen kann. Wichtig ist wieder einmal – wie so oft – die Rolle des Erwachsenen als begleitende Unterstützung seiner Kinder.

Hier beschreibe ich Ihnen noch kurz die vier Lerntypen und mögliche Lernstrategien:

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Der visuelle Typ:

Beim visuellen Typen ist der Sehsinn am besten geschärft. Nur gehörte Informationen reichen nicht aus, um sie sich merken zu können. Das heißt schulisch gesehen, wenn ein Lehrer oftmals frontal unterrichtet, können visuelle Typen sich Sachverhalte nicht gut merken. Die beste Lernstrategie, wenn bei deinem Kind der visuelle Typ sehr ausgeprägt ist, es zu animieren so viel wie möglich zu verbildlichen, schriftlich festzuhalten und Dinge nochmals zu lesen.

Wenn ich an meine Studienzeit zurück denke, dann spiegelte sich dieser Sinneskanal in meinen Aufzeichnungen und Lernbüchern. Meine Bücher waren mit den unterschiedlichsten Farben markiert und mit kleinen Bildern und Skizzen versehen. Bei Prüfungen holte ich mir den Lernstoff innerlich durch Bilder her. Das heißt, ich richtete mich danach aus, auf welcher Seite ich mir mit welcher Farbe etwas dazu geschrieben hatte. Das heißt, ich denke also immer sehr fotografisch, wenn ich etwas lerne.

Der auditive Lerntyp:

Der auditive Lerntyp lernt am effektivsten, wenn er Dinge hört. Der beste Lernweg, wenn Ihr Kind eher der auditive Lerntyp ist, dass es sich den Lernstoff selbst vorspricht, um ihn zu hören, oder sich Dinge auf Band spricht und sich wiederholt anhört. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass das Kind das Gelernte jemanden erzählen kann und es umgekehrt auch noch einmal von jemandem erklärt bekommt.

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Der motorisch-kinästhetische Typ:

Der motorisch-kinästhetische Typ ist der „Macher-Typ“, der sich Dinge am besten merkt, wenn er selbst etwas dabei machen oder angreifen kann. Ist dein Kind eher der motorisch-kinästhetische Typ kann es hilfreich sein, wenn man ihm erlaubt sich beim Lernen zu bewegen. Möglichkeiten wären, einen Ball zu kneten, hin und her zu gehen, mit den Füßen zu wackeln oder Inhalte pantomimisch darzustellen.

Der kommunikative Typ:

Der kommunikative Typ verinnerlicht sich Wissen durch Gespräche und Unterhaltungen. In Bezug auf Ihr Kind bedeutet dies, dass Sie es unterstützen können, wenn Sie schulische Dinge mit ihm durchsprechen. Es braucht den kommunikativen Austausch. Eine spielerische, angepasste Lernstrategie wäre für diesen Lerntypen die unterschiedlichsten Quizze und Rätsel zu erstellen (z.B. „Wer wird Millionär“). Dadurch kann Wissen mit Kommunikation verbunden werden.

Um herauszufinden welche Lerntypen Ihrem Kind entsprechen, können Sie es einfach genau beobachten und unterschiedliche Dinge mit ihm ausprobieren.

Noch einige kleine Tipps fürs Lernen, die für alle unterschiedlichen Typen hilfreich sind:
  • Wichtig ist beim Lernen immer wieder Pausen einzuplanen.
  • Es gibt eine Tageszeit, wo die Leistungskurve bei jedem sehr hoch ist und dementsprechend auch Zeiten, wo das Lernen aufgrund der Uhrzeit einfach schwerer fällt. Das bedeutet, versuchen Sie die beste Lernzeit für Ihr Kind herauszufinden.
  • Vor dem Lernen ist es förderlich kurze Körperübungen zu machen, die dazu beitragen, dass sich die linke und rechte Gehirnhälfte vernetzen. Solche Körperübungen sind vor allem Überkreuzungsbewegungen. Man klatscht z.B. die linke Hand auf’s rechte Knie und umgekehrt, oder malt mit den Händen eine große liegende Acht in die Luft.


EIN ARTIKEL VON
  • Doris Dolezal

    Mit Herz, Hirn und Humor versuchen mein Partner und ich den Alltag mit unseren zwei wundervollen Mädels (8 Jahre und 5 Monate) und unserem Kater zu meistern. Doch nicht nur in der Familie sammle ich die unterschiedlichsten Erfahrungen mit Kindern, auch in meinem Beruf als Religionspädagogin.


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