28. April 2015

Teilleistungsschwäche: Was tun bei Legasthenie?


Wenn das Kind Probleme in Bereichen des Schreibens, Lesens oder Rechnens hat, spricht man von Teilleistungsschwäche. Wir stellen 4 Schritte zum Umgang vor.

Meist ist es die Lehrerin in der ersten Schulstufe, die einem Kind anmerkt, dass es in gewissen Bereichen des schulischen Lernens Probleme hat oder haben könnte. Und damit ist nicht gemeint, dass es mit dem Sitznachbarn Meinungsverschiedenheiten während der Stunde austrägt oder in der Pause mit anderen Kindern in Streit gerät – natürlich, auch das kommt vor. Aber eine so genannte „Teilleistungsschwäche“ (Legasthenie oder Dyskalkulie) liegt dann vor, wenn das Kind in gewissen Bereichen des Schreibens, Lesens oder Rechnens Probleme hat.

Erster Schritt: Erkennen

Viele Eltern fallen „aus allen Wolken“, wenn die Lehrerin oder der Lehrer sie darauf aufmerksam macht, dass das Kind eine solche Teilleistungsschwäche haben könnte. (In der Folge gehe ich vor allem auf die Schriftsprache, das Lesen ein.)

Nun beobachtet man als Elternteil sein Kind meist selbst beim Lesen, Schreiben oder Rechnen der Hausübung. Dabei kann man vor allem beim Vorlesen erkennen, ob das Kind Schwächen hat, indem man folgendes beobachtet:

  • Liest mein Kind stockend und langsam, obwohl es nicht mehr in der 1. Klasse ist?
  • Buchstabiert es manche Wörter von Anfang an durch (die meisten Worte sollten bereits am Wortbild erkannt werden und nicht Buchstabe für Buchstabe durchbuchstabiert werden müssen)?
  • Verliert das Kind öfters die Zeile beim Vorlesen?
  • Lässt mein Kind ganze Wörter aus?
  • Lässt es bei manchen Worten den letzten Buchstaben aus (z.B. bei Verben in der Mitvergangenheit das -e: hinkte, machte, sagte)?
  • Verdreht es bei ihm eventuell noch unbekannten Worten Buchstaben innerhalb des Wortes?

Sollten diese Fragen mit „ja“ beantwortet werden können, liegt wahrscheinlich eine Teilleistungsschwäche vor. Allerdings sind noch viele weitere Faktoren zu berücksichtigen, die nur ein Experte feststellen kann (so genanntes „austesten lassen“ durch Psychologen).

Hilfreiche Tipps, Beispiele und kleine Tests findet man unter www.lrs-portal.net, auch zum Unterschied zwischen „Legasthenie“ und „Teilleistungsschwäche“ finden sich hier wertvolle Informationen.

Zweiter Schritt: Helfen

Da die meisten Kinder, die Schwächen im Bereich der Legasthenie oder Dyskalkulie haben, auch in anderen Bereichen Probleme haben (Konzentrationsstörungen bzw. kürzere Konzentrations- und Aufmerksamkeistsspannen als andere Kinder; leichte Ablenkbarkeit; geringes Vermögen, längere Zeit über ruhig an einem Platz zu sitzen; Probleme mit der Disziplin u.ä.) sollte vor allem in diesen Bereichen dem Kind die größte Hilfe zukommen. Zum einen in Form von Verständnis durch die Lehrkraft – was bei bis zu 25 Kindern in der Klasse nicht so einfach ist, wenn plötzlich 5 Kinder umherlaufen wollen, das ist klar. Doch mit Konzentrationsübungen zu Hause kann das Kind auf längere Konzentrationsphasen hin „trainiert“ werden. Es eignen sich zum Beispiel Phantasiereisen oder Yoga für Kinder. Auch das Zeichnen (z. B. Mandalas) oder vorgelesen zu bekommen statt selbst zu lesen hilft dem Kind, sich zu konzentrieren.

Auf jeden Fall soll das Kind motiviert und nicht diszipliniert oder gar sanktioniert werden. Positive Verstärkung ist für das Kind sehr wichtig, d. h. wir sollen als Eltern nicht auf den Fehlern herumhacken, die es „schon wieder“ gemacht hat, sondern betonen, was es besonders gut gemacht hat!

Dritter Schritt: Hilfe holen

Da dem Kind am besten durch Experten geholfen werden kann, ist es am zielführendsten, mit dem Kind zu einem Therapeuten zu gehen. Dieser hat die meiste Erfahrung mit Kindern, die in unterschiedlichsten Bereichen Schwächen haben und kann am besten und zielführendsten darauf eingehen.

Auch die Lehrerin sollte und wird in den meisten Fällen, wenn eine Teilleistungsschwäche ausgewiesen wurde, mit dem für dieses Kind zur Verfügung gestellten Unterrichtsmaterial reagieren. Außerdem sollte laut Erlass des Wiener Stadtschulrats für die Beurteilung einem Kind mit Schwierigkeiten in der Schriftsprache die Möglichkeit gegeben werden, sich in mündlichen Formen zu präsentieren, also beispielsweise in Referaten.

Vierter Schritt: Freuen

Geteilte Freude ist doppelte Freude: Eltern sollten sich mit ihrem Kind über jeden noch so kleinen Erfolg einfach nur von Herzen freuen!

Wir empfehlen auch: Lerntipp – Vernetzung der Gehirnhälften

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein


EIN ARTIKEL VON
  • Gabriela Paul

    Ich bin Mutter von drei Kindern. Nach meinem Germanistikstudium arbeitete ich jahrelang im Marketing. Dann entschied ich mich zu einer 180°-Wende und wurde römisch-katholische Religionslehrerin. Jetzt unterrichte ich Religion und Deutsch für Kinder mit Migrationshintergrund.


Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at