10. Oktober 2016

Schulwahl: Welche Volksschule ist die richtige für mein Kind?

Schulwahl - welche ist die richtige Volksschule für mein Kind? - meinefamilie.at

In der Stadt stehen oft mehrere Volksschulen zur Wahl. Worauf sollten Eltern achten, welche Kriterien sind bei der Schulwahl wichtig? Eine Orientierungshilfe.

Die Zeit verrennt wie im Flug und schon ist das kleine Würmchen, das eben noch in der Wiege lag, fast schon schulpflichtig. „Fast schon“ ist vielleicht aber auch schon ein „zu spät“, um die richtige Schule für das eigene Kind auszuwählen.

Denn in der großen Auswahl an Schultypen, Schulformen, Angeboten pädagogischer Variationen und so weiter, ist es nicht ganz einfach, die „richtige“ Schule auszumachen, das geht bestimmt nicht innerhalb von zwei Wochen, das will gut überlegt sein.

Nehmt euch wirklich Zeit für diese Auswahl – die nachfolgenden Gedanken sollen ein wenig helfen.

#1 Nähe zum Wohnort, Schulweg

Entscheidend wird zunächst sein, wie weit das Kind gegebenenfalls alleine zur und von der Schule gehen kann. Ist der Schulweg alleine zu bewältigen? Liegt die Schule auf dem Weg zur und von der Arbeit beider oder zumindest eines Elternteils?

#2 Schulform in Bezug auf Tagesablauf

Bei dem großen Angebot an Schulformen vor allem in Bezug auf Nachmittagsbetreuung (Ganztagsschule, offene Schule,…) ist jene auszuwählen, die ihr für euch und euer Kind am geeignetsten haltet. Immer zu bedenken ist, dass die Schule prinzipiell kein „Aufbewahrungsort“ für die Kinder, sondern eine Bildungsinstitution ist.

#3 Pädagogisch-didaktisches Angebot

Offenes Lernen, bilingual, Montessori, Waldorf, bewegtes Lernen, musische oder andere Schwerpunkte, Integrationsklassen, Inklusionsklassen, tiergestützte Pädagogik,… All das und noch viel mehr macht zwar die Auswahlmöglichkeit enorm groß, bringt aber auch die Qual der Wahl. Informiert euch genau und vergleicht das Angebot mit den Interessen und Neigungen eures Kindes.

#4 Vorschulklasse

Wenn bei einem Kind bei der Schuleinschreibung festgestellt wird, dass es noch nicht auf allen Ebenen schulreif ist, aber bereits schulpflichtig, dann darf (muss – ich betrachte es für die meisten Kinder als „darf“) es ein Vorschuljahr absolvieren. Meist geben Kindergartenpädagogen den Eltern hier bereits entsprechendes Feedback bzw. erkennen Eltern dies selbst ebenfalls.

Aber nicht jede Schule führt eine Vorschulklasse. Bedenkt dies vor allem, wenn ihr euch der Schulreife eures Kindes nicht sicher seid, bevor ihr eine Schule auswählt.

Es kann durchaus sein, dass sich ein Kind im Laufe der ersten Monate als nicht ganz schulreif erweist und den Eltern empfohlen wird, dem Kind ein Vorschuljahr zu ermöglichen.

Dann wäre es günstig, eine Vorschulklasse in der ausgewählten Schule zu haben.

(Nur zur Ergänzung: Jede Volksschule führt eine Form der Schuleingangsphase, wobei dies als eigene Vorschulklasse oder im SFE-System sein kann, also 0. und 1. Schulstufe gemeinsam.)

#5 Nachmittagsbetreuung, Hort

In der Volksschule haben Kinder täglich vier bis fünf Unterrichtsstunden, also im Normalfall sind die Kinder von 8 bis 12 Uhr oder bis 13 Uhr im Unterricht. Da die meisten Eltern zu dieser Zeit (noch) arbeiten, brauchen sie entweder eine Nachmittagsbetreuung/einen Hort oder das Kind geht alleine nach Hause. Hier ist natürlich auch das Angebot von Ganztagsschulen zu beachten.

Fragt auch nach den möglichen Abholzeiten: In vielen Schulen und Horten gibt es bestimmte Abholzeiten, dazwischen kann man sein Kind nicht abholen. Wenn es einen Hort in unmittelbarer Nähe zur Schule gibt, solltet ihr klären, wie die Anmeldung funktioniert (Schule und Hort getrennt oder beide gleichzeitig).

#6 Frühaufsicht

Für Eltern, die ihre Kinder schon vor drei viertel acht Uhr in die Schule bringen müssen, weil sie selbst arbeiten gehen, wird in vielen Schulen eine Frühaufsicht angeboten. Erkundigt euch danach, ab wann diese besetzt ist.

#7 Zusatzangebote

Welche unverbindlichen Übungen werden angeboten und welche Angebote von externen Anbietern gibt es? Unverbindliche Übungen werden von den Lehrern des jeweiligen Standortes durchgeführt, sie reichen von der Forscherwerkstatt über das Bühnenspiel bis hin zum Philosophieren mit Kindern usw. Weiters können sich externe Anbieter wie Sportvereine oder Musikschulen in den Schulen einmieten und Kurse abhalten. Auch hier ist die Palette sehr umfangreich – von Ballett über Judo und Fußball bis hin zu Fechten, Schach oder Chemie. Wenn der Hort und die Schule so nah nebeneinander liegen, dass das Kind nur aus dem Hort hinaus und in die Schule hineingehen muss, ist das wirklich ideal (da spreche ich aus persönlicher Erfahrung).

#8 Essen

Wenn es einen Hort oder eine andere Art der Nachmittagsbetreuung gibt, wird natürlich auch Essen angeboten. Als Eltern seid ihr interessiert daran, woher das Essen kommt, wer was womit kocht. Das könnt ihr in jeder Schule bzw. in jedem Hort erfragen.

#9 Kosten

Der Besuch einer öffentlichen Schule ist, was Schulgeld anbelangt, kostenfrei. Nachmittagsbetreuung – z.B. ein Hort – ist kostenpflichtig. Privatschulen verlangen Schulgeld in unterschiedlichsten Höhen, das meist monatlich oder auch halbjährlich oder jährlich eingezahlt werden muss. Die finanzielle Situation ist hierbei natürlich mit zu überlegen.

#10 Erster Eindruck

Die meisten Schulen bieten einen Tag der offenen Tür, damit sich interessierte Eltern und Kinder die Schule ansehen können. In Wien findet jährlich der Tag der Wiener Schulen statt, an dem prinzipiell alle Schulen besucht werden können. Dieser Tag kann aber zu einem ziemlichen Herumgehetze werden, wenn mehrere Schulen in Frage kommen und man für jede potentielle Schule nur ein paar Minuten Zeit hat. Ob man da wirklich einen ersten Eindruck gewinnen kann?

Die Wahl der Volksschule treffen meist die Eltern.

Wir sollten uns dabei bewusst sein, dass nicht wir uns in der Schule wohlfühlen müssen, sondern die Kinder.

Sie besuchen sie täglich. Gleichzeitig sollte uns Eltern bewusst sein, dass ein negatives Gefühl, das wir haben, Auswirkungen auf die Gefühle der Kinder haben kann. Leicht ist diese Entscheidung bestimmt nicht. Auf jeden Fall würde ich raten, das Kind zur Besichtigung der Schule mitzunehmen.

#11 Gruppendruck

Im Kindergarten oder der Vorschulgruppe wird über die Schule gesprochen. Natürlich wünschen sich Kinder, mit dem besten Freund oder der besten Freundin in die Schule zu kommen. Aus Erfahrung weiß ich aber, dass einerseits die meisten Kindergartenfreundschaften in der Schule bröckeln und andererseits Kinder, die „alleine“, also ohne einen Bekannten aus der Kindergartengruppe, in die Klasse kommen, rasch Freundschaften knüpfen. Dies sollte meiner Meinung nach kein Kriterium für die Schulwahl sein.

#12 Bekannte Lehrer

Wenn ihr Lehrer im Bekanntenkreis oder in der Familie habt, überlegt gut, ob ihr eurem Kind wirklich etwas Gutes tut, wenn es in die Schule geht, in der diese unterrichten. Da ich persönlich damit sowohl gute als auch schlechte Erfahrungen gemacht habe, möchte ich hier darauf hinweisen und es zumindest zu bedenken geben.

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EIN ARTIKEL VON
  • Gabriela Paul

    Ich bin Mutter von drei Kindern. Nach meinem Germanistikstudium arbeitete ich jahrelang im Marketing. Dann entschied ich mich zu einer 180°-Wende und wurde römisch-katholische Religionslehrerin. Jetzt unterrichte ich Religion und Deutsch für Kinder mit Migrationshintergrund.



1 Kommentare
  • Peter, 11. Oktober 2016, 16:29 Antworten

    Und was ist mit der Zweisprachigkeit? Und was ist mit den Unterrichtsmitteln (Laptops z.B.) ? Ganz wichtig das Sportangebot und Skifahren im Winter. Mens sana in corpore sano!

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