28. August 2015

Schulvorbereitung: Was braucht mein Kind?

Schulvorbereitung - meinefamilie.at

Es sind besonders die immateriellen Dinge wie Fähigkeiten, Fertigkeiten und Einstellungen, die ein Kind braucht, wenn es in die Schule kommt – diese fünf besonders.

Was braucht mein Kind, was muss ich meinem Kind mitgeben, wenn es in die Schule kommt? Neben der obligatorischen Schultasche und der prall gefüllten Schultüte sind das vor allem immaterielle Dinge: Fähigkeiten, Fertigkeiten, Einstellungen, Zugänge zu verschiedensten Dingen.

#1 Konzentration und Ausdauer: Nicht einmischen

Schulvorbereitung Puzzle bauen - meinefamilie.atKinder, die sich gut auf eine bestimmte Sache konzentrieren können, haben es erwartungsgemäß in der Schule ein bisschen leichter. Die Konzentrationsfähigkeit zu fördern, ist eine nicht ganz einfache, aber doch mögliche Herausforderung. Besonders dazu geeignet sind Spiele wie Puzzles, Bausteine, Lego-Steine, aber natürlich auch Bilderbücher.

Wenn ein Kind sich einem solchen Spiel widmet, ist es wichtig, es im Sinne der Schulvorbereitung nicht dabei zu unterbrechen und sich auch nicht einzumischen, wenn es beispielsweise den richtigen Puzzlestein nicht finden kann oder der aus Bausteinen errichtete Turm gleich einstürzen wird. Das Kind sammelt dabei wichtige Erfahrungen – Erfolg, wenn das Puzzle fertig wird oder der Turm stehen bleibt; Misserfolg, mit dem es umzugehen lernen muss, wenn es länger dauert, den Puzzlestein zu finden oder der Turm mit lautem Getöse zusammenbricht.

#2 Feinmotorik: Zuhause kneten, fädeln, schreiben

Die Hand des Schulanfängers ist in den meisten Fällen noch nicht ausreichend trainiert, um den Schreibstift richtig und entspannt zu halten und Zeichen, Buchstaben, Zahlen korrekt zu schreiben. Da ist es nicht besorgniserregend, dass die ersten O oder A anders aussehen als sie sollten. Wenn aber das Kind bereits im Vorschulalter gezielt in seiner Feinmotorik gefördert wird, was im Kindergarten meist der Fall ist, aber auch zu Hause gefördert und unterstützt werden kann, werden die ersten Schreibversuche in der Schule bereits schöner und vor allem für das Kind entspannter ausfallen und zum Erfolgserlebnis werden.

Dazu gehören alle Spiele oder Arbeiten, die das Kind mit seinen Händen und Fingern macht: Kneten mit Knetmasse, Keksteig oder in der Sandkiste, Spiele mit besonders kleinen Gegenständen wie Perlen-Fädeln, Bügelperlenbilder, Steckbilder, Ausschneidebögen, die Knöpfe eines Hemdes auf- und zumachen und ähnliches.

In diesen Bereich fällt auch das Binden einer Schleife an den Schuhen, was nicht nur das Leben der Lehrkräfte unheimlich erleichtert, sondern auch und ganz besonders die feinmotorischen Fähigkeiten des Kindes fördert.

Erste schriftliche Erfahrungen kann das Kind selbstverständlich sammeln – seinen eigenen Namen schreibt fast jedes Kind, wenn es in die Schule kommt, zumindest in Großbuchstaben. Es gibt jede Menge Material mit Rätseln und Suchbildern für Vorschulkinder sowie Ausmalbilder. Diese Dinge fördern auch Ausdauer und Konzentration.

#3 Soziale Komponenten: Gesprächskultur und Brettspiele

Das verpflichtende Kindergartenjahr vor Schuleintritt hat unter anderem auch die besondere Aufgabe, die Kinder vor Schuleintritt in ihrer sozialen Kompetenz zu stärken: In einer größeren Gruppe als der Kleinfamilie zu Hause, wie es Kindergarten und Schule nunmal sind, ist es besonders wichtig, den anderen zuzuhören, sie ausreden zu lassen, eine gewisse Gesprächskultur aufzubauen und sich an Regeln der Gemeinschaft zu halten.

Dies kann ebenfalls im Zuge der Schulvorbereitung spielerisch trainiert werden, beispielsweise durch gemeinsame Gesellschaftsspiele – von „Mensch, ärgere dich nicht“ (und allen Abwandlungen davon wie etwa „Bobby-Car“ u.ä.) über Memory bis hin zu Ballspielen im Freien. Da ist nicht nur für jedes Wetter etwas zu finden, sondern auch für jeden Typ Kind: Das eine Kind muss lernen zu warten, bis es an die Reihe kommt, das andere, den Verlust einer Spielfigur zu verkraften oder beim Ballspiel „abgeschossen“ zu werden, das nächste, sich an die Spielregeln zu halten.

#4 Selbstständigkeit: Selbst anziehen, selbst essen, selbst einpacken

Ein ganz wesentlicher Bereich der Schulvorbereitung ist die Selbstständigkeit:

Das Kind sollte sich selbst anziehen können, von der Unterwäsche über die Bluse bis hin zu den Schuhen, der Jacke und der Haube.

Auch wenn es am Anfang etwas lang dauern mag, gilt für Eltern: Geduld haben, nicht unwirsch eingreifen, dem Kind die Zeit geben, die es braucht. Keine Angst, Kinder lernen das recht rasch, bald müsst ihr nicht eine Stunde früher aufstehen, damit Sie rechtzeitig fertig sind zum Fortgehen. Und noch etwas: Auch wenn die Kombinationen manchmal unheimlich sind, sollte das Kind selbst aussuchen dürfen, was es anziehen möchte. Auch das fördert die Selbstständigkeit, denn genau dieses orange T-Shirt möchte es eben heute mit der giftgrünen Hose und den knallgelben Schuhen kombinieren. Wenn es anziehen darf, was es möchte, wird es auch rascher gehen.

Beim Essen darf und soll sich das Kind das Butterbrot selbst streichen, das Schnitzerl selbst schneiden, die Orange selbst schälen (fördert auch die Feinmotorik, siehe oben). Auch das Wasser kann sich das Kind bestimmt bald alleine aus der Kanne ins Glas einschenken.

Wenn es beispielsweise ans Kofferpacken geht, kann das Kind das selbst erledigen! Diese Tätigkeit bereitet den zukünftigen Schüler auf das Packen der Schultasche vor. Wenn das Kind ein bestimmtes Spiel, Stofftier, Kleidungsstück nicht findet, kann es selbst danach suchen. Das Kind muss lernen, auf eigenen Beinen zu stehen und damit im wahrsten Sinne des Wortes „selbstständig“ zu werden.

#5 Zeit

Zu guter Letzt ist das Wichtigste, das Eltern ihrem Kind mitgeben können, ihre Zeit: Die Zeit, die sie ihrem Kind zum Üben, Lernen, zum selbstvergessenen Spielen geben, die Zeit, die sie mit ihrem Kind spielen und verbringen, die Zeit, in der sie Ihrem Kind zuhören, die Zeit, die sie aufbringen, um zu Elternabenden oder Schnuppertagen zu gehen.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen eine schöne ZEIT mit der Schulvorbereitung.

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EIN ARTIKEL VON
  • Gabriela Paul

    Ich bin Mutter von drei Kindern im Schulalter. Nach meinem Germanistikstudium arbeitete ich jahrelang im Marketing. Dann entschied ich mich zu einer 180°-Wende und wurde römisch-katholische Religionslehrerin. Jetzt unterrichte ich Religion und Deutsch für Kinder mit Migrationshintergrund.


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