7. August 2015

Richtig lernen: Wofür und wie?


Für die Schule oder für das Leben? Richtig lernen macht einen großen Unterschied. Aber wie lerne ich richtig und vor allem fürs Leben?

Richtig lernen macht einen großen Unterschied

Leider viel zu oft habe ich von meinen eigenen Kindern (3. und 5. Klasse Gymnasium) im vergangenen Schuljahr gehört: „Die Professorin will, dass wir das auch noch lernen“ oder so ähnlich. Aber Moment: Für die Lehrerin lernen sie? Wie steht es denn nun mit dem „non scholae, sed vitae discimus“?

Für die Schule oder für das Leben?

Das kennen wir wohl alle noch aus eigener oder wieder neu aus der Erfahrung unserer Kinder: „Ich habe Schularbeit, ich muss lernen!“ Gelernt wird, wenn ein Test, eine Prüfung oder eine Schularbeit anstehen. Ja, gelernt wird dabei der Stoff, der prüfungsrelevant ist. Es wird geübt, bis der Kopf raucht, gelesen, gelernt, bis gar nichts mehr geht und schließlich wird die Prüfung mit mehr oder weniger gutem Erfolg absolviert, das Gelernte meist wieder vergessen.

Was hat man dabei fürs Leben gelernt? Das ist die gute Frage. (Warum ja jetzt aller Orten von Kompetenzen gesprochen wird, die unsere Kinder fürs Leben rüsten, vorbereiten, brauchen werden … aber das ist eine andere Geschichte.) Mehrere Dinge können aus einer gut, aber auch aus einer nicht bestandenen Prüfung gelernt werden: Ein gewisser Aufwand reicht, um erfolgreich zu sein. Oder ein gewisser Aufwand reicht eben nicht, um zu bestehen. Richtig lernen spielt hierbei eben eine große Rolle. Der eine Lehrer prüft so, der andere so. Auch wenn die Note am Ende nicht der Vorstellung oder dem angestrebten Ziel des Kindes entspricht, fürs Leben hat es gelernt: Einstellung, Menschenkenntnis, Einteilung des zu bewältigenden Arbeitspensums und vieles mehr. Oder anders gesagt: Aus Fehlern wird man auch klug.

Richtig lernen, aber wie?

Zum Thema richtig lernen gibt es ja wohl wirklich die unterschiedlichsten Meinungen, Methoden, Ideen. Besonders bei mündlichen Prüfungen ist aber ganz besonders wichtig, nicht nur über das fachliche Wissen zu verfügen, das man gelernt hat, sondern auch und ganz besonders über verbale Ausdrucksfähigkeit. Und diese ist eine Kompetenz, die man ganz sicher auch für das Leben erwerben sollte: für Bewerbungs- oder Verkaufsgespräche, Vertrags- oder Gehaltsverhandlungen und vieles andere mehr. Je wortgewandter jemand agiert, umso erfolgreicher wird er seine Gespräche führen.

Ein Beispiel: Ein Schüler tritt zur mündlichen Prüfung an. Die erste Frage wird gestellt, er antwortet mit einer kurzen Aufzählung, die insgesamt durchaus richtig ist. Dies könnte in etwa so ablaufen: Lehrer: „Welche Arten von Tieren gibt es?“ Schüler: „Vögel, Säugetiere, Reptilien, Insekten, Fische.“ Der Schüler hat eine richtige Antwort gegeben, nun wartet er ab, wie die genaue Frage lauten wird. Und er wartet. Der Lehrer allerdings interpretiert das Warten als ein „Ich weiß nicht mehr weiter!“ und fragt nach, in eine Richtung, die der Schüler nicht erwartet hat und nun nicht interpretieren kann: „Na, weiter, was heißt das im Einzelnen?“ „Äh, naja, dass es unterschiedliche Arten von Tieren gibt.“ Der Lehrer meinte vielleicht den Lebensraum, die Atmung, Haut, Federn, Fell usw.

Ein Schüler sollte also vor einer mündlichen Prüfung gelernt haben, sein Wissen entsprechend der Fragestellung wiedergeben zu können. Die Antwort auf die Frage könnte also bereits lauten: „Es gibt einmal Vögel, die sich dadurch auszeichnen, dass sie zwei Beine haben, zwei Flügel, mit denen sie fliegen können, ihr Körper ist mit Federn bedeckt, diese bestehen aus …“ usw. Von den Vögeln leitet der Schüler in einem Atemzug über auf die Säugetiere: „Vögel haben einen Schnabel, im Unterschied zur zweiten Gruppe von Tieren, den Säugetieren, die ein Maul, einen Mund mit Zähnen haben. Außerdem legen Vögel Eier, Säugetiere gebären lebende Junge. Eier legen übrigens auch die Reptilien, womit wir bei der dritten Gruppe sind. Und da können auch gleich die Fische erwähnt werden, die sich ebenfalls mit Eiern fortpflanzen.“ Ja, schon richtig: Der Schüler redet wie ein Wasserfall und lässt dem Lehrer beinahe keine Chance mehr zum Zwischenfragen. Eine gute Strategie? Ja, denn der Lehrer sieht mehreres gleichzeitig: Der Schüler hat sich mit dem Stoff auseinander gesetzt, er kann Querverbindungen herstellen, Inhalte verknüpfen und das Gelernte verbal wiedergeben. Eines ergibt das andere, fast, wie bei Dominosteinen, die einer nach dem anderen umkippen, wenn man den ersten antippt.

Insofern sind mündliche Prüfungen auf der einen Seite viel angenehmer als schriftliche Tests, denn da muss alles punktgenau zur gestellten Frage notiert werden. Und „was liegt, das pickt“ in diesem Fall.

Sprechen üben

Eltern können ihren Kindern beim Lernen für eine mündliche Prüfung helfen, indem sie den Stoff mit allgemeinen Fragen abprüfen, bei denen die Kinder von einem zum anderen Thema gelangen. Schnell und forsch dazwischen gerufene Zusatzfragen sollen das Kind nicht verunsichern, sondern helfen, weitere Verknüpfungen herzustellen und Querverbindungen zu erkennen. Je öfter das Sprechen an sich geübt wird, umso sicherer wird der Stoff bei der Prüfung sitzen – und umso länger wird er gemerkt werden – von wegen „sed vitae discimus“. Richtig lernen macht eben einen großen Unterschied!

Siehe auch: Welche Lerntechniken gibt es

Privatschulen Wien & Niederösterreich

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EIN ARTIKEL VON
  • Gabriela Paul

    Ich bin Mutter von drei Kindern. Nach meinem Germanistikstudium arbeitete ich jahrelang im Marketing. Dann entschied ich mich zu einer 180°-Wende und wurde römisch-katholische Religionslehrerin. Jetzt unterrichte ich Religion und Deutsch für Kinder mit Migrationshintergrund.


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