17. Februar 2015

Religionsunterricht in Volksschule: Ja oder nein?


Ich bin Religionslehrerin geworden, weil ich fest davon überzeugt bin, dass Religion – und der Religionsunterricht an sich – für unsere Kinder wichtig ist: auf der einen Seite selbstverständlich inhaltlich, auf der anderen Seite aber als eine Unterbrechung des schulischen Alltags.

Gleich vorweg: In Österreich ist Religion ein Pflichtfach für alle Schüler, die einer „gesetzlich anerkannten Kirche oder Religionsgesellschaft“ angehören. Kinder, die „ohne religiöses Bekenntnis“ sind, dürfen sich zu einem Religionsunterricht anmelden. Außerdem ist es aufgrund der in Österreich geltenden Glaubens- und Gewissensfreiheit möglich, sich vom Religionsunterricht abzumelden. Die Frage ist aber: Warum sollte man das tun?

Religion in der Volksschule

Der römisch-katholische Religionsunterricht findet ein- bis zweimal pro Woche statt, je nachdem, wie viele Kinder im Verhältnis zur Gesamtschüleranzahl in der Klasse den Religionsunterricht besuchen. Lernen sie in anderen Fächern wie Deutsch, Mathematik oder Sachunterricht schreiben, rechnen und wie die Welt funktioniert, so erkennen sie durch den Religionsunterricht, wo in dieser Welt sie selbst stehen, wer sie sind, wem sie ihr Leben und ihre Welt verdanken und letzten Endes auch, wohin das Leben sie führen kann.

Die etwas andere Stunde

Sicher wirst du sagen: „Als Religionslehrerin musst du ja dafür sein, dass die Kinder in Religion gehen!“ Da gebe ich dir Recht – ohne Kinder hätte ich keinen Job. Aber: Ich bin Religionslehrerin geworden, weil ich fest davon überzeugt bin, dass Religion – und der Religionsunterricht an sich – für unsere Kinder wichtig ist: auf der einen Seite selbstverständlich inhaltlich (Selbst- und Weltverständnis, Ethik, Werte, Wertschätzung anderen gegenüber, Texte der Heiligen Schrift …), auf der anderen Seite aber als eine Unterbrechung des schulischen Alltags.

Religionsunterricht als Ruhepol

Viele Kinder stehen unter enormem Stress: Buchstaben, Zahlen, Sachunterrichtsfragen – all das setzt Kinder schon vom ersten Schultag an unter Leistungsdruck (nicht zuletzt durch die Ansage vieler Erwachsener: „Jetzt beginnt der Ernst des Lebens!“). Die Religionsstunde wird in diesem Kontext von den Kindern oft als eine Art „Ruhepol“ oder „Oase“ empfunden. Biblische Geschichten, denen sie lauschen können; Stilleübungen, die in dem sonst so lauten Schulalltag wohltuend und erholend sind; Lieder, die einfach ins Ohr gehen; Spiele, bei denen die Kinder gar nicht bemerken, dass sie gerade eine Unmenge lernen: all das macht die Religionsstunden zu etwas ganz Besonderem.

Lieblingsfach Religion

Wie oft höre ich am Ende der Stunde daher auch: „Was? Schon aus?“ Und in den überall zirkulierenden „Freundschaftsbüchern“ findet sich nicht selten bei der Frage nach dem Lieblingsfach „Religion“ an erster Stelle. Das freut mich nicht nur, sondern zeigt mir auch: Warum sollte ich das meinem Kind vorenthalten?

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EIN ARTIKEL VON
  • Gabriela Paul

    Ich bin Mutter von drei Kindern. Nach meinem Germanistikstudium arbeitete ich jahrelang im Marketing. Dann entschied ich mich zu einer 180°-Wende und wurde römisch-katholische Religionslehrerin. Jetzt unterrichte ich Religion und Deutsch für Kinder mit Migrationshintergrund.


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