4. März 2015

Unterrichtsfach Religion: Mehr als auswendig lernen


Lernen Kinder im Unterrichtsfach Religion überhaupt was? Wie schaut ein kompetenzorientierter Unterricht in Religion aus?

Lernen Kinder im Unterrichtsfach Religion überhaupt etwas?

Eltern, die ihre Kinder vom Religionsunterricht abmelden, erheben oft den Vorwurf, dass man da „ja ohnehin nichts lerne“. Da stellt sich aber die Frage: Was versteht man unter „lernen“? Auswendig lernen? Hersagen können? Kennen lernen? Brauchen können?

Kompetenzorientierter Religionsunterricht

Wie in allen anderen schulischen Fächern wird auch im Unterrichtsfach Religion kompetenzorientiert unterrichtet. Diese Kompetenzen befähigen das Kind von der ersten Religionsstunde an, sich in seiner Lebenswelt zurechtzufinden und zu orientieren – und zwar neben und mit anderen Familienformen als der eigenen, neben und mit anderen Überzeugungen als der eigenen, neben und mit anderen Religionen als der eigenen.

Werden diese Kompetenzen kindgerecht vermittelt, so merkt das Kind selbst gar nicht, dass es gerade „lernt“, es empfindet die Religionsstunde als entspannend, (oft ganz) anders als den Rest der Schulstunden, als schön, gemütlich, heimelig, lustig, spannend, kurzweilig.

Kompetenzsetzung im Unterrichtsfach Religion

Gerade in einer Zeit, in der die Welt, wie man so schön sagt, „immer näher zusammenrückt“, sind Kompetenzen gefragt. Und zwar solche, die das Kind befähigen, die gesellschaftliche sowie religiöse Vielfalt, in der es lebt, als Bereicherung zu entdecken und als eine positive Herausforderung zu verstehen. Unsere Kinder sollen andere Überzeugungen kennen lernen und eine wertschätzende Gesprächskultur entwickeln.

Ein kleines Beispiel

Letztes Jahr wurden in einer meiner Klassen die drei römisch-katholischen Kinder, die nach der Aschenkreuzspende mit einer grauen Stirn in die Klasse zurückkamen, von ihren Klassenkollegen ausgelacht. Eigentlich verständlich, man stelle sich das einmal bildlich vor: Da kommen drei Kinder und alle drei haben den gleichen Schmutz im Gesicht und an der gleichen Stelle! Das ist doch wirklich lustig…wenn man eben nicht weiß, warum und woher. Die drei aber fanden das alles andere als witzig – ebenfalls verständlich. Nach einer gemeinsamen Stunde aber, in der wir auf spielerische Art und Weise kleine Unterschiede, Feinheiten und auch Gemeinsamkeiten unserer Religionen erkundeten (übrigens in Form eines „Bingo-Spiels“), wurden die Kinder heuer empfangen mit den Worten: „Schön, dass ihr wieder da seid! Ich weiß, dass bei euch jetzt Fastenzeit ist und ich werde euch helfen!“

Was haben die Kinder also im Unterrichtsfach Religion (mit einem Spiel!) gelernt? Etwas auswendig? Können sie etwas Neues hersagen? Nein. Aber sie haben einen Unterschied kennen und das vom eigenen Abweichende verstehen gelernt.

Tipp:

 

 



EIN ARTIKEL VON
  • Gabriela Paul

    Ich bin Mutter von drei Kindern. Nach meinem Germanistikstudium arbeitete ich jahrelang im Marketing. Dann entschied ich mich zu einer 180°-Wende und wurde römisch-katholische Religionslehrerin. Jetzt unterrichte ich Religion und Deutsch für Kinder mit Migrationshintergrund.


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