19. Juni 2019

Noten in der Volksschule: Sinnvoll oder Schikane?


Die meisten Volksschulen in Österreich sind dazu übergegangen, zumindest in den ersten beiden Schuljahren, keine Note zu geben. Stattdessen stehen alternative Leistungsbeurteilungen und Eltern-Lehrer-Kind-Gespräche im Zentrum. Doch war/ist an Noten wirklich alles schlecht?

Oft kommt von Elternseite ein Totschlagargument, wenn es um Noten geht: „Uns hat es ja auch nicht geschadet“. Auch meiner Tochter, die vor einem Jahr die Volksschule absolviert hat, hat es ebenfalls nicht geschadet. Sie hat von der ersten bis zur vierten Klasse damit leben müssen, dass – zumindest theoretisch – Noten zwischen 1 und 5 im Zeugnis stehen können. Geworden sind es dann dennoch und konstant alles 1er.

Der Schock danach

Danach war der Schock groß. Eben weil das Notenspektrum in der Volksschule, auch im Falle von Ziffernnoten, nicht oder nur sehr unzulänglich ausgeschöpft wird, hatte sie damit zu kämpfen, dass das im Gymnasium anders ist.

Was denkt also erst ein Kind, das gänzlich ohne Noten und lediglich mit alternativer Leistungsbeurteilung von der Volksschule in eine weiterführende Schule wechselt? Die Umstellung wäre wohl noch schwieriger. Zumindest wäre das ein pragmatischer Ansatz: Die Schulwelt besteht eben aus Noten – also ist es sinnvoll, die Kinder so früh wie möglich an ebendiese zu gewöhnen.

Zahl vs. Leistung

(c) iStock

Ein Gegenargument wäre zu behaupten, dass es für Kinder eine Irritation sein kann, dass mit dem Start der Volksschule ihre Fertigkeiten erstmals in ein Noten-Schema gepresst werden. Loben oder anspornen sind plötzlich nicht mehr die einzigen Reaktionen auf die „Leistung“ von Kindern. Auch wenn die Notengebung in den Volksschulen zumeist milde ausfällt und die Note nur aus Verlegenheit vergeben werden, so ist es doch der Anfang eines Denkens, das Kinder zu einem falschen Ehrgeiz verleiten kann.

Soll heißen: Kinder lernen schnell und investieren (zu) viel Zeit darin, bestimmte Noten für bestimmte Leistungen zu erhalten. Die Inhalte der Leistungen geraten dadurch in den Hintergrund, wichtig wird das Ergebnis als Note an sich.

Noten: Richtig oder falsch?

Was aber ist jetzt richtig, was falsch? Die Antwort ist schwer. Fakt ist, dass Noten, sofern sie mit einer verbalen Beurteilung begleitet werden, der präzise Ausdruck der Leistung des Kindes sein kann. Fakt ist auch, dass Eltern-Lehrer-Kind-Gespräche für Kinder überfordernd sein können. In einem solchen Gespräch bekommen Kinder schließlich ihre Beurteilung nicht nur frei Haus geliefert, sondern sie müssen sich zusätzlich auch noch selbst einschätzen und beurteilen.



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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