3. Juli 2015

Nicht genügend im Zeugnis – was nun?


Ein Nicht genügend im Zeugnis ist noch kein Weltuntergang. Das Kind braucht aber Verständnis, Unterstützung und ebenso Ferien

Ein Nicht genügend im Zeugnis ist noch kein Weltuntergang

Die Ferien stehen vor der Tür, das Zeugnis ist geschrieben – und in so manch einem wird sich „ein Fünfer“ („neudeutsch“ sagen die Kinder „eine Fünf“) finden. Damit ist nicht nur der Abschluss des Schuljahres negativ, sondern vor allem auch das Gefühl getrübt, mit dem man normalerweise sorgenfrei und voller Vorfreude in die Ferien geht. Aber: wegen einer negativen Beurteilung geht die Welt nicht unter!

Unterschiedliche Meinungen zum Zeugnis

Nun gibt es die einen, die meinen: „Na, da hätte das Kind einfach während des Schuljahres mehr lernen sollen, dann wäre das nicht passiert. Selbst Schuld.“ Und die anderen, die sagen: „Das Kind kann alles, es hätte doch eine viel bessere Note verdient.“ Oder wieder andere, die die Meinung vertreten: „Nun ja, das Kind gehört halt nicht ins Gymnasium!“ Die Wahrheit liegt – und das wird niemanden überraschen – wahrscheinlich genau irgendwo zwischen all den (hier nicht annähernd vollständig aufgelisteten) Meinungen. Und die Wahrheit ist in diesem Fall tatsächlich gar nicht wichtig. Denn was zählt, ist allein das Kind, das mit einem Nicht genügend im Zeugnis leben muss.

Was das Kind jetzt braucht

Auch, wenn sich im Zeugnis ein Nicht genügend findet, bedeutet dies für niemanden den Weltuntergang. Es soll hier nicht auf „Wiederholen der Klasse“, „Ehrenrunden“, „Klauseln“ und rechtliche Bedingungen und Regelungen des Schulsystems eingegangen werden. Denn diese sind nicht das Zentrum, um das sich die Welt dreht. In dieses Zentrum stellen wir doch lieber unsere Kinder. Und die brauchen – auch, wenn wir Eltern selbst der Meinung sein mögen, sie hätten sich die Note aufgrund von Faulheit, Schlamperei usw. verdient (ja, ich spreche aus eigener Erfahrung!) – jetzt unser Verständnis und unsere Unterstützung.

Kinder Ferien genießen lasen

Dafür haben sie sie nämlich! Wenn dann eine Wiederholungsprüfung ansteht, beginnt das Lernen rechtzeitig Anfang August, am besten in kleinen Dosen. Jeden Tag einmal eine Stunde sollte reichen (das geht auch im Urlaub!), abhängig natürlich vom Fach, vom Stoff, von den Anforderungen. Dann wird gesteigert, auf jeden Tag 2 Stunden, in der letzten Woche vor der Prüfung wird das Pensum noch einmal erhöht, sodass der Stoff auch wirklich komplett durchgenommen werden kann.

Wichtig ist aber: Nicht die Prüfung allein ist das Ziel, sondern, das Selbstbewusstsein des Kindes wieder zu stärken! Es kann die Prüfung schaffen! Stärken wir unser Kind, indem wir es beim Lernen unterstützen, es motivieren. Konstruktiv, nicht destruktiv. Gemeinsam statt einsam. Motivation statt Frustration.

Übrigens: Nachhilfe ist gut und schön, vor allem aber in den meisten Fällen recht teuer. In vielen Fällen funktioniert das Lernen viel besser, mit einer/m Klassenkollegin/en, die/der eine bessere Note in dem Fach hatte: Warum nicht im Schwimmbad lernen?

Think pink

Natürlich ist eine negative Note im Zeugnis keine positive Erfahrung (das wäre wohl auch ein Widerspruch in sich). Dennoch ist sie in Wirklichkeit keine Katastrophe. Eltern tun sich selbst und vor allem dem Kind nichts Gutes, wenn sie schimpfen, sich über die Note des Sprösslings ärgern, ihrem eigenen Frust freien Lauf lassen. Das Kind braucht positive Unterstützung, besonders von den Eltern: Es gibt hunderttausend Dinge, die das Kind toll kann! In denen es ganz besonders ist und weshalb es geliebt und geschätzt wird! Je positiver das elterliche Feedback ausfällt, umso mehr wird das Kind auf seine Fähigkeiten vertrauen können und seine schulischen Leistungen ebenfalls verbessern.

Es kann natürlich auch sein, dass das Kind dafür eine Klasse wiederholen muss oder sogar möchte. Wer weiß, dann geht ihm der berühmte Knopf in bestimmten Fächern vielleicht eben erst in der zweiten Runde auf!

Mehr zu diesem Thema finden sich auf schule.at im Schwerpunkt Zeugnisangst



EIN ARTIKEL VON
  • Gabriela Paul

    Ich bin Mutter von drei Kindern. Nach meinem Germanistikstudium arbeitete ich jahrelang im Marketing. Dann entschied ich mich zu einer 180°-Wende und wurde römisch-katholische Religionslehrerin. Jetzt unterrichte ich Religion und Deutsch für Kinder mit Migrationshintergrund.


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