4. September 2015

Lebenswende Schuleintritt: „Ernst des Lebens“?

Lebenswende Schuleintritt - meinefamilie.at

Mit dem Schuleintritt eröffnet sich eine neue Welt, es ist spannend und aufregend zu lernen. Vom „Ernst des Lebens“ zu sprechen, kann unberechtigt ängstigen – besser einen Mittelweg finden.

Nur noch ein paar Tage, dann ist es soweit: Der erste Schultag ist da! Die Schultasche wurde bereits ausgesucht, steht fertig gepackt bereit, jeden Tag einmal anprobiert und stolz im Spiegel betrachtet. So bei der einen Hälfte aller „Tafelklassler“. Bei den anderen steht die Schultasche zwar auch schon im Zimmer, aber lieber noch in einer Ecke und möglichst unbeachtet. „Schule … lieber erst gar nicht dran denken“, scheint die andere Hälfte der zukünftigen Schülerinnen und Schüler zu denken. Für beide Gruppen ist der erste Schultag auf jeden Fall ein eindrucksvoller Termin.

Zum Schuleintritt: Vorfreude oder Angst?

Kinder, die sich auf die Schule freuen, fiebern dem ersten Schultag nur so entgegen. Sie können es kaum erwarten, sind Feuer und Flamme und voller Vorfreude. So war es auch bei mir. Und dann kam Oma. Sie sagte: „Na, jetzt beginnt für dich der Ernst des Lebens!“ und – wusch! – die Freude war vorbei, plötzlich hatte ich Bedenken: Ernst? Das klang aber gar nicht hübsch. Das wirkte traurig, langweilig, dunkel, furchteinflößend. Sollte „Schule“ etwas Negatives sein? Plötzlich hatte ich Angst vor diesem unbekannten Ort, der da „Schule“ heißt. Nun ja, ich selbst konnte mich in der auf den ersten Schultag – der ein ganz besonderes (schönes!) Erlebnis für mich war – folgenden Zeit eines Besseren belehren lassen und empfand die Schule nie als „ernst“ (im Sinne von negativ).

Selbstverständlich wollte ich dann später auch meinen eigenen Kindern ein positives Gefühl für diesen Wechsel in die Schule mit auf den Weg geben: Schule ist ein Ort, an dem man vieles lernt, das Eltern nicht so gut vermitteln können.

Es werden diese seltsamen Zeichen, die Buchstaben und Ziffern genannt werden, plötzlich sinnvoll, sie eröffnen eine neue Welt, es ist spannend und aufregend zu lernen, man wird größer, reifer, ja, erwachsener. Man ist kein Baby mehr, man ist Schüler! Großartig. Ja, meine Kinder freuten sich sehr auf den ersten Schultag, ihren ersten Tag in dieser neuen Welt, die doch immer mehr und weitere Welten eröffnen würde. Und dann kam Ur-Großmutter – zunächst zu meiner ältesten Tochter: „Na, jetzt beginnt der Ernst des Lebens!“ Ohje, ich hatte versäumt, dieser Ansage vorzubeugen. Meine Tochter war verwirrt und nun doch etwas ängstlich: Was meinte denn die liebe alte Ur-Omi damit?

Ist Schule nun „ernst“ oder nicht?

Die ältere Generation der Großeltern und viele Eltern auch kennen noch Unterricht „der alten Schule“. Strenge Lehrer, Frontalunterricht, wenig abwechslungsreiche Methoden, strikte Vorgaben usw. Dass sich aber im Unterrichtsgeschehen unheimlich viel geändert hat – und zwar zum Positiven für die Schülerinnen und Schüler hin –, wird oft übersehen. Da stehen sich nun die beiden Seiten „Ernst des Lebens“ und, nennen wir es „Erlebnis Schule“, gegenüber. So macht Lernen heutzutage viel mehr Spaß: durch Individualisierung, Differenzierung, unterschiedlichste Methoden, Materialien und Medien, die Ausstattung der Schulen an sich, die Materialien, die Kinder zur Verfügung haben usw. Schule wird zu einem täglichen Erlebnis. Natürlich ist es aber auch so, dass in Österreich Schulpflicht herrscht, was die „ernste Seite“ darstellt: Hat die Schule einmal mit dem ersten Schultag begonnen, so geht das nun jeden Tag weiter, ein Monat, zwei Monate, ein Schuljahr, ein zweites – bis zur Erfüllung der Schulpflicht oder bis zur Matura.

„Durchhänger“ im Herbst

Gerade letzteres, nämlich die Erkenntnis, dass die Schule (auf die sich doch die meisten Kinder freuen) von nun an jeden Tag „stattfindet“, führt bei vielen Kindern zu einem gewissen „Durchhänger“ und zwar häufig im Laufe des langen Herbstes. Die ersten Tage, Wochen, ja, Monate, sind die meisten „Tafelklassler“ völlig begeistert und motiviert. Ende November, Anfang Dezember – die Tage sind nun wesentlich kürzer, es ist länger und früher dunkel, man muss schon aufstehen, wenn noch der Mond am Himmel steht – ist bei vielen Kindern erst einmal „die Luft raus“. Also auch Eltern, deren Kinder sich unbeschreiblich auf die Schule freuen, sollten darauf gefasst sein, dass die Zeit kommt, in der diese positive Stimmung umschlägt. Krankheiten, wie Verkühlungen, Fieber, Kopf- oder Bauchschmerzen, treten dann nicht nur jahreszeitbedingt auf. Mit guten Gesprächen, in denen man ausführlich mit dem Kind über die Schule und seine Erfahrungen und Empfindungen spricht, kann dem vorgebeugt werden. Ein paar freie Tage, beispielsweise die Weihnachtsferien, bringen die meisten Kinder dann wieder „auf Schiene“.

Ein guter Mittelweg …

… ist wohl die geeignetste Methode, die Kinder auf den neuen Lebensabschnitt vorzubereiten. Auf der einen Seite sollen sie sich sehr wohl auf den Schuleintritt freuen, je positiver sie darauf zugehen, umso schöner werden sie sie erleben. Auf der anderen Seite dürfen Kinder aber selbstverständlich auch wissen, dass Schule wichtig ist, ernst genommen werden muss und sie damit eine Pflicht erfüllen. Jedes Kind ist individuell und die Eltern kennen es am besten: Was will ich meinem Kind mitgeben auf diesen Weg in die Schulzeit, wovon braucht es mehr, wovon hat es bereits genug? Muss ich die positiven Seiten betonen oder die Euphorie vielleicht ein kleines bisschen dämpfen?

In jedem Fall ist Schule spannend – für die Ängstlichen ebenso wie jene, die es gar nicht erwarten können. Allen wünsche ich an dieser Stelle einen guten Start in diese neue, aufregende Zeit!

Passend dazu: Schulvorbereitung – was man alles tun kann

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EIN ARTIKEL VON
  • Gabriela Paul

    Ich bin Mutter von drei Kindern. Nach meinem Germanistikstudium arbeitete ich jahrelang im Marketing. Dann entschied ich mich zu einer 180°-Wende und wurde römisch-katholische Religionslehrerin. Jetzt unterrichte ich Religion und Deutsch für Kinder mit Migrationshintergrund.


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