9. Dezember 2015

Wie nachgiebig dürfen Eltern vor dem Schlafengehen sein?


Das Schlafengehen mit Kindern kann eine Herausforderung sein. Was hat es mit dem Abendritual auf sich? Und wie streng muss es eingehalten werden?

„Rosalie, Zeit zum Schlafengehen!“ Dies hört sich für kaum jemanden, der Kinder hat, neu an, denn so hört man sich wohl selbst tagtäglich nach seinem Kind rufen. Der Geschichtenerzähler Marko Simsa nimmt sich mit seinem „Zookonzert“ dieses bekannten Themas von der humor- und fantasievollen Seite an. Denn die Heldin seiner Kinder-CD, Rosalie, benützt ihre Schlafengehzeit, um ihre Kuscheltiersammlung noch in einen musikalischen Tiergarten zu verwandeln.

Das könnte unsere Tochter sein, denn ungefähr so spielt es sich auch bei uns ab, nur dass sie sich bereits vor Müdigkeit kaum auf den Beinen halten kann. „Ab morgen mache ich das wieder alles anders!“, ist damit der zweite Satz, den ich mich in diesem Zusammenhang oft sagen höre. Sich der Sache von der humorvollen Seite zu nähern, ist bestimmt die effizienteste Methode, die ich prinzipiell in puncto Kindererziehung auch anzuwenden versuche; doch besonders abends ist dies mitunter ein aussichtsloses Unterfangen. Ist ein gewisser Punkt bereits überschritten, kann das allabendliche Ritual zu einer unendlichen Geschichte werden.

Fernsehen vor dem Schlafengehen?

Ich bin ja zum Teil selbst schuld. Gelegentlich passiert es mir beispielsweise, meiner Tochter noch vor dem Zähneputzen ein paar Minuten Fernsehen zu erlauben. Fatal, denn so quirlig sie vorher noch gewesen sein mag, so schlägt gerade in diesem kurzen Zeitraum die Müdigkeit erbarmungslos zu und versucht sie wie mit Fangarmen an die Couch zu fesseln. Gelegentlich passiert es mir dann auch, mich dazu breitschlagen zu lassen, genannte paar Minuten um ein paar weitere zu verlängern. Erst recht in dieser Kombination wird es zu einer Herausforderung, das Mädchen ins Badezimmer – geschweige denn ins Bett – zu bewegen.

An dieser Stelle heißt es dann noch einmal: „Ab morgen mache ich das wieder alles anders!“ Zum Beispiel erst Zähneputzen, Pyjama anziehen und dann fernsehen. Doch dieses Szenario kann ich mir im Vorhinein ausrechnen: ein Zetern und Jammern, Bitten und Flehen, doch zuerst fernsehen zu dürfen! Bis es so spät ist, dass nicht einmal mehr jene paar Minuten drin sind. So oder so, es endet immer – die Uhr fest im Blick – mit einem Kampf um die Einhaltung des Zeitplans.

Ein roter Faden, aber kein Prinzipienreiten

Arm sind sie ja schon, die Kleinen. Müde und raunzig, bei jeder Kleinigkeit aus der Bahn zu werfen, versuchen sie verzweifelt sich vom Bett fern zu halten. So sehr man versucht ist, sie einfach nur in den Arm zu nehmen, so ist der strikte Rhythmus eines Abendrituals eine für alle Beteiligten hilfreiche Unterstützung. Doch hier stellt sich für mich oft auch die Gewissensfrage:

Muss wirklich jede Regel beinhart eingehalten werden, wo doch die Situation ohnehin schon sensibel genug ist?
Oder gibt es Regeln auch, um sie gelegentlich zu brechen?
Macht es nicht gerade die Kindheit aus, dass Ausnahmen gemacht werden dürfen, bevor noch früh genug der Ernst des Lebens zuschlägt?

Wenn ich es mir recht überlege, ist dies wohl mein richtiger Weg, einem roten Faden zu folgen, aber nicht zum Prinzipienreiter zu werden. Daher lasse ich mich gerne auch einmal breit schlagen, noch ein paar Spielminuten einzuschieben. Und sollte dieser Plan einmal wirklich nicht aufgehen, bleibt mir immer noch zu sagen: Ab morgen mache ich das wieder alles anders.

Wir werden sehen.

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EIN ARTIKEL VON
  • Sabine Láng

    Immer schon von der französischen Sprache fasziniert, nützte ich mein Studium der Theaterwissenschaft, um neben Wien auch in Paris zu studieren. Heute kann ich Französisch beruflich nützen. Mein Mann und ich haben die schöne Aufgabe, unsere 3-jährige Tochter an die Musik heranzuführen!


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