9. Februar 2016

Sollen Kinder ihren Schlafbedarf selbst steuern?

Schlafrhythmus - meinefamilie.at

Warum es sich ausgezahlt hat, auf den natürlichen Schlafrhythmus des Kindes zu vertrauen – trotz Gegenmeinungen und eigener Zweifel.

Die Vorstellung, dass Babys gern und viel schlafen, ist weit verbreitet. Ist man allerdings selbst Mutter, so zeichnet sich häufig ein ganz anderes Bild. Doch nicht nur der Schlafbedarf ist individuell verschieden, auch der Wach- und Schlafrhythmus dieser kleinen Persönchen kann ganz anders sein als erwartet…

Vom Vertrauen in das kindliche Empfinden für den Schlafrhythmus

„Was, dein Sohn steht erst um neun Uhr in der Früh auf? Und dann lässt du ihn noch zwei Stunden am Nachmittag schlafen? Na kein Wunder, dass du ihn am Abend nicht ins Bett bekommst. Das musst du dringend umstellen!“

Wie oft habe ich solche Rat-Schläge erhalten. Meistens unaufgefordert. Ich gestehe allerdings: Es gab immer wieder Zeiten, in denen mir der Schlaf-Wach-Rhythmus unseres Sohnes bange Gedanken bereitete. Ich begann, an meiner Intuition zu zweifeln. Wie schade. Inzwischen lächle ich bei dem Thema und entspanne mich. Zumindest meistens…

Flexibel sein heißt die Devise

Seit der Geburt meines Sohnes vor nun 2,5 Jahren ist es mir ein großes Anliegen, ihm einen erholsamen Schlaf zu ermöglichen. Idealerweise immer dann, wenn er müde ist (und nicht, wenn es mir oder anderen gerade am besten passt). Von Anfang an zählte mein Sohn zu den „anspruchsvollen Schläfern“: bei jedem kleinen Piep und jeder Lageveränderung sofort hellwach. Deshalb versuchte ich, ihm bei jedem Anzeichen von Müdigkeit eine ruhige, entspannte Atmosphäre zu bieten. Diese Orientierung am Schlafbedürfnis des Kindes schränkt natürlich auf den ersten Blick ein.

Und für viele beginnt bereits hier die gefürchtete Nachgiebigkeit seinem Kind gegenüber: „Du wirst schon sehen, wie er dir auf der Nase herumtanzt.“ Oft gehört. Oft geschluckt. Oft gedacht: Sollte ich den Rhythmus vorgeben, anstatt dieses kleine Wesen „bestimmen“ zu lassen?

Im Laufe der Zeit konnte ich allerdings ganz deutlich wahrnehmen, wie ausgeglichen mein Sohn war. Und ich begann zu vertrauen. Mein Sohn durfte von Anfang an erfahren, dass sein Bedürfnis nach Schlaf immer ernst genommen wird. Auch wenn sich dieses Bedürfnis sehr oft änderte. Im ersten Lebensjahr zum Beispiel schlief er abends sehr früh ein. Und wachte dementsprechend früh auf. Nun ist er eine richtige Nachteule und bleibt morgens lange im Bett. Wie auch immer sein Schlafbedarf gerade aussieht, er kann diesen in der Zwischenzeit selbst wunderbar spüren und einschätzen.

Die Kunst, das Positive auch wirklich zu sehen

Mein Mann und ich genießen die gemeinsamen Abende mit unserem Sohn. Seit er so lange aufbleibt, ist die Beziehung zwischen den beiden Männern spürbar gewachsen. Sie haben ja nun nach Feierabend meines Mannes noch ausgiebig Zeit füreinander. Allein das ist Grund genug für mich, den aktuellen Schlaf- und Wachbedarf unseres Sohnes positiv zu sehen. Mir ist bewusst: Jede Familie hat ihren eigenen Rhythmus. Und es ist wichtig, dass die Bedürfnisse aller Platz finden. Wenn Vater und Mutter früh rausmüssen, dann muss sich das Kind wahrscheinlich an deren Rhythmus anpassen. Wenn das aber nicht der Fall ist, dann plädiere ich für Toleranz und Achtsamkeit.

Einem Kind zu sagen, wann es müde oder ausgeruht zu sein hat, ist ein Eingriff in seine natürliche Lebensenergie. Und lehrt ihm außerdem, dass seine ureigenen Empfindungen nicht stimmen.

Im Moment kuscheln mein Sohn und ich gern vor dem Einschlafen unter der Decke. Dann stillt er ein bisschen. Manchmal hat er noch einen dringenden Bücherwunsch. Und manchmal lächelt er mich einfach an und sagt: „Mama, ich bin müde. Ich schlaf jetzt.“ Er spürt genau, wann er bereit ist. Und das trifft in allen anderen Situationen auch zu – nicht nur beim Schlafen. Darauf kann ich vertrauen. Das hat mich mein Sohn schon gelehrt…

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EIN ARTIKEL VON
  • Susanne Sommer

    Ich lebe mit meinem Mann und meinem Sohn (2,5) im Burgenland und bin Bewegungstrainerin und Texterin. Die Geburt meines Sohnes veränderte mein Leben grundlegend und brachte mich auf die Spur zu mir selbst. Neben dem Schreiben und Lesen sind die Natur, das Musizieren, Töpfern und Häkeln meine großen Leidenschaften.


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