28. September 2015

Wenn der Mittagsschlaf nicht klappt


Nicht alle Kinder halten Mittagsschlaf. Doch Eltern können zumindest eine Mittagspause im Tagesverlauf einplanen, in der sich die Kinder ruhig beschäftigen.

Statt Mittagsschlaf zumindest Mittagspause

Seit der kleine Leo im Kindergarten begonnen hat, sind die Nachmittage für Nicole sehr anstrengend geworden. Schon beim Mittagessen ist er übel gelaunt und es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis er endlich den Platz am Tisch gefunden hat, der ihm recht ist. Dabei muss Nicole noch Glück haben, dass dann seine fünfjährige Schwester Emma nicht ausgerechnet denselben Platz haben will. Wenn das Essen geschafft ist, fangen die beiden zwar alle möglichen Spiele an, geraten dabei aber innerhalb kürzester Zeit in einen Streit, was Nicole andauernd auf Trab hält. Nicole hat auch schon versucht, Leo zu einem kurzen Mittagsschlaf ins Bett zu legen – vergeblich. Meist flieht Nicole gegen 16 Uhr mit den beiden in den Park, wo sie zumindest bis zum “Abendtheater” halbwegs zu bändigen sind.

Schlechte Laune, reizbar, streitsüchtig

Einige Stunden mit anderen Kindern zu verbringen, Neues zu erfahren und das Leben gleichsam “alleine” – außerhalb des Familienkontextes – zu meistern, ist für Kinder eine Bereicherung, aber körperlich und emotional sehr anstrengend. Deshalb ist es nicht ungewöhnlich, dass diese Ermüdung nach dem Abholen in verschiedenster Weise zum Ausdruck kommt. Häufig sind Kinder schlecht gelaunt, leicht reizbar oder streitsüchtig wie Leo. Andere trotten stumm neben dem abholenden Elternteil her und fangen bei der kleinsten Kleinigkeit zu weinen an oder schlafen im Kinderwagen sitzend ein.

Am schwierigsten zu erkennen ist die emotionale und körperliche Erschöpfung bei den Kindern, die diese mit Überaktivität zu bekämpfen versuchen. Diese Kinder sind meist nicht zu bremsen, übermütig bis beinahe frech, können dann aber von einer Sekunde auf die andere in ihrer Laune “kippen” oder mitten im Kinderzimmer plötzlich einschlafen.

Mittagspause in Tagesplanung einbeziehen

Wichtig ist, dass Eltern diese Ermüdung nach dem Kindergarten oder auch der Schule in ihre Tagesplanung miteinbeziehen und so manches schon von Vornherein abfangen können. Günstig ist, wenn der abholende Elternteil ohne Stress jedem Kind wenigstens kurz ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt und zum Beispiel ein kleines “Kunstwerk”, das ihm der kleine Liebling stolz vor die Nase hält, wirklich “würdigt”. Leo würden außerdem eine gewisse Routine und klare Regeln eine Hilfe sein – etwa, dass es für ihn am Mittagstisch einen festgesetzten Platz gibt und er sich beim Platzaussuchen gar nicht erst in eine Konfliktsituation hinein manövrieren kann. Auch fixe Regeln am Heimweg können manchmal den Wind aus den Segeln nehmen. Andere Kinder sind zusätzlich schlicht und einfach schon sehr hungrig, sodass eine Kleinigkeit wie etwas Obst schon Wunder wirkt.

Nach dem Essen brauchen Kinder wenigstens 30 bis 60 Minuten eine gewisse Ruhezeit. Je jünger das Kind ist, desto länger. Auch wenn Leo keinesfalls in seinem Bett “schlafen” will, so sollte Nicole durchaus von ihm verlangen, dass er sich in seinem Zimmer mit etwas Ruhigem beschäftigt: ein Buch anschaut, mit ein paar Spielfiguren spielt, ein Puzzle macht, zeichnet,… Jedenfalls sich alleine u n d leise in seinem Zimmer aufhält. Seine Schwester Emma darf sich zwei, drei kleine Sachen aus dem Kinderzimmer holen und in einen anderen Raum gehen, damit die beiden wirklich jeweils alleine ihren “inneren Tank” wieder auffüllen können.

Der Umstellung Zeit geben

Wahrscheinlich wird es ein paar Tage dauern, bis Emma und Leo diese neue Art der Mittagspause akzeptieren und sich daran gewöhnen. Nicole wird sie anfangs oft ermahnen und in das ausgemachte Zimmer zurückbringen müssen. Eventuell ist es möglich, das Ende der Ruhezeit für die Kinder auf einer Uhr sichtbar zu machen. Außerdem kann es nett sein, wenn Nicole manches Mal das eine und dann wieder das andere Kind in seinem Zimmer “besuchen” kommt – ohne allerdings diese stille Selbst-Beschäftigung des Kindes aufzuheben.

Nach so einer sozialen Auszeit und körperlichen Erholungsphase sind Kinder meist für den Rest des Tages viel ausgeglichener als wenn sie sonst auf andere Weise “Dampf ablassen” müssen.

Passend dazu: Schlaflose Nächte – Teil des Elterndaseins

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EIN ARTIKEL VON
  • Alexandra Schwarz

    In den Stella Kindergruppen und als Familienberaterin begleite ich Eltern in ihrer wunderbaren und spannenden Aufgabe der Erziehung. Als Mutter von sieben Kindern weiß ich, wie viel Freude Kinder bereiten, aber auch, wie hilfreich es sein kann, bei so mancher Herausforderung einen Input von „außen“ zu bekommen.


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