26. Juni 2015

Schimpfen ist nicht gleich schimpfen


Kleine Kinder sind einfach hin und wieder schlimm. Mit ihnen zu schimpfen bleibt dann oft nicht erspart. Wie schimpft man richtig? Was sollte man beachten?

Ich bin im Moment in manchen Situationen mit unserem Dreieinhalbjährigen ziemlich ratlos. Um es mal ganz unpädagogisch zu sagen: Er ist hin und wieder einfach schlimm. Das ist ja bei kleinen Kindern nichts Neues. Ganz normal und bestimmt in irgendeiner Form für die kindliche Entwicklung wichtig. Mir geht es gar nicht so sehr darum, zu erklären, warum unser Sohn so ist, sondern ich grüble derzeit intensiv darüber nach, wie ich mich in diesen Situationen verhalten soll. Anders gefragt: Wie kann man richtig schimpfen? Geht das überhaupt?

Zwischen Person und Fehlverhalten unterscheiden

Ein Beispiel: Unser Sohn wirft alle möglichen Sachen durch die Wohnung. Ich erkläre ihm mehrmals eindringlich, dass ich das nicht möchte. Er macht weiter und ich habe den Eindruck, dass er es ziemlich lustig findet, wenn ich mich ärgere und dabei mit ihm schimpfen muss. Ich bin genervt und weiß nicht, wie ich ihn stoppen kann. Ich reagiere noch grantiger, werde laut, versuche es mit den berüchtigten „Wenn-dann“-Drohungen. Das funktioniert mal besser, mal schlechter. Zufrieden bin ich mit meiner Reaktion selten.

Drei Dinge sind mir beim Schimpfen aufgefallen:

  • Ich lasse mich oft provozieren und nehme das Verhalten meiner Kinder persönlich.
  • Ich „bestrafe“ die Kinder nach dem Schimpfen häufig, indem ich – bewusst oder unbewusst – schlecht gelaunt bin und ihnen gegenüber mit unversöhnter Miene und verschlossenem Herzen auftrete.
  • Ich reagiere mit einer Art Liebesentzug auf ihr schlimmes Verhalten.

Diese Reaktionen nagen an mir und ich möchte das ändern. Natürlich sage ich nie: „Wenn du ständig die Duplosteine durchs Wohnzimmer pfefferst, habe ich dich nicht mehr lieb.“ Aber: Die schlechte Stimmung, die ich verbreite, der böse Blick, mit dem ich meinen Sohn strafe, meine Stimme, die scharf und schneidend klingt – all das trifft definitiv eine persönliche Ebene. Ich greife ihn als Person damit an. Und das ist nicht gut. Ich will zwischen der Person und dem Fehlverhalten klar unterscheiden.

Meine Grundsätze beim Schimpfen

  • Ich sage klar, was ich (nicht) möchte.
  • Ich darf auch meine Gefühle zeigen. Schließlich bin ich kein perfekter Erziehungsroboter, sondern eine Mutter aus Fleisch und Blut. Mein Sohn darf also merken, dass ich verärgert bin, wenn Gegenstände durchs Wohnzimmer fliegen.
    ABER: Ich will meine Kinder nie, nie, nie kränken oder herunter machen. Sie sollen nie daran zweifeln, dass ich sie liebe – auch wenn ich mit ihrem Verhalten ganz und gar nicht einverstanden bin.

Geste der Nähe

Der letzte Punkt ist die große Herausforderung, finde ich. Ich bin da – wie oben schon erwähnt – noch auf der Suche. Ich weiß nur, dass persönlicher Angriff oder Machtkämpfe die falschen Wege sind. Schlechte Stimmung oder ein Beleidigt-Sein meinerseits auch. Im Grunde geht es mir ja darum, mit dem, was mir wichtig ist, bei meinem Kind Gehör zu finden. Einen interessanten Gedanken dazu habe ich vor Kurzem gelesen und ich teste ihn gerade in der Erziehungsrealität meiner eigenen Familie: Gerade in der schwierigen Situation können Eltern – allem Ärger zum Trotz – eine Geste der Nähe zeigen. Also auf Augenhöhe gehen, mein Kind freundlich am Arm nehmen, ihm über den Kopf streicheln. Mich nicht provozieren lassen, und – wenn möglich – mit Humor reagieren. Für mich klingt das plausibel. Denn die Mauer, die sich bei einem Machtkampf und dem Schimpfen zwischen meinem Sohn und mir ergeben hätte, wird damit gar nicht gebaut. Und damit ist auch er empfänglicher für das, was ich ihm sagen will.

Siehe auch: Negatives Verhalten bei Kindern

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EIN ARTIKEL VON
  • Sandra Lobnig

    Seit ich Kinder habe, ist mein Leben schöner, erfüllter, spannender geworden. Und wahrscheinlich auch anstrengender. Ich bin Theologin und lese und schreibe über Ehe-, Erziehungs- und Glaubensthemen. Mit meinem Ehemann und unseren vier kleinen Kindern lebe ich in Wien.


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