25. Januar 2017

Wann braucht mein Kind keine Windel mehr?

Wann braucht mein Kind keine Windel mehr - meinefamilie.at

Wann ein Kind bereit ist, aufs Klo zu gehen statt in die Windel zu machen, hängt am meisten von seiner persönlichen Entwicklung ab, erklärt Elternbildnerin und zweifache Mutter Heidi Effenberger beim Online-Seminar elternweb2go und erzählt die Voraussetzungen für das Sauberwerden.

Oft machen sich Eltern Druck beim Thema Sauberwerden oder bekommen Druck von außen. Denn sauber zu sein hat einen Wert in unserer Gesellschaft, gleichzeitig ist es ein Tabuthema, über das man nicht spricht. „Man ist eine gute Mutter, ein guter Vater, wenn das Sauberwerden so schnell wie möglich vonstattengeht“, meint Heidi Effenberger bei ihrem Webinar “Tschüss, Pampers & Co!”. Dabei hängt dieser Zeitpunkt vor allem von der Entwicklung und der Reife des Kindes ab.

Einige Schritte bis zum WC notwendig

„Uns ist gar nicht bewusst, was unsere Kinder leisten müssen, dass das für uns Selbstverständliche passiert“, sagt Heidi Effenberger. Es beginnt damit, das Signal von Blase und Darm zu spüren. Dann ist der nächste Schritt, den Beckenboden anzuspannen, um nicht sofort zu urinieren – ein großer Schritt, diese Anspannung dem Gehirn zu melden. Und schließlich ist es der erforderliche Weg zum WC, der begangen werden muss, anstatt einfach weiterzuspielen. Effenberger: „Man darf nicht vergessen, dass es für eine Vierjährige so viel interessantere Dinge zu tun gibt, als aufs Klo zu gehen!“

Voraussetzungen, um die Windel loszuwerden

Um fähig zu sein, selbst aufs WC zu gehen, muss das Kind die Signale identifizieren können, die den bevorstehenden Ausscheidungsdrang ankündigen. Es muss Erfahrung haben, um das Signal zuordnen zu können – also den Eltern beim Klogehen zugeschaut haben oder sich die Ausscheidung angeschaut haben.

Das Kind muss Lust am Großsein haben und daran, die Ausscheidungsfunktion selbst zu beherrschen.

Wie erkenne ich als Elternteil, ob mein Kind soweit ist?

Heidi Effenberger erzählt den gewöhnlichen Ablauf:

#1 Signal erkennen

Das Kind bemerkt, dass es urinieren muss. Manche können die Signale dafür schon mit 18 Monaten bemerken, andere im Alter von vier Jahren, das ist ein individueller Reifungsprozess. Sie halten inne im Spiel, manche verstecken sich hinter der Sitzgarnitur, manche schütteln sich ab – das ist der Beginn des Suaberkeitsprozesses. Die Eltern dürfen sich einfach freuen, brauchen nichts Weiteres unternehmen.

#2 Bedürfnis aussprechen

Als nächsten Schritt kann das Kind sagen, wenn etwas in der Windel ist – meist etwa im Alter von zwei Jahren.

#3 Erfragen lassen

Später, etwa im Alter von 2 ½ Jahren, lässt sich das Kind fragen, ob es aufs Klo muss. Es braucht vielleicht Unterstützung der Eltern, dass es rechtzeitig aufs Klo gesetzt wird. Und Eltern können einen Topf anbieten.

#4 Rechtzeitig sagen und aufs WC gehen

Dann kann das Kind selbst rechtzeitig sagen, dass es muss. Groß aufs Klo zu gehen ist steuerbar, die Nächte sind oft noch nass, in dieser Zeit sollten Eltern Ersatzkleidung mitnehmen. Druck zu machen ist zu früh. Heidi Effenberger rät:

„Wenn Ihr Kind sauber sein möchte, sollten Sie ihm nicht aus Bequemlichkeit eine Windel anziehen. Dadurch werden Kinder oft zu Rückschritten animiert. Wenn man das Auto nicht vollhaben möchte, besser ein dickes Handtuch darunterlegen. Und: Dem Kind vertrauen! Wenn es keine Windel mehr möchte, sollte man ihm keine mehr geben.“

Mit Kindern in diesem Alter sei es auch normal, als Erwachsener hektisch Klos aufzusuchen, meint Effenberger, das sei besser, als ihnen eine Windel anzuziehen.

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So viel anderes kann interessanter sein als aufs Klo zu gehen.
#5 Vorsorglich aufs Klo gehen

Der letzte Schritt ist schließlich, vorsorglich aufs Klo zu gehen, also vor dem Schlafen, vor dem Kindergarten, vor der Autofahrt. Effenberger beruhigt: „Trotzdem kann es passieren, dass das Kind nach 300 Metern Autofahrt wieder muss.“

Rückfälle beim Sauberwerden

„Ist die Sauberkeitsentwicklung damit abgeschlossen oder kann es Rückfälle geben?“, fragen User via Online-Chat beim Webinar. „Man kann damit rechnen, dass Kinder in Entwicklungssprüngen wieder einmal ins Bett machen, z.B. weil sie im neuen Kindergarten sind, ein kleines Geschwisterchen bekommen haben, vergessen haben, aufs Klo zu gehen etc.“, sagt Heidi Effenberger. Wenn Kinder in der Nacht nicht trocken werden, kann es aber auch an den Trinkgewohnheiten liegen: Trinken sie am Abend oder in der Nacht zu viel? Wenn Kinder, nachdem sie sauber waren, jede Nacht wieder einnässen, ist womöglich ein Arztbesuch notwendig.

Heidi Effenberger betont auch, Kindern die mögliche „Angst vorm Klo“ zu nehmen. Ein dunkles Klo mit instabilem Fußbrett o.Ä. kann beängstigen. Außerdem sei die Einstellung der Eltern zu den Ausscheidungen entscheidend: Sie sollten als etwas Natürliches, nicht als etwas Grausliches gesehen werden. Und Kinder sollten ihre Ausscheidung begutachten, selbst wegspülen bzw. die Windel selbst wegwerfen dürfen.

Am 13. Februar ist das nächste Webinar zum Thema Kindergeburtstage mit Referentin Sabine Schäffer.

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