30. November 2016

Sauberwerden: Der Zeitpunkt ist individuell

Sauberwerden - meinefamilie.at

Der Schritt weg von der Windel und hin zum Klo mag lang ersehnt werden, doch er hängt nicht vom Töpfchentraining, sondern der individuellen Entwicklung des Kindes ab. Ein Überblick zum Thema Sauberwerden.

Noch vor wenigen Jahrzehnten galt das Sauberwerden als eines der großen Erziehungsziele in den ersten Lebensjahren. Erfreulicherweise ist die Anzahl der Seiten, die das Thema in der Ratgeberliteratur füllt, deutlich weniger geworden. Wir wissen heute, dass viel mehr die individuelle Entwicklung des Kindes als Erziehung und Training dahintersteht.

Remo Largo, der prominente Schweizer Kinderarzt und Autor von „Babyjahre“, hat in seinen Langzeitstudien festgestellt, dass Kinder im Durchschnitt mit 2,5 Jahren sauber werden. Wie lange, wie intensiv oder mit welcher Methode vorher „trainiert“ wurde, hatte wenig Einfluss auf den Zeitpunkt des Sauberwerdens.

Bei manchen Kindern ist es früher so weit, bei manchen später.

Was heißt es denn überhaupt, sauber zu sein?

Ein paar Fakten vorab: Zuallererst müssen wir zwischen Blasen- und Darmkontrolle unterscheiden. Letztere wird meist früher erreicht, weil der Drang nach Entleerung deutlicher spürbar ist und das „Ereignis“ oft nur einmal am Tag – und das vielleicht sogar zur gleichen Zeit – stattfindet.

Ebenso müssen wir zwischen Tag und Nacht unterscheiden. Mitunter sind Kinder tagsüber bereits sauber, nässen aber in der Nacht noch ein. Im Körper muss sich erst ein Hormon ausbilden, das im Schlaf die Übermittlung der Botschaft „Blase voll – bitte aufwachen“ ans Hirn übernimmt. Solange dieses Hormon nicht seine Arbeit tut, kann das Kind die Nacht gar nicht trocken überstehen. Bei rund 10 % der Kinder dauert es bis in die Volksschulzeit, bis dieser Zustand erreicht ist!

War das Kind nachts schon trocken und nässt plötzlich wieder ein, kann das an Stress liegen, hervorgerufen etwa durch einen Urlaub, einen Umzug oder auch einen Kindergartenwechsel. Vielleicht auch an einer gerade überstandenen Blasenentzündung – meist geht das bald wieder vorbei. Dauert die Situation länger an, suchen Sie am besten das Gespräch mit der Kinderärztin.

Woran kann ich merken, dass mein Kind bereit ist?

#1 Die Sprache – das Kind braucht ein Wort, welches ist egal! Das kann „Lulu“, „Gaga“, „Klo“ oder was auch immer sein. Wichtig ist, dass es das Kind in Zusammenhang mit den Vorgängen in seinem Körper bringt. Das ist eine wichtige kognitive Voraussetzung!

#2 Der Körper – Faustregel: Erst wenn das Kind selbstständig Stiegen hinuntergehen kann, sind alle betroffenen Muskeln fertig ausgebildet, die fürs Sauberwerden benötigt werden!

#3 Die Motivation – natürlich muss das Kind von sich selbst aus wollen. Motivation kommt nie von außen, vermeiden Sie deshalb auch Belohnungen fürs „Topferl-Gehen“!

Treffen alle drei Punkte zu, haben Sie optimale Bedingungen und bald werden die Windeln Vergangenheit sein.

Welche Hilfsmittel sind sinnvoll?

Manche Kinder bevorzugen das Töpfchen, andere die „richtige“ Toilette.

Beides hat seine Vor- und Nachteile: Das Töpfchen ist mobil und kann auch im Wohnzimmer zum Einsatz kommen, wenn es schnell gehen muss. Es erfordert aber höheren Putzeinsatz von den Eltern, da es möglicherweise umkippt (wenn das Kind aufsteht) oder das Kind das gefüllte Töpfchen durch die Wohnung jongliert, um es auszuleeren.

Die Toilette kennt das Kind von Ihnen und für viele ist es eine große Motivation, „es“ genauso wie die Großen zu machen. Hilfreich kann da die Anschaffung eines Kindersitzes mit einer Treppe und Haltegriffen sein, da das Kind dann viel stabiler sitzt. Manche entwickeln große Ängste vor dem „Hineinfallen“.

Wie können Eltern ihrem Kind beim Sauberwerden helfen?

Wie immer zählt die Vorbildwirkung (wahrscheinlich schaffen Sie es ohnehin nicht, ohne Kind aufs Klo zu gehen).

Aber fürs Sauberwerden ist es wichtig, dass das Kind die Alternative zur Windel auch sieht. Sie kommen dann bestimmt auf die Idee, das auch so wie die Großen machen zu wollen.

Erleichtern Sie Ihrem Kind den Gang aufs Töpfchen oder die Toilette, indem Sie ihm leicht ausziehbare Kleidung anziehen – also zum Beispiel besser eine Hose mit Gummizug statt einer Latzhose. Trägt das Kind noch Windeln, dann empfehle ich solche, die sich wie eine Unterhose nach unten schieben lassen statt der klassischen Windeln mit Klebestreifen. Gerade anfangs vergehen zwischen der Meldung „Lulu“ und dem Zeitpunkt, an dem es zu fließen beginnt, nur wenige Sekunden!

Üben Sie sich in Geduld und versuchen Sie, wohlmeinende, aber nicht hilfreiche Ratschläge möglichst zu überhören.

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EIN ARTIKEL VON
  • Vera Rosenauer

    Ich bin Elternbildnerin, Ernährungstrainerin, Autorin und biete bei Abenteuer Erziehung praxisbezogene Workshops, Vorträge und Beratung für werdende Eltern und Eltern von Babys und Kleinkindern (0 bis 6 Jahre) an. Was Sie davon haben? Einen "Rucksack" voller Fachwissen, Tipps und Tricks, Spielen und Ritualen für Ihr ganz persönliches Abenteuer Erziehung!


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