6. September 2019

10 Sätze, die Eltern von Kindern mit Autismus nicht mehr hören können!


Ich sitze gerade am PC, es ist 17 Uhr und mein Mann darf sich jetzt mal ein bisschen um unsere Kinder kümmern. Wir haben eine fast vierjährige Tochter mit der Diagnose „Autismus“. Vielleicht kennt jemand diese „netten“ teils gut gemeinten Sätze von Freunden, Verwandten, Schwiegereltern oder Eltern, die wahrscheinlich nicht einmal böse gemeint sind, aber die man echt nicht mehr hören kann und einen sogar richtig sauer machen können.

Damit ich auch sichergehen kann, dass nicht nur mich diese Sprüche nerven, verletzen und zur Weißglut treiben, habe ich in einer Facebook-Gruppe für Eltern von Kindern mit Autismus gefragt, welche Sätze am besten, ärgsten und nervigsten sind und habe euch meine Top 10 hier zusammengefasst. Für alle, die mit diesem Thema noch nichts zu tun haben, könnte dies ein Wegweiser für die Zukunft sein.

„Hätten Sie Ihr Kind nicht impfen lassen, hätte es keinen Autismus.“

Diesen Satz hört man sehr oft, er ist aber leider völlig falsch. Autismus kommt nicht durch Impfen, egal wie hartnäckig sich dieses Gerücht auch hält. Schuld an diesem Gerücht ist eine veraltete Studie, die schon lange widerlegt worden ist. Abgesehen davon; kein Elternteil will hören, dass er oder sie Schuld an der Beeinträchtigung des eigenen Kindes ist.

„Autismus ist nur eine nette Umschreibung für schlechte Erziehung.“

Bei dieser Aussage könnte man sich darüber unterhalten, wer schlecht erzogen ist. Fakt ist, dass man in der Erziehung große Abstriche machen muss. Auch wenn es nur drei Regeln gibt, die eingehalten werden, dann ist das schon ein super Erfolg. Wenn sich mein Kind nach dem Spielplatz auf den Parkplatz schmeißt und wie am Spieß brüllt, dann ist das im Normalfall nicht bockig, sondern ein Hilferuf wie „Mama, es war mir heute zu viel! Pause bitte! Sofort!“ Und viele gehen halt dran vorbei und denken: „Gott, diese Mama hat ihr Kind überhaupt nicht im Griff.“

„Hätten Sie gestillt, dann wäre Ihr Kind normal.“

Dass meine Brüste Zaubermilch produzieren, ist mir zwar neu, aber wäre doch mal eine echte Marktlücke. Nein, Spaß beiseite – Autismus entsteht auch nicht dadurch, dass man nicht gestillt hat.

(c) iStock

„Autismus gibt es nicht. Es ist eine Modekrankheit wie Burn-out.“

Es gab früher genauso viele autistische Kinder wie auch heute. Früher wurden sie nur mehr versteckt oder wurden als seltsam abgestempelt. Autismus gibt es also wirklich und die „Autismus Spektrum Störung“ – so der Fachbegriff – ist so vielfältig wie die Farben eines Regenbogens. Wer ein Kind mit Autismus kennt, der kennt nur dieses eine Kind und die anderen sind wieder verschieden. So wie jeder Mensch.

„Cool, Ihr Kind ist Autist. Das heißt, es ist super klug! Was kann es denn Besonderes?“

Nur weil ein Kind Autismus hat, ist es nicht automatisch hochbegabt. Genau genommen kommt diese Hochbegabung eher selten vor, bei den meisten bestehen dennoch offensichtliche Schwerpunkte bei den Interessen.

„Es heißt doch Frühkindlicher Autismus, also geht es doch vorbei. Es ist also nur eine Phase?!“

Frühkindlicher Autismus heißt es nur, weil man es früh diagnostizieren kann. Autismus ist nicht heilbar! Es ist auch keine Phase, die vorbeigeht. Wahrscheinlich ist dieses Argument zwar echt lieb gemeint, aber leider nein – es geht nicht vorbei!

„Oh, das ich kenne ich, wenn das Kind was hat. Meines hat eine Erdnussallergie, das ist echt heftig!“

Nein, Sie kennen das nicht. Eine Allergie ist auch nicht lustig, das stimmt, aber man braucht dem Kind die Erdnüsse nur nicht zu geben bzw. nachlesen, wo sie überall drin sind. Wir müssen jeden Tag mit den Besonderheiten unseres Kindes leben. Fahrten zu den Therapeuten, erraten, was unser Kind will und versuchen, das Kind zu verstehen und Wege zu finden, uns dem Kind verständlich zu machen, was ganz oft ein harter Kampf ist. Dadurch, dass so viele Abläufe des täglichen Lebens nicht verstanden werden, haben Kinder mit Autismus mit viel Angst zu kämpfen. Dann versuchen wir unserer Tochter die Angst vor Neuem zu nehmen und einfach, so gut es eben geht, für sie da zu sein.

„Schade, es ist viel zu hübsch, um Autist zu sein.“

Dieser Satz tut echt weh und macht mich auch traurig. Meine Tochter ist total hübsch, hat blonde Locken und große blaugraue Augen. Warum schade darum? Sie ist hübsch und toll so wie sie ist. Es ist egal, wie sie ist, sie wird immer meine tolle wilde Räubertochter sein.

„Vielleicht sollten Sie mit Ihrem Kind zum Arzt.“

Danke für den Tipp, wir waren noch nie beim Kinderarzt, beim Amtsarzt, Logopäden, Ergotherapie usw. Der Satz ist fast schon süß.



EIN ARTIKEL VON
  • Caroline Avendano

    Ich bin 27 Jahre alt, verheiratet und habe drei Töchter: Saphira (Autistin, fast 4 Jahre alt), Melissa Katherina (8 Monate) und Bauchzwerg Esmeralda Maria kommt im November. Ich bin diplomierte Fachsozialbetreuerin mit Schwerpunkt Behindertenarbeit. Wenn ich nicht in Karenz bin, arbeite ich bei der Lebenshilfe Salzburg. Lesen war schon immer meine große Leidenschaft, und darum bin ich auch dann aufs Schreiben gekommen.



1 Kommentare
  • Tereza, 26. September 2019, 10:58 Antworten

    Hallo Caroline, Ich weiss wie sich es anfühlt ein autistisches Kind zu haben und vor allem die Kommentare von anderen-Du sprichst mit ihr zu wenig,sie ist verwöhnt..und Ähnliches konnte ich mir oft anhören.Da ich im Aussen keine Hilfe bekommen habe, habe ich mich nach Innen gewendet und die Bachblüten entdeckt!ich behaupte,sie können Autismus heilen,meine 3 jährige Tochter macht grosse Fortschritte!Die erste Kombination für deine Tochter wäre:4,15,20,27.Es stärkt ihr Selbstvertrauen.4mal tgl.4Tropfen -15 Tage lang.Danach sind noch andere Kombinationen notwendig.Wenn du Interresse an Beratung hast,schreib mir einfach eine [email protected] LG

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at