3. Februar 2017

Rollentausch im Alltag – das ganze Jahr Fasching

Rollentausch im Alltag - das ganze Jahr Fasching - meinefamilie.at

Als Familie haben wir den Faschingsgedanken, sich zu verkleiden und in eine andere Rolle zu schlüpfen, als tolles Hilfsmittel entdeckt: den Rollentausch. In mühsamen Alltagssituationen tauschen Tochter und Eltern die Rolle. Ergebnis: Verständnis für den anderen und die Bereitschaft, Zähne zu putzen oder die Schuhe anzuziehen.

Wenn unsere Tochter einmal wieder überhaupt kein Interesse am Zähneputzen zeigt und wir schon aller Erklärungen und Überredungsversuche überdrüssig sind, dann wird bei uns der Spieß umgedreht. „Du bist jetzt die Mama und ich die Charlotte“, heißt es dann.

Und plötzlich wird es interessant. Jetzt bekommt meine Tochter meine Zahnbürste in die Hand und darf bei mir putzen. Wenn sie es schafft. Denn so wie sie, drehe ich den Kopf weg, protestiere und bin sofort von allem abgelenkt. Da seufzt Charlotte und erklärt mit bestimmtem Ton, dass das so nicht geht. Dass meine Zähne so kaputt werden. Und alles andere, was sie von uns halt so zu hören bekommt. Das leuchtet mir ein, also halte ich ruhig. Aber ich möchte jetzt unbedingt noch die andere Zahnpasta bekommen. Und natürlich ein Zahnputzlied.

Rollentausch ist bereichernd

So ein Rollentausch ist für uns sehr bereichernd. Charlotte ist sofort in der Mama- oder Papa-Rolle und wir bekommen von ihr auf großartigste Weise präsentiert, wie sie uns in dieser Situation wahrnimmt. Wir erfahren, welche Botschaften unsererseits bei ihr angekommen sind – und am Tonfall erkennen wir auch wie. Offensichtlich kennt sie all unsere Erklärungen und wir brauchen uns nicht weiter den Mund fusselig reden und können getrost auch mal ohne dem vielen Gerede auskommen.

Außerdem stellen wir fest: Es ist tatsächlich nicht das Angenehmste, wenn jemand anderer da in unserem Mund herumbürstet. Was fühlt sich denn dabei nicht so gut an? Was können wir selbst vielleicht besser machen?

Nach so einem Rollentausch steigt meine Bereitschaft sofort, das Zähneputzen auf ein paar Etappen aufzuteilen und dem Mund dazwischen ein bisschen Ruhe zu gönnen.

Ob es für Charlotte sehr hilfreich ist, zu sehen, wie sie auf uns wirkt, das weiß ich nicht. Aber jedenfalls findet sie dieses Spiel immer sehr lustig. Und ist danach auch viel eher bereit zu kooperieren. Beim Zähneputzen, Haarewaschen, Schuheanziehen und vielen anderen Tätigkeiten, die wir wichtig finden, die den Alltag aber oft erschweren.

Spielform Rollenspiel

Natürlich spielen wir aber auch einfach so mal vertauschte Rollen, ohne dass wir Alltagstätigkeiten darin unterbringen wollen. Denn dem Rollenspiel entkommt man mit kleinen Kindern nicht. Es ist für sie eine ganz besonders wichtige Spielform, in der sie sich selbst auf verschiedenste Weise ausprobieren können. Schon ab zwei Jahren haben sie Spaß an kleinen Rollenspielen. Sind sie etwas älter, schlüpfen sie dann manchmal auch tage- oder vielleicht wochenlang in eine andere Rolle. Wenn man sich als Elternteil darauf einlässt, lernt nicht nur das Kind viel. Es gibt kaum eine andere Möglichkeit, um so gut zu erfahren, was den kleinen Menschen gerade beschäftigt.

Nicht jeder spielt gerne Theater oder inszeniert groß eine Rolle. Aber das macht nichts. Um „mitzuspielen“ braucht es oft nicht viel. Es reicht auch, wenn ich nicht Charlotte zum Essen rufe, sondern Rapunzel, Trixi oder die Frau Nachbarin.

Oder man spielt nicht selbst den Charakter, sondern leiht seine Stimme Kasperlpuppen oder Playmobil-Figuren. So bietet man Kindern geeigneten Raum, um ihre Gefühle auszudrücken und ihre Fantasie auszuleben. Und das ist wichtig. Nicht nur im Fasching.

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EIN ARTIKEL VON
  • Agnes Rehor

    Ich bin Kindergarten- und Hortpädagogin und habe Diätologie studiert. Seit 2013 bin ich verheiratet und habe zwei kleine Kinder. Mit meiner Familie wohne ich derzeit in Wien, träume aber vom Haus am Land – am Balkon übe ich fleißig das Gärtnern. Außerdem koche ich mit Begeisterung und liebe - nicht nur in der Küche - unkonventionelle Ideen.


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