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Regretting motherhood? Nein, danke.

Neulich redete ich mit einer Bekannten, die ihr erstes Kind erwartet. Ich erzählte ihr, wie wunderbar das erste Jahr im Leben meines Sohnes war. Wie rasant die Entwicklung war, wie wir täglich neue Überraschungen erlebten und bei seinem Wachstum zuschauen konnten. Ich spürte, wie stolz ich war, als ich von meinem Sohn sprach.

Viele negative Stimmen

Später im Gespräch erzählte sie mir dann, dass sie sehr froh ist, endlich etwas Positives zu hören, denn bis jetzt bekam sie von jedem nur das Negative zu hören: Schlafmangel, Babygeschrei, keine Freizeit, kaum Zeit für die Zweisamkeit und viel Streit mit dem Partner. Als sie davon sprach ist mir wieder eingefallen, wie viel Unsinn ich in der Schwangerschaft zu hören bekam. Und oft bekam ich davon Angst. Wird mein Ehemann wirklich zu meinem Feind? Wird mein Kind wirklich all meine Lebensfreude rauben und dazu auch noch meinen Schlaf? Ist der Spaß im Leben vorbei? Aber dann dachte ich, wenn es so unerträglich wäre ein Kind zu haben, würden manche Familien kaum mehrere Kinder haben wollen. Und mir fielen viele Paare ein, die trotz Kinder sehr glücklich miteinander sind.

Bedauern der Mutterschaft?

Wir sprachen dann darüber, wieso so viele Paare eigene Kinder als lästig und anstrengend beschreiben. Wieso sie den werdenden Eltern erzählen, wie anstrengend es ist und warum manche Paare der Meinung sind, die schöne Beziehung der Eltern endet mit der Geburt des Kindes. Dabei erwähnte ich auch eine Studie, die 2015 veröffentlicht wurde. Ihr Titel ist „Regretting motherhood“. Auf Deutsch kann man es als „Bedauern der Mutterschaft“ übersetzen.

Die Autorin der Studie bezeichnet mit diesem Begriff Mütter, die es bereuen, Mütter geworden zu sein und die Rolle als Mutter negativ erleben. Die Autorin befragte Frauen in Israel aus sehr unterschiedlichen sozialen Schichten und religiösen Hintergründen. Für ihre Studie wählte sie dann Frauen aus, die zugegeben haben, ihre Entscheidung Mutter geworden zu sein zu bereuen. Alle befragten Frauen beschrieben das Gefühl, in ihrer Rolle als Mutter gefangen zu sein. Die Frauen gaben an, dass sie ihre Kinder liebten, es aber gleichzeitig hassten, Mütter zu sein.

Studie mit Folgen

Diese Studie löste eine lebhafte Diskussion im Internet aus. Plötzlich schrieben immer mehr Frauen, dass sie es bereuen, Mütter zu sein. Als Gegenpol gab es die Frauen, die es kaltherzig fanden und es nicht nachvollziehen konnten, wie eine Mutter so etwas sagen kann. Es meldeten sich auch Frauen zu Wort, die von eigenen Mütter gehört haben, dass sie die Mutterschaft bereuen. Aus der Sicht der Kinder war dieses Geständnis der Mütter natürlich sehr verletzend.

Nicht nachvollziehbar

Es ist schwer über jemanden zu urteilen, in dessen Schuhe man nie gelaufen ist. Es ist für eine glückliche Mutter, die in ihrer Rolle aufblüht, kaum nachzuvollziehen, wie jemand die Geburt eigener Kinder bereuen kann. Es stellt sich dann noch die Frage, wieso sich eine Frau für sogar mehrere Kinder entscheidet, wenn sie gar keine Kinder haben wollte? Liegt das am Druck der Gesellschaft? Und wenn diese Mütter doch keine Kinder hätten, würden sie heute vielleicht bereuen, dass sie keinen Nachwuchs bekommen haben?

Gegenmeinung: Mutter sein ist toll

Fragen über Fragen. Die Antwort werden wir wohl nie erfahren. Ich bin allerdings froh, dass ich das Glück habe und diese Mütter, die ihre Mutterschaft bereuen, nicht verstehe. Ich bin froh, dass ich meine Rolle als Mutter genieße und ich glücklich bin, Mutter geworden zu sein. Ich habe mir fest vorgenommen, allen werdenden Müttern zu sagen, dass Kinder toll sind. Sie sollen wissen, dass ein Kind das Leben der Eltern nicht ruiniert, sondern bereichert. Dass wir an den Aufgaben wachsen können und durch ein Kind noch einmal die Möglichkeit haben, uns zu verbessern, weiterzuentwickeln und zu wachsen. Ich finde Kinder wunderbar und hoffe, dass es immer mehr Eltern geben wird, die ihre Rolle genießen.

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Mirka Huber :