23. April 2018

Regretting motherhood? Nein, danke.

regretting motherhood - meinefamilie.at

2015 erschien die Studie „Regretting Motherhood“ von der Autorin Orna Donath und der Kulturjournalistin Catherine Newmark, in der Frauen offen sagen, dass sie es bereuen, Mutter geworden zu sein. Diese Ansicht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Eine Haltung, die ich als Mutter eines Sohnes zum Glück nicht nachvollziehen kann.

Neulich redete ich mit einer Bekannten, die ihr erstes Kind erwartet. Ich erzählte ihr, wie wunderbar das erste Jahr im Leben meines Sohnes war. Wie rasant die Entwicklung war, wie wir täglich neue Überraschungen erlebten und bei seinem Wachstum zuschauen konnten. Ich spürte, wie stolz ich war, als ich von meinem Sohn sprach.

Viele negative Stimmen

Später im Gespräch erzählte sie mir dann, dass sie sehr froh ist, endlich etwas Positives zu hören, denn bis jetzt bekam sie von jedem nur das Negative zu hören: Schlafmangel, Babygeschrei, keine Freizeit, kaum Zeit für die Zweisamkeit und viel Streit mit dem Partner. Als sie davon sprach ist mir wieder eingefallen, wie viel Unsinn ich in der Schwangerschaft zu hören bekam. Und oft bekam ich davon Angst. Wird mein Ehemann wirklich zu meinem Feind? Wird mein Kind wirklich all meine Lebensfreude rauben und dazu auch noch meinen Schlaf? Ist der Spaß im Leben vorbei? Aber dann dachte ich, wenn es so unerträglich wäre ein Kind zu haben, würden manche Familien kaum mehrere Kinder haben wollen. Und mir fielen viele Paare ein, die trotz Kinder sehr glücklich miteinander sind.

Bedauern der Mutterschaft?

Wir sprachen dann darüber, wieso so viele Paare eigene Kinder als lästig und anstrengend beschreiben. Wieso sie den werdenden Eltern erzählen, wie anstrengend es ist und warum manche Paare der Meinung sind, die schöne Beziehung der Eltern endet mit der Geburt des Kindes. Dabei erwähnte ich auch eine Studie, die 2015 veröffentlicht wurde. Ihr Titel ist „Regretting motherhood“. Auf Deutsch kann man es als „Bedauern der Mutterschaft“ übersetzen.

Die Autorin der Studie bezeichnet mit diesem Begriff Mütter, die es bereuen, Mütter geworden zu sein und die Rolle als Mutter negativ erleben. Die Autorin befragte Frauen in Israel aus sehr unterschiedlichen sozialen Schichten und religiösen Hintergründen. Für ihre Studie wählte sie dann Frauen aus, die zugegeben haben, ihre Entscheidung Mutter geworden zu sein zu bereuen. Alle befragten Frauen beschrieben das Gefühl, in ihrer Rolle als Mutter gefangen zu sein. Die Frauen gaben an, dass sie ihre Kinder liebten, es aber gleichzeitig hassten, Mütter zu sein.

Studie mit Folgen

Diese Studie löste eine lebhafte Diskussion im Internet aus. Plötzlich schrieben immer mehr Frauen, dass sie es bereuen, Mütter zu sein. Als Gegenpol gab es die Frauen, die es kaltherzig fanden und es nicht nachvollziehen konnten, wie eine Mutter so etwas sagen kann. Es meldeten sich auch Frauen zu Wort, die von eigenen Mütter gehört haben, dass sie die Mutterschaft bereuen. Aus der Sicht der Kinder war dieses Geständnis der Mütter natürlich sehr verletzend.

Nicht nachvollziehbar

Es ist schwer über jemanden zu urteilen, in dessen Schuhe man nie gelaufen ist. Es ist für eine glückliche Mutter, die in ihrer Rolle aufblüht, kaum nachzuvollziehen, wie jemand die Geburt eigener Kinder bereuen kann. Es stellt sich dann noch die Frage, wieso sich eine Frau für sogar mehrere Kinder entscheidet, wenn sie gar keine Kinder haben wollte? Liegt das am Druck der Gesellschaft? Und wenn diese Mütter doch keine Kinder hätten, würden sie heute vielleicht bereuen, dass sie keinen Nachwuchs bekommen haben?

Gegenmeinung: Mutter sein ist toll

Fragen über Fragen. Die Antwort werden wir wohl nie erfahren. Ich bin allerdings froh, dass ich das Glück habe und diese Mütter, die ihre Mutterschaft bereuen, nicht verstehe. Ich bin froh, dass ich meine Rolle als Mutter genieße und ich glücklich bin, Mutter geworden zu sein. Ich habe mir fest vorgenommen, allen werdenden Müttern zu sagen, dass Kinder toll sind. Sie sollen wissen, dass ein Kind das Leben der Eltern nicht ruiniert, sondern bereichert. Dass wir an den Aufgaben wachsen können und durch ein Kind noch einmal die Möglichkeit haben, uns zu verbessern, weiterzuentwickeln und zu wachsen. Ich finde Kinder wunderbar und hoffe, dass es immer mehr Eltern geben wird, die ihre Rolle genießen.

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EIN ARTIKEL VON
  • Mirka Huber

    Ich bin Journalistin und seit 2016 Mama von einem Jungen. Seitdem ist mein Leben erfüllter denn je. Meine kleine Familie ist wie eine Ruheinsel, denn neben Beruf und Familie betreue ich noch eine Pfadfindergruppe. Meine Freizeit verbringe ich gerne mit Lesen, in der Natur, mit Freunden oder Sport.



4 Kommentare
  • Clara, 23. April 2018, 20:15 Antworten

    Ich gönne es dir wirklich von Herzen, dass du das Muttersein von Anfang an genießen konntest und kannst. Aber genau solche Beiträge wie deiner haben nach der Geburt meines ersten Kindes dazu geführt, dass ich mich noch schlechter gefühlt habe als es mir ohnehin schon ging. Ich hatte im ersten Jahr leider auch oft das Gefühl, dass es ein Fehler war Mutter geworden zu sein. Das Kind war ein absolutes Wunschkind, mein Mann und ich hatten eine glückliche Beziehung, und die Schwangerschaft war für mich eine wirklich sehr schöne Zeit. Dann kam die Geburt, die dank einer wenig einfühlsamen Hebamme und einer unerfahrenen Ärztin mit einem Notkaiserschnitt geendet hat und mich schwer traumatisiert hat. Die nächsten Monate waren die furchtbarsten in meinem ganzen Leben. Ein Baby, dass nur geschrien hat oder an meiner Brust hing, keine freie Minute für mich allein, das Gefühl als Mutter nicht gut genug zu sein und rundherum nur glückliche Mamas bei denen scheinbar alles glatt lief. Wie oft bin ich mit meinem weinendem Kind im Arm auf dem Sofa gesessen und hab mit ihm geweint. Weil ich mir das so nicht vorgestellt hatte, weil ich ihr nicht die Mutter sein konnte, die ich sein wollte, und auch weil ich mein altes Leben zurück haben wollte. Warum hatte mir das keiner gesagt, dass das Mutter sein so anstrengend und furchtbar war. Warum taten alle um mich herum so, als müsste ich der glücklichste Mensch sein? Warum waren alle Mamas um mich herum scheinbar nicht so überfordert wie ich? Diese Gefühle und Gedanken waren da. Auch wenn ich mir das anders gewünscht hätte. Und ich glaube weder dass sowas eine Modeerscheinung ist noch dass sich die Frauen irgendwie interessant machen wollen wenn sie sich öffentlich dazu bekennen. Im Gegenteil, ich bewundere alle Frauen, die sich das öffentlich aussprechen trauen. Ich hab mich das damals nicht getraut. Als das Schreien mit der Zeit langsam weniger wurde und ich nach einem Jahr wieder arbeiten gehen konnte wurde es besser. Ich konnte mich auf mein Kind freuen, während ich weg war und habe die Zeit mit ihr dann auch genießen können. Beim zweiten Kind war alles ganz anders. Ich hatte eine selbstbestimmte natürliche Geburt, und von Anfang an eine innige Beziehung zu meinem Kind. Das Stillen funktionierte wie selbstverständlich und ich konnte die Tage mit Baby und Kleinkind so annehmen wie sie eben waren. Mal gut, mal weniger gut, mal anstrengend, mal voller Leichtigkeit. So konnte das Muttersein also auch sein. Ich bin dankbar dafür, dass ich das beim zweiten Kind erleben durfte. Und ich bedaure, dass die erste Zeit mit meinem ersten Kind nicht so gelaufen ist. Ich bin froh und dankbar, Mutter zu sein zu dürfen. Ich bereue es keine Sekunde. Aber das war nicht immer so. Daher habe ich nur eine Bitte - bitte verurteile keine Frau, die sich in dieser Weise äußert. Du weißt nie, was sie durchgemacht hat, welche Erfahrungen sie gemacht hat, und ob ihr Umfeld eher liebevoll und unterstützend oder wenig verständnisvoll war. Wenn diese Art von Gefühlen da sind, dann hat das genauso seine Berechtigung wie die selbstlose überglückliche Mutter, die in ihrer Rolle voll aufgeht. Wenn man so fühlt, hat man ohnehin schon das Gefühl, dass mit einem was nicht stimmt. Und wenn man dann noch so Sätze hört wie "sei doch dankbar, dass du ein gesundes Kind hast", "so anstrengend kann das doch nicht sein", "das ist eben so, wenn man Kinder hat", ... fördert das nicht gerade, dass man sich jemandem anvertraut und sich die nötige Hilfe und Unterstützung holen kann, was aber meiner Meinung nach in vielen Fällen der erste Schritt in die Richtung zu einem zufriedenen Mama-Dasein wäre.

    • Anonymous, 29. April 2018, 19:36 Antworten

      Liebe Clara! Vielen Dank für deine Worte! Mir ging es ganz genau so wie dir! Danke Johanna

  • Bettina H., 25. April 2018, 18:43 Antworten

    Ich bin seit 5 Monaten glückliche Mutter einer kleinen Tochter und habe das Glück, durch mein pflegeleichtes Mädchen die positiven Seiten der Mutterschaft mit der Autorin teilen zu dürfen. Kann der Autorin bezüglich diesen voreingenommenen, negativen Kommentare während der Schwangerschaft nur beipflichten... fürchterlich! Als ob ich nicht wüsste, dass sich mein Leben mit Kind ändern würde und dass es manchmal nicht leicht sein wird! Wenn ich auf einen Berg wandere, weiß ich auch, dass es anstrengend sein wird. Aber der Weg ist das Ziel und der Weg wird mir trotz und auch wegen der Anstrengung gefallen. Diese lächerlichen und wahrscheinlich absurd gut gemeinten Sätze wie „ab dann ist nichts mehr wie vorher, dein Leben ist quasi vorbei“ oder „vorbei ist es mit Ruhe und Freiheit und Schlaf“ etc. Klar, mein Kind ist wirklich ausgeglichen, hätte ich ein Schreibaby, würden bei mir mit Sicherheit auch die Nerven blankliegen, keine Frage. Aber könnte ich es bedauern, dieses Kind bekommen zu haben? Ich bezweifle es. Krass gesagt, man überlegt es sich doch in den meisten Fällen gut, wenn man ein Kind plant. Im Nachhinein öffentlich zu sagen, ach, das läuft jetzt aber anders, find ich alles doof... ich meine, denkt den niemand an die Kinder ? Irgendwie scheint sich diese Negativität auch in sämtlichen Medien / besonders Frauenmagazinen niederzuschlagen. Oder ist es umgekehrt. Auf jeden Fall liest man immer und überall nur davon, wie furchtbar müde man als Mutter zu sein hat und wie unorganisierbar das Leben plötzlich ist und dass einem die Decke auf den Kopf zu fallen hat und und und. Ganz wichtig, natürlich hat man auch mit Babypfunden zu kämpfen und muss sich mit dem neuen Körper anfreunden, der niemals nie mehr so schön ist wie davor. Ich gehöre zu den wirklich Glücklichen, die aussehen wie davor (bis auf momentan noch größeren Busen ;) und ich kenne viele, bei denen das nicht viel anders ist. Aber ohne Jammerei lässt sich halt keine Schlagzeile verkaufen. Oder kaufen wir, weil wir uns dann gutfühlen und uns denken können, oh hab ich s gut? Auf jeden Fall danke für den Artikel!

  • Conni, 26. April 2018, 11:25 Antworten

    Ich steh dann wohl irgendwo in der Mitte... kann Claras Kommentar total nachvollziehen (obwohl bei mir kein Schreikind)... aber ich stand am dritten Tag nach der Geburt (trotz vorheriger Planung, aber wegen widriger Umstände ) plötzlich ganz allein mit meinem Baby da... war komplett überfordert... dann kamen von überall her sich widersprechende Ratschläge und natürlich lief es bei den anderen ja überall ohne Probleme... dazu kamen wahrscheinlich hormonelle Veränderungen, so sass ich allein 24h stillend auf der Couch (wunder mich noch immer, dass ich nicht verhungert bin)... abwechselnd zwischen Weinkrampf, Wutanfall, Bereuen und sich Vorwürfe machend, dem Kind nicht gerecht zu werden und es wohl niemals zu schaffen...(bzgl Stillen bin ich im Nachhinein stolz, NICHT auf mein Umfeld gehört zu haben) und NEIN, darauf hatte mich keiner vorbereitet ...erst als ich endlich bemerkte, dass es auch andere Mütter solche Gefühle empfinden, ging es bei mir bergauf... nun 1.5 Jahre später liebe ich es Mama zu sein und würde es gern nochmal werden... nur bin ich diesmal darauf emotional vorbereitet... und JA mein altes Leben ist vorbei (da sollte man auch ein bisschen trauern dürfen), aber das macht nichts, weil ein neues begonnen hat.

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