20. Februar 2018

Quality Time – Vorbild sein und die alltäglichen Dinge genießen

Quality Time – Vorbild sein und die alltäglichen Dinge genießen - meinefamilie.at

„Wir brauchen Kinder nicht zu erziehen. Sie machen uns ohnehin alles nach.“ Dieses bekannte Zitat wird Karl Valentin zugeschrieben und sagt humorvoll, was die Kleinkindpädagogik nach M.M. Schörl meint: Nur wer authentisch ist und nichts vom Kind erwartet, an das er sich selbst nicht hält, hat eine Chance, dem Kind tatsächlich etwas beizubringen.

Die Pädagogik-Pionierin Margarete Schörl setzte sich Zeit ihres Lebens für „Erziehungspartnerschaft“ zwischen Bezugsperson und Kindern ein. Ihr Motto lautete: „Kleine Kinder können nicht Grudsätzen nachleben, sie können nur Menschen nachleben.“

Es beschreibt die Situation sehr treffend: Wer selbst oft ungehalten oder unhöflich anderen Menschen gegenüber ist, der darf sich nicht wundern, wenn er es nicht schafft, seinem Kind Höflichkeit beizubringen. Kinder kopieren die Verhaltensweisen der Erwachsenen. Ebenso verhält es sich mit alltäglichen Situationen. 

Vorbild sein in alltäglich notwendigen Situationen

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Doris Kloimstein, Referentin für Erwachsenenbildung, erzählt von einer Mutter, die den Lebensmitteleinkauf als eine besondere Belastung empfindet. Ihr graute davor, mit ihrem kleinen Kind in den Supermarkt zu gehen. Kinder sind von großen Geschäften oft überfordert – zu viele bunte Kleinigkeiten, Süßigkeiten, die man eigentlich essen möchte, aber nicht bekommt, viele Leute, Musik und Trubel. Nicht selten kommt es zu kleinen Aufständen in Supermärkten. Mitten in diesem Tohuwabohu stehen die Eltern – sie wollen ihren Einkauf möglichst schnell hinter sich bringen.

So auch diese Mutter – schnell marschierte sie durch die Gänge, das quengelnde Kind musste im Einkaufswagen sitzen bleiben. Sie arbeitete ihre Einkaufsliste im Eilzugstempo ab. Der Mutter stand der Schweiß auf der Stirn, das Kind heulte unglücklich im Kindersitz des Einkaufswagens und niemand dachte darüber nach, dass hier die „wertvolle Zeit des Vorlebens“ besser genutzt werden hätte können.

„Wer Anstrengendes zügig hinter sich bringt, der hat danach mehr Zeit für die schönen Dinge des Lebens“, scheint die Motivation hinter dem gehetzten Einkauf zu sein.

Quality Time in Alltagstätigkeiten finden

Kloimstein meint jedoch, dass sich Eltern bewusst Zeit für alltägliche Dinge nehmen sollen. Sie orientiert sich dabei an Margarete Schörl und ihren pädagogischen Ansätzen. (Doris Kloimstein ist am EU-Projekt „Selber denken macht gescheit“ beteiligt, das sich mit der Pädagogik nach M. Margarete Schörl befasst. M.M.Schörl, Pionierin der Kleinkindpädagogik, steht im Mittelpunkt des Projekts. Ihre erzieherischen Konzepte sind in Deutschland sehr bekannt. In Österreich jedoch wird das Wissen um die Schörl-Pädagogik gerade wiederentdeckt.)

Sehen die Kinder nämlich, dass die Eltern sich durch Dinge wie den Einkauf oder den Weg zur Post hetzen und stressen lassen, übernehmen sie diese Verhaltensweisen. Sie entwickeln sich zu Menschen, die sich von diesen alltäglich notwendigen Situationen ebenfalls aus der Ruhe bringen lassen.

Gerade aber diese Situationen lassen sich als „Quality Time“ verbuchen. Die gemeinsame Zeit mit den Kindern ist wertvoll, auch beim Einkauf oder Wohnungsputz, wenn die Kinder miteinbezogen werden.

Was Frau Kloimstein damit genau meint, zeigt das Beispiel einer weiteren Familie, die ihre Erfahrungen bei einem Elternbildungsworkshop eingebracht hat.

Diese Familie plant die Zeit, die sie im Supermarkt verbringen werden, schon von vornherein. Die Eltern bemühen sich, die Kinder aktiv in den wöchentlichen Einkauf einzubinden – dafür schreiben sie zwei Einkaufslisten. Eine für die Erwachsenen und eine eigene für die Kinder. Auf die „Erwachsenenliste“ schreiben sie alle Produkte, an welche die Kinder nicht einfach herankommen oder die zu schwer sind. Die Kinderliste enthält einige Lebensmittel, die besser geeignet sind. Es macht auch nichts, wenn die Kinder noch nicht lesen können, weil ja ohnehin gemeinsam eingekauft wird.

Die Liste könnte dann zum Beispiel so aussehen:

„Elternliste“

  • Schwarze Oliven (stehen meistens zu weit oben)
  • Kiste Mineralwasser (eine Kiste ist schwer)
  • Griffiges Mehl (kompliziert, Papierverpackung könnte aufplatzen)
  • Sekt (Glasflasche, schwer, viele Sorten und Preise)

“Kinderliste”

  • Äpfel (meistens gut zu erreichen, leicht zu erkennen; können gemeinsam ins Sackerl gegeben werden)
  • Karotten (leicht zu erkennen, wenig Gewicht, liegen meistens weit unten im Gemüseregal)
  • Milch (steht ebenfalls weit unten)
  • Butter (ebenfalls im Regal weit unten, leicht)
  • Brot oder Semmeln ( Regale die meist bis zum Boden reichen; sind Greifzangen vorhanden, kann damit geübt werden, aber da ist wirklich Zeit und Geduld nötig; also vorher klären, ob das möglich ist)

Für kleine Kinder bietet es sich an, vor das Wort eine kleine Skizze zu zeichnen und die Liste vor der Ankunft im Supermarkt kurz gemeinsam durchzulesen. So können die Kinder fröhlich mitmachen und ihren eigenen Beitrag zum Wocheneinkauf leisten. Eltern und Kinder sind zusammen unterwegs.

Workshop zum Thema Schörl-Pädagogik

Für alle, die mehr über die Schörl-Pädagogik erfahren möchten, bietet sich der Studientag für Eltern „BORN TO BE WILD“, der am 9.3.2018 in St. Pölten stattfinden wird, an. Es erwarten euch ein spannender Vortrag „Wie fördern wir Kinder?“ vom Kinderarzt Dr. Herbert Renz-Polster und viele spannende Workshops – unter anderem zum Thema „Unbefangenheit hilft leben -Schörl-Pädagogik für den Erziehungsalltag zu Hause und im Kindergarten“ für den Sie sich anmelden können. Die Anmeldung ist bis 28. Februar 2018 geöffnet.

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