9. August 2016

Warum die Welt mehr Pippis statt Annikas braucht

Pippi statt Annika © Erik Hersman/flickr - meinefamilie.at

Pippi Langstrumpf gehört unbestritten zu den Büchern, die wir selbst geliebt haben, als wir klein waren. Heute lesen wir sie ohne zu zögern unseren Kindern vor. Ganz klar, Pippi ist toll. Aber! Was, wenn die lieben Kleinen plötzlich anfangen, sich Pippi ernsthaft zum Vorbild zu nehmen?

Titelbild © Erik Hersman/flickr 

Ganz ehrlich: Haben wir zuhause lieber eine Pippi, die macht was sie will, oder doch lieber Annika und Tommy, die tun, was die Eltern wollen?

Pippi Langstrumpf - meinefamilie.at
Pippi Langstrumpf hat keine Manieren, aber das Herz am richtigen Fleck. © Pixabay

Zur Erinnerung ein paar konkrete Beispiele aus Pippis Alltag, die uns vor Augen führen, wie es sich dann auch bei uns abspielen könnte, wenn eine oder sogar mehrere Pippis bei uns wohnen: Das gute Porzellan könnte in den Garten entführt werden, um Kaffee (!) auf dem Baum zu trinken und von dort dann heruntergeworfen werden, um zu „sehen, wie haltbar Porzellan heutzutage ist.“ Auch die Fußböden sind gefährdet, denn beim Malen kann einem das Papier schon mal zu klein werden. „Auf dem lumpigen Stückchen Papier hat mein ganzes Pferd keinen Platz… Wenn ich zum Schwanz komme, muss ich wohl auf den Flur rausgehen,“ sagt Pippi, „die auf dem Fußboden lag und nach Herzenslust zeichnete.“

Den Kindern gesunde und maßvolle Ernährung beizubringen könnte auch eher schwer werden. „Pippi stopfte vierzehn Pfefferkuchen in sich hinein…“ Und Vorsicht vor Pippis logischem Denken! „Mit diesen Worten nahm sie den Streuzucker und ließ eine ganze Menge Zucker auf den Boden rieseln. ‚Denkt daran: Das hier ist Streuzucker! Wozu hat man denn Streuzucker, wenn man ihn nicht streuen soll? Das möcht ich gern wissen.’“ Dass Kinder vom Spielplatz sauber nach Hause kommen erwartet wohl niemand, aber klatschnass? „Dann wanderten sie nach Hause, Pippi immer noch mit klatschendem Kleid und schwappenden Schuhen.“

Diese Liste ließe sich noch eine ganze Weile fortführen, aber beenden wir sie mit dem Hinweis, dass Pippi natürlich selbst entscheidet, wann es Zeit ist, ins Bett zu gehen.

Der richtige Umgang für mein Kind?

Tatsächlich gab es ernstzunehmende Befürchtungen von Pädagogen, die gute Erziehung der kleinen Pippi-Leser stünde in Gefahr, als Efraims Tochter Langstrumpf begann, die Bücherwelt und Kinderherzen zu erobern. Aber damit schien Astrid Lindgren gerechnet zu haben.

Auch die Erwachsenen im Buch sind skeptisch, ob Pippi wohl der richtige Umgang für ihre Kinder sei.

Auf den ersten Blick würde ich sagen: Zurecht! Ich habe zwar keine eigenen Kinder, aber eine ganze Menge Nichten und Neffen. Allein schon bei der Vorstellung, dass dieser Haufen es so bunt treibt wie Pippi, bekomme ich auch weiche Knie. Mal abgesehen davon, dass sie selten dem guten Vorbild der lieben Annika entsprechen.

Pippi ist ungezogen, aber außergewöhnlich

Auf den zweiten Blick stelle ich fest, dass unserer Welt sehr viele Pippis fehlen und dass diese Tatsache unsere Gesellschaft gefährlich prägt.

Denn Pippi ist nicht einfach nur ungezogen. Die obige Liste hat natürlich Wesentliches ausgelassen. Die meisten Hauptfiguren von Astrid Lindgren sind außergewöhnliche Kinder. Sie sind (oder lernen es zu sein) mutig, stark und selbstbewusst, furchtlos, gerecht, großzügig und kreativ.

Freundschaft steht für sie an oberster Stelle und sie setzen sich ohne Kompromisse für die Schwachen und das Gute an sich ein.

Sie haben nicht immer bestes Benehmen, aber sie wissen, wie man auf das Herz hört und haben ein gut geformtes Gewissen. Sie schneiden garantiert schlecht bei Multiple Choice Tests ab, aber finden genauso garantiert kreative Lösungen für die großen und kleinen Herausforderungen des Alltags und des Lebens. Hier ist bewusst das Wort “Herausforderung” gewählt, denn von sogenannten Problemen lassen sie sich bestimmt nicht so schnell fertig machen.

Ja, wo sind sie nun all die Pippis, die wir brauchen?

Ich plädiere dafür, unsere Kinder mit guten Pippi-Qualitäten auszustatten.

Auf die Gefahr hin, dass sie uns dann manchmal auf der Nase herumtanzen und uns die Stirn bieten. Aber mit der Zuversicht, dass sie unsere Welt couragiert und kreativ mitgestalten!



1 Kommentare
  • Maria, 26. August 2016, 14:50 Antworten

    Also ich muss zugeben, Pippi Langstrumpf hab ich als Kind nicht so richtig gemocht. Vielleicht, weil ich eher wie Annika bin. Die Gedanken find ich aber ganz gut hier...

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