9. Januar 2017

Wie die persönliche Veränderung gelingt

mama Auszeit - meinefamilie.at

Belastende Gewohnheiten zu ändern oder gute Anlagen auszubauen ist nicht einfach, aber wichtig, um unsere Persönlichkeit lebenslang weiterzuentwickeln. Vier Schritte helfen, gesetzte Ziele zu erreichen und immer wieder neu anzufangen.

Rund um Weihnachten und Silvester haben Vorsätze Hochsaison. Die Geburt Christi, der Jahreswechsel und die Wintersonnenwende beflügeln unsere Sehnsucht nach Erneuerung, nach der Überwindung belastender Gewohnheiten. Da diese Wünsche alle Jahre wieder kommen – oft mit sehr ähnlichen Inhalten – ist leicht zu erkennen, dass die Nachhaltigkeit dieser Pläne oft sehr gering ist.

Viele haben auch schon resigniert und trauen sich keine Veränderung mehr zu. Sie haben sich mit Verhaltensweisen und Einstellungen, die sie eigentlich belasten, scheinbar arrangiert.

Und doch ist die Entwicklung unserer Persönlichkeit ein lebenslanger Dauerauftrag.

Charaktereigenschaften wurden uns in die Wiege gelegt. Verschiedene Fähigkeiten sind dann Jahr für Jahr dazu gekommen, ein reicher Schatz an Erfahrungen hat uns zu dem Menschen gemacht, der wir im Moment sind. Und all dies ermöglicht uns, immer mehr zu dem Menschen zu werden, der wir sein könnten. Das bedeutet manche Anlagen auszubauen, aber auch manche belastende Gewohnheiten und einengende Denkweisen zu überwinden.

Persönliche Veränderung - meinefamilie.at

Schritt 1: Ich liebe mich – jetzt schon

Der erste Schritt in Richtung Veränderung ist der wertschätzende, liebevolle Blick auf unsere Person. Veränderungen brauchen eine stabile Ausgangsbasis, „alles muss raus“ ist hier die falsche Devise. Ganz im Gegenteil – am Beginn steht ein Liebesbrief an sich selbst: Was macht mich für mich liebenswert? Dies ist eine versöhnliche Erfahrung, die uns mit unseren Stärken in Verbindung bringt, die unseren Blick für unsere körperlichen Vorzüge, für unsere unverwechselbaren Charaktereigenschaften und unsere ganz besonderen Fähigkeiten schärft. Sollte diese Übung schwer fallen – in meiner Praxis erlebe ich immer wieder, dass Eigenlob für manche Menschen fast undenkbar ist – darf man mit einer kleinen Umfrage nachhelfen und in der Familie und im Freundeskreis nachfragen, was andere an uns schätzen.

All diese Stärken sind nützliche Helfer bei unserem persönlichen „Change-Prozess“.

Schritt 2: Vision entwickeln

Welche Fähigkeit, Einstellung, Verhaltensweise möchte ich dazugewinnen? Wie sieht die Persönlichkeit, dieses Zukunfts-Modell von mir aus, das dieses Ziel schon erreicht hat?

Für die praktische Umsetzung empfiehlt sich eine Phantasie-Übung: die Erschaffung eines „zweiten Ich“. Es hat alle Stärken, die im Liebesbrief festgehalten wurden, und es hat schon die Änderungswünsche umgesetzt. Diese Figur kann einen Namen bekommen – wie würden wir uns jetzt nennen, wenn wir selber wählen könnten? So haben wir jederzeit und überall einen inneren Coach, mit dem wir Zwiesprache halten können, welche Denkweise, welches Verhalten jetzt angebracht wäre. Noch größere Nachhaltigkeit erzielen diese Dialoge, wenn sie schriftlich festgehalten werden.

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Schritt 3: Der erste Schritt

Jetzt wird es ernst mit der Umsetzung. Was will ich heute anders machen? Woran merke ich, dass ich dieses erste Etappenziel erreicht habe? Merken es andere? Wie fühle ich mich im (Tages-)Zielraum? Sollte es mir besonders viel Überwindung gekostet haben, wie kann ich mich belohnen?

Je konkreter die Bilder von diesem ersten Schritt in unserem Kopf verankert sind, desto leichter gelingt die Umsetzung.

So hat das Gehirn schon den Lernprozess gestartet. Angeblich brauchen neue Verhaltensweisen 21 Wiederholungen, bis die neuronalen Verknüpfungen so stabil sind, dass sie zu selbstverständlichen Gewohnheiten werden, die wir auch in Stress-Situationen abrufen können.

Schritt 4: Mensch, ärgere dich nicht

Falls es beim zweiten Anlauf schon wieder schwierig wird: Liebesbrief lesen – wir sind ja bereits wertvolle und liebenswerte Persönlichkeiten. Nicht allzu viel Energie mit Ärger und Selbstzweifel verschwenden, sondern lieber wieder  die Startposition einnehmen. Am Weg dorthin aber überprüfen, ob das Ziel wirklich passt, ob ich es wirklich will – oder ich nur Ansprüchen anderer gerecht werden möchte. Und hinterfragen, ob jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist. Sollte das Leben gerade schon eine Vielzahl an schwierigen Antworten von mir erfordern – zum Beispiel neue Herausforderungen im Beruf, Sorgen in der Familie, Konflikte im Freundeskreis,… – dann ist es wohl sinnvoller, sich im Moment gegen diesen herausfordernden Entwicklungsschritt zu entscheiden, sondern mit seinen Kräften gut und sorgfältig umzugehen. Wichtig ist, diese Entscheidung klar zu treffen, um nicht ständig das schlechte Gewissen mitzuschleppen.

Und dann bei nächst bester Gelegenheit Schritt zwei und drei starten. Viel Erfolg!

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EIN ARTIKEL VON
  • Brigitte Ettl

    Als gelernte Juristin habe ich mich nach Jahren im Journalismus, in der Privatwirtschaft und der Kirche (KAÖ-Forum Beziehung) als Ehe- und Familienberaterin, Psychotherapeutin, Mediatorin und Wirtschaftscoach selbstständig gemacht. Mit meinem Mann verbinden mich 28 Ehejahre und die gemeinsame Leitung einer Unternehmensberatung.


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