13. Oktober 2016

Warum ich nicht schlecht über mein Kind reden will

Warum ich nicht schlecht über mein Kind reden will - meinefamilie.at

Wir Mütter brauchen den Austausch und müssen über unsere Kinder jammern dürfen. Aber mein Kind ist kein Möbelstück, das einfach da steht, sondern es bekommt alles mit! Ich habe drei Lösungswege gefunden.

Es ist doch so: Mit irgendjemandem müssen wir Mütter über das reden, was uns täglich so viel Kraft und Nerven kostet. Und wer versteht einen da besser als die, die selber mit dunklen Augenringen am Spielplatz sitzen, weil der Nachtschlaf durchlöchert und noch dazu viel zu früh vorbei war? Wer kann besser nachvollziehen, wie nervig streitende Geschwisterkinder sein können, wenn nicht die, die selbst zwickende, kratzende und beißende Streithansel daheim haben? Wer hat sonst diesen „Ich weiß genau, was du meinst“-Blick, wenn man von umgefallenen Bechern und herumfliegenden Nudeln beim Mittagessen erzählt?

Wir Mütter sind Leidensgenossinnen, und es tut so gut, mit anderen über die nicht so netten Seiten des Familienlebens jammern zu können.

Nur: Allzu oft vergessen wir, dass unsere Kinder unser Jammern und Klagen live mitbekommen und hören müssen, wie furchtbar, nervig, schlimm und überhaupt nicht auszuhalten sie sind.  Mein Lamento muss sich übersetzt für meine Kinder dann in etwa so anhören: „Meine Mama ist genervt, frustriert und ziemlich unzufrieden mit ihrem Leben. Und ich bin der Grund dafür!“ Ich will aber nicht, dass meine Kinder den Eindruck bekommen, sie seien für meine Unzufriedenheit verantwortlich! Ich will auch nicht das (negative) Verhalten meiner Kinder vor Spielplatz-Bekannten oder Freundinnen in allen Einzelheiten ausbreiten, während meine Kinder daneben in der Sandkiste spielen.

Mütter brauchen Austausch – was also tun?

Warum ich nicht schlecht über mein Kind rede - meinefamilie.at
„Mein Kind ist kein Möbelstück, sondern ein Mensch, der hört, was rund um ihn gesprochen wird.“

Schließlich brauchen wir Mütter erstens den Austausch mit anderen und zweitens müssen wir auch mal hemmungslos jammern dürfen, weil einen die Kinder zur Weißglut treiben, der Nervenzusammenbruch droht oder der mütterliche Geduldsfaden schon mehrfach gerissen ist.

„Wir reden gerade über dich!“

Mir hilft die simple Erkenntnis: Mein Kind ist kein Möbelstück, das zufällig auch da steht, sondern ein Mensch, der sieht und vor allem auch hört, was rund um ihn passiert und gesprochen wird. Wir empfinden es zu recht als unhöflich, wenn man in der Gegenwart eines Erwachsenen so über ihn spricht, als wäre er nicht da. Warum sollte es bei Kindern anders sein? Eine Freundin hat mir kürzlich gezeigt, wie es gehen könnte: Wie beiläufig hat sie das Kind, über das gerade gesprochen wurde und das dabei saß, leicht angestupst und gesagt „Wir reden gerade über dich!“ Das hat den Gesprächsfluss in keinster Weise gestört, aber das Kind wurde auf unauffällige und wohlwollende Weise bewusst mit einbezogen.

Eine andere Möglichkeit ist, dem Kind einen freundlichen Blick zuzuwerfen, wenn man über es spricht. Also zum Beispiel: „Die Hanna [kurzer Blickkontakt, um Hanna ins Gespräch zu integrieren] hat heute Nacht viel geweint, deswegen hab ich nicht gut geschlafen.“

Besser am Telefon jammern

Wenn ich wirklich mein Herz ausschütten will, dann sorge ich dafür, dass die Kinder nicht live dabei sind. Am Spielplatz etwas abseits, so dass keine Kinderohren mithören können, oder am Telefon, erfährt meine Freundin, was gerade schwer ist.

Auch über die positive Seite reden

Die Negativspirale, die nur das Mühsame zu Tage fördert, setzt sich bei mir leider ziemlich schnell in Gang. Wenn mein Mann von der Arbeit heimkommt, bekommt er meist die volle Ladung zu hören, während unsere Kinder um uns herum wuseln. Dass ich nicht mal kurz ungestört am Computer sitzen konnte, weil die Kinder mich so in Anspruch genommen haben, dass der Große die Mittlere getreten, die Mittlere den Großen geschubst, der Kleine nur getragen werden wollte, dass der Haushalt sowieso nicht in den Griff zu kriegen ist, dass ich furchtbar müde bin und so weiter und so fort. Ja, all das ist wahr. Es ist aber nur die eine (negative) Seite der Medaille.

Die rabenschwarzen Tage gibt es zwar, aber selbst an diesen war nicht alles schrecklich.

Mein Vorsatz: In Goldgräbermanier nach dem Schönen und Gelungenen suchen und auch darüber reden.

Eine passende Geschichte zum Vorlesen von Folke Tegetthoff – hier zum Download:

Geschichte zum Downloaden: „Für alle schlimmen Kinder“


EIN ARTIKEL VON
  • Sandra Lobnig

    Seit ich Kinder habe, ist mein Leben schöner, erfüllter, spannender geworden. Und wahrscheinlich auch anstrengender. Ich bin Theologin und lese und schreibe über Ehe-, Erziehungs- und Glaubensthemen. Mit meinem Ehemann und unseren vier kleinen Kindern lebe ich in Wien.


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