7. Mai 2015

Muttertagsfeier mit Pannen

Muttertagsfeier mit Pannen - meinefamilie.at

9 Kinder mit 9 eigenen Persönlichkeiten können eine Muttertagsfeier zu einer spannenden Angelegenheit machen. Es läuft jedenfalls nicht immer alles glatt.

Da unsere Muttertagsfeier im letzten Jahr missglückt war, erwog meine Frau für heuer ernsthaft, den von findigen Vertretern der Wirtschaft in den Rang kirchlicher Festtage erhobenen zweiten Sonntag im Mai außer Haus zu verbringen.

Vielleicht hatte alles damit angefangen, dass unser Nachwuchs sich mit dem Decken des Frühstückstisches regelrecht verausgabte. In der Sprache des Sports würde es heißen: Sie wurden Opfer ihres viel zu hohen Anfangstempos. Der Vortrag eines Gedichtleins, den meine Jüngste wegen despektierlicher Zwischenbemerkungen ihrer Brüder nach wenigen Versen unter Tränen abbrach, war ebenfalls nicht dazu angetan, die Laune der zu Feiernden zu heben.

Verspätete Muttertagsgeschenke

Auch die von engagierten Lehrerinnen initiierten Basteleien zur Muttertagsfeier konnten keinen Stimmungsumschwung bewirken, da sie zwar als Idee, nicht aber als fertige Werkstücke vorlagen.

Zugegeben, meine Frau bekam im Verlauf der nächsten Monate alle Geschenke, allerdings erst nach mehrmaliger Urgenz ihrerseits. (Die Muttertagsüberraschung unseres kleinsten Sohnes, eine in Laubsägetechnik verfertigte Holzblume, konnte erst im Advent ausgehändigt werden.) Ein bekanntes Sprichwort besagt, so viele Sprachen einer spricht, so viele Länder er bereist, so viele Male sei er ein Mensch. Ich möchte den Spruch ein wenig abwandeln: So viele Kinder eine hat, so viele Male ist sie eine Mutter. Jedes Kind trägt eine kleine Welt in sich und lässt seine Eltern – wenn sie sich auf dieses Abenteuer einlassen – immer wieder ein wenig teilhaben am Wunder der Kindheit.

9 Kinder, 9 Persönlichkeiten

Unter unseren neun Kindern gibt es zwar manche Gemeinsamkeiten, und doch ist jedes einzelne eine eigene Persönlichkeit, die sich trotz unserer hoffentlich gerechten Erziehung nach nur ihm innewohnenden Gesetzen formt und entwickelt.

Vor mehr als 200 Jahren hat Johann Wolfgang von Goethe in seinem Versepos „Hermann und Dorothea“ folgende Verse verfasst, die noch immer Gültigkeit haben:

„Denn wir können die Kinder nach unserem Sinne nicht formen;
So wie Gott sie uns gab, so muss man sie haben und lieben,
Sie erziehen aufs Beste und jeglichen lassen gewähren.
Denn der eine hat die, die anderen andere Gaben;
Jeder braucht sie und jeder ist doch nur auf eigene Weise
Gut und glücklich.“

Ich glaube, wir Eltern sollten vielleicht nichts anderes tun als die Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sich die Metamorphose vom ganz auf die Mutter angewiesenen Säugling zum jungen Menschen, der seinen eigenen Weg sucht, möglichst ungestört vollziehen kann. Freilich braucht es manchmal ein bisschen Fingerspitzengefühl, um zu erkennen, wie viel Nähe, wie viel Zuspruch und Ermunterung, aber auch welche Grenzen jedes Einzelne braucht.

Jedes Kind hat seinen Platz

Wenn es für uns elf bisweilen auch ein wenig eng geworden ist in unserem kleinen Haus, so hatte doch jedes Kind seinen Platz und trug seinen Teil zum Gelingen des Ganzen bei: Vom Ältesten, der den Vater schon klar überragt und daher immer einspringen musste, wenn es galt, die Schachtel mit den Süßigkeiten auf den höchsten Kasten zu hieven, wo sie dem unbefugten Zugriff vieler flinker Finger einigermaßen zuverlässig entzogen waren, bis zum Vorletzten, der viele Jahre mit seinen kleinen Händen als Einziger auch die letzte Postkarte aus unserem Briefkasten fischen konnte, dessen Schlüssel längst verloren gegangen war.

Nur Sophie, unsere Jüngste, hatte keine andere Aufgabe, als sich alle Zärtlichkeitsbezeugungen ihrer Mutter fröhlich gefallen zu lassen, für die sich die Größeren schon zu alt fühlten.

Unser Tipp zum Frühstückstisch: Müsli selber machen



EIN ARTIKEL VON
  • Gottfried Hofmann-Wellenhof

    Mit meiner Frau habe ich fünf Söhne, drei Töchter und einen Adoptivsohn aus Kamerun. Die Erfahrungen mit meiner Großfamilie teile ich in Kolumnen und Büchern. Meine Hobbys: Hometrainer, Fußballmatches meiner Söhne, Kochen und Lesen.


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