9. Juni 2016

Moderne Väter: Den Kindern immer nahe

moderne Väter - meinefamilie.at

Von einem präsenten, sich engagierenden Vater profitieren alle – die Kinder, die Mütter, die Gesellschaft und nicht zuletzt die Väter selbst, sagt „Männerforscher“ Erich Lehner.

Sebastian Schneider gehört zur Kategorie moderne Väter: Er war bei der Geburt seiner Tochter Leonie, heute 6 Jahre alt und seinem Sohn Ludwig, heute 4, dabei. Er hat Windeln gewechselt, war wie seine Frau Anna bei beiden Kindern ein halbes Jahr in Karenz, bleibt auch mal zu Hause, wenn die Kinder krank sind und bringt sich aktiv in die Erziehungsarbeit ein.

„Viele Männer haben sich verändert“, sagt „Männerforscher“ Erich Lehner: „Sie sind kindorientierter und familienorientierter.“ Während Männer früher mehr Freizeit im „Verein“ – der Feuerwehr, dem Tennisklub oder auf dem Fußballplatz – verbracht und die klassische Familienarbeit mehr ihren Frauen überlassen haben, sei es heute so, dass sich Männer mehr einbringen wollen.

Oftmals allerdings noch nicht bis zur letzten Konsequenz, weiß Erich Lehner aus zahlreichen Studien. Im Grunde sei es nämlich zu einem großen Teil so, sagt der Experte, dass auch die „modernen“ Väter immer noch „Teilzeitväter“ sind, die eben „am Abend nach dem Büro zum Spielen oder zum Sport mit den Kindern eingeteilt sind. Die sonstigen Familienaktivitäten, wie Hausübung machen, für die Kinder kochen oder mit ihnen zum Arzt gehen, überlassen auch moderne Väter oftmals gerne den Frauen.“

Vatertag - meinefamilie.at

Moderne Väter – neues Männerbild

Einen Grund dafür sieht Erich Lehner in der Tatsache, dass sich das Männerbild in der Öffentlichkeit in den vergangenen Jahrzehnten nicht wirklich, nicht nachhaltig verändert hat. Männer sollen immer noch die Familie ernähren und Frauen die Familie versorgen. Männer seien zudem sehr gruppenorientiert und machen sich intensiv darüber Gedanken, was andere Männer von ihnen denken.

„Die Angst davor, schlecht dazustehen, wenn ich Windeln wechsle, gibt es natürlich immer noch“, sagt Erich Lehner.

Damit sich das ändern könne, müsse sich das Männerbild in der Öffentlichkeit radikal ändern, traditionelle Rollenbilder müssten überdacht werden. „Wir sprechen immer davon, dass wir ,andere‘ Männer wollen und wir verlangen auch, dass Männer andere Dinge tun, sich anders verhalten als jene Männer, die die Ernährerrolle für sich beansprucht haben und sich damit zufrieden gegeben haben, eine Randgestalt in der Familie zu sein. Aber in letzter Konsequenz tun wir doch kaum etwas dafür, dass sich ein anderes Männerbild entwickeln und durchsetzen könnte, dass sich Männer mit ihrer neu zugedachten Rolle richtig wohl fühlen könnten.“

Moderne Väter – gerechte Verteilung

Außerdem müsse die Politik die notwendigen Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass eine gerechte Verteilung von Berufsarbeit und Familienarbeit auf Mann und Frau möglich wird. Väter und Mütter sollten beide für die materielle, aber auch für die seelische Betreuung ihrer Kinder verantwortlich sein können. Studien der vergangenen Jahre hätten nämlich eindeutig gezeigt, wie sehr ein Kind davon profitiert und um wie viel besser es sich entwickelt, wenn zwei Personen sich in gleicher Intensität um es kümmern.

„Zwei unterschiedliche Personen, die sich aktiv, in allen Bereichen des Lebens einbringen – da hat das Kind dann zwei körperlich und psychisch präsente Bezugspersonen an denen es sich orientieren und mit denen es sich auseinandersetzten kann.“

Politik müsse Männer anregen, motivieren und unterstützen, aktive Väter zu sein. Vor allem müsse es andere Arbeitszeitregelungen für Mütter und Väter geben, neue Ideen, was die Aufteilung der Karenz betrifft und eine qualitativ hochwertige und zeitlich flexible Kinderbetreuung, sagt Erich Lehner: „Unser aller Ziel sollte ein tiefgehendes gesellschaftliches Umdenken hin zu einem neuen Männerbild mit starken pflegerischen Elementen sein – und ich sage das im Hinblick auf die jungen Familien, aber in einem weiteren Schritt auch im Hinblick auf die Pflege von alten und kranken Angehörigen. Die pflegerische Arbeit darf nicht nur von Frauen übernommen werden. Dieses System wird uns über kurz oder lang auf den Kopf fallen.“



EIN ARTIKEL VON
  • Andrea Harringer

    „Meine Mami schreibt das auf, was ihr andere Leute erzählen.“ Das sagte mein Sohn, als man ihn fragte, was seine Mama beruflich mache. Seit 2001 bin ich Redakteurin in der Erzdiözese Wien, schreibe für den „Sonntag“ und versuche, Themen wie Familie, Kinder und Erziehung auch aus einem christlichen Blickwinkel zu beleuchten.


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