15. April 2016

Wie viel Mithilfe im Haushalt soll sein?

Mithilfe im Haushalt - meinefamilie.at

Kinder haben heute ohnehin viele Verpflichtungen in unserer Leistungsgesellschaft – Grund, auf ihre Mithilfe im Haushalt zu verzichten? Keinesfalls, denn sie gehört zur Erziehung zur Selbstständigkeit und Charakterbildung.

Ich bin in einer großen Familie als das erste von sieben Kindern aufgewachsen und da war es bei uns kein Thema, dass alle mithelfen mussten. Klar war es oft mehr Frust als Lust, doch verschiedene Tätigkeiten im Haus und auch im Garten gehörten einfach zu unseren Pflichten.

Auch bei unseren Kindern legen mein Mann und ich Wert darauf, dass sie langsam in Verantwortung hineinwachsen und ihren Teil dazu beitragen, dass unsere Familiengemeinschaft gut funktioniert. Dass wir mit dieser Einstellung zum Teil total gegen den Strom schwimmen, erschreckt mich ein wenig.

Zu viel zu tun, um im Haushalt mitzuhelfen?

Im Austausch mit anderen Müttern habe ich nun schon öfters mitbekommen, dass ihre Kinder nur sehr wenig bis gar nicht im Haushalt mithelfen müssen.

Das Argument dafür ist meist, dass die Kinder ja so viel für die Schule zu tun haben und sonst gar keine Freizeit hätten.

Das stimmt sicher. Die schulischen Anforderungen an unsere Kinder steigen und wenn sie dann noch ein Musikinstrument lernen oder in einen Sportclub gehen, bleibt wirklich nicht viel Freizeit übrig.

Ein weiteres Argument, das ich oft höre, ist: “Ich mach’s ja gern. Ich umsorge meine Kinder einfach gern, so lange sie bei uns wohnen.” Das ist wunderbar. Fürsorgliche Eltern sind für Kinder sehr wichtig!

Und trotzdem behaupte ich, dass es nicht das Beste für unsere Kinder ist, wenn wir sie derart “verwöhnen”.

Ich weiß, dieses Wort erzeugt in manchen Menschen Aversionen. Von “Verwöhnen” sei hier ja wirklich nicht die Rede, denn die Kinder müssen ja heutzutage so viel leisten.

Mithilfe im Haushalt ist wichtig für Charakterbildung

Liebe Mütter (und auch Väter), ich habe hier absolut nicht die Absicht, irgendjemandem vorzuschreiben, wie es “richtig” gemacht werden sollte. Aber ich hinterfrage gewisse Einstellungen im Hinblick auf die Charakterbildung und auch die zukünftige Selbständigkeit unserer Kinder.

Meine bzw. unsere Devise in diesem Bereich ist:

Alle helfen mit, wo und wie sie es ihrem Alter entsprechend können.

Das heißt, auch mein Mann hilft regelmäßig im Haushalt. Und auch unser Vierjähriger hilft schon mit. Meiner Erfahrung nach sind Kleinkinder ja ohnehin meist begeistert dabei, wenn irgendetwas im Haus oder im Garten gewerkt wird. Motivieren muss man die Kleinen selten, eher etwas einbremsen und in ihrem Tatendrang lenken. 🙂

Die Haltung ist wichtig, nicht das Ausmaß

Wir haben keinen ausgeklügelten Plan, in dem jeder eingeteilt ist. Es geht uns auch weniger um das Pensum als um die grundlegende Haltung. Jedes Kind hat täglich einen bis mehrere “Dienste” zu erledigen, gemeinsam oder allein. Dazu gehören Tätigkeiten wie Geschirrspüler aus- bzw. einräumen, Tisch abräumen, Wäsche aufhängen, Einkauf ausräumen etc.  Manche dieser Dienste sind beliebter, andere nicht. Das ist ganz normal. Auch uns Erwachsenen macht nicht alles Spaß. Das ist eine der wichtigen Lektionen, die sie dabei lernen. Eine weitere ist Teamwork. Eine weitere Durchhaltevermögen, etc.

Es ist auch schon vorgekommen, dass unsere Kinder noch mit ihren Diensten beschäftigt waren, während ihre Freunde schon auf sie warteten. Da sah ich sie plötzlich alle zusammenhelfen, damit sie schneller draußen spielen konnten! Na, das ist doch ein toller Lerneffekt! Gemeinsam geht’s schneller…

Unser Ziel als Eltern ist es ja, unsere Kinder möglichst gut auf das Leben vorzubereiten. Dazu gehört meiner Meinung auch regelmäßige Mithilfe im Haushalt. Argumente hin oder her – ich hab keine Lust, meinen Söhnen mit 26 noch die Wäsche zu waschen. Außerdem denke ich, dass meine zukünftigen Schwiegertöchter sich freuen werden, wenn ihre Männer ganz selbstverständlich ihren Teil der Hausarbeit erledigen!

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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