11. November 2016

Mit sich selbst zufrieden sein: 3 Schritte

Mit sich selbst zufrieden sein - meinefamilie.at

Wenn es im Alltag rund geht und einen das Gefühl der Unzufriedenheit mit sich selbst beschleicht, helfen drei Schritte: Selbstführung, Selbstwirksamkeit und natürlich Selbstliebe.

Der herbstliche Feiertagsreigen bringt für viele eine kurze Atempause, bevor der Jahresendspurt beginnt. Und solche Zwischenstopps sind immer wieder Anlass, den eigenen Lebensstil, die Lebensführung zu überdenken. Sobald das Hamsterrad einmal still steht, besteht die Chance, das eigene Tun liebevoll-kritisch zu betrachten und Kurskorrekturen vorzunehmen. Ziel ist ein überzeugtes Ja zu mir. Dieses ist letztendlich die Voraussetzung, auch zu anderen Menschen aus ganzem Herzen Ja sagen zu können, in der Partnerschaft, in der Familie genauso wie im beruflichen Umfeld. Dieses Ja zu mir gelingt mit drei Schritten: Selbstführung, Selbstwirksamkeit und natürlich Selbstliebe.

Selbstführung: Was kann ich? Was ist mir wichtig?

Führung braucht immer Vertrauen. Damit ich mich auf mich verlassen kann, muss ich mich so gut wie möglich kennen – restlos lassen sich die blinden Flecken ja nie entfernen. Doch es lohnt sich, durchaus mit einer Portion Eigenlob, eine Liste der eigenen Stärken, also meiner Talente, meines Wissens und meiner Erfahrungen anzulegen.

Manche unserer Stärken, besondere Talente wurden uns ja schon in die Wiege gelegt. Es ist aber durchaus unser Verdienst, dass wir diese Begabungen nicht vergraben haben, sondern sie mit Übung und Disziplin noch ausgebaut und verfeinert haben.

Vieles haben wir uns auch angeeignet, obwohl es ursprünglich nicht zu unseren großen Leidenschaften gezählt hat.

Ich kenne viele Menschen, die so manche Fähigkeiten erst auf den zweiten Blick erkannt haben: Es wurde ihnen zugemutet, im Sinne eines Zutrauens, einer Ermutigung, und was aus Pflichtbewusstsein begann, hat sich mit der Zeit zu einer persönlichen Stärke entwickelt.

Mitunter haben wir heute das Gefühl, vor lauter Informationen immer weniger zu wissen, also Fakten in sinnvollen Zusammenhängen abspeichern und vor allem bei Bedarf auch abrufen zu können. Doch es ist immer wieder faszinierend, wenn wir feststellen, dass auch für uns lebenslanges Lernen eigentlich zu einer oft fast unbemerkten Selbstverständlichkeit geworden ist. Neugier – also die Sehnsucht nach Neuem – ist hier eine wunderbare Antriebskraft.

Selbstführung verlangt aber immer auch Entscheidungen – ich kann nicht zwei Wege gleichzeitig beschreiten. Je nachhaltiger, weitreichender für die Zukunft diese Entscheidungen sind, desto schwerer fallen sie uns. Letztendlich stehen dann – so erlebe ich es in Therapie und Coaching – meist Wertekonflikte dahinter. Es lohnt sich also ein genauer Blick auf die eigenen Werte. Was ist mir wirklich wichtig? Werte sind letztendlich das Fundament jeder Motivation.

Selbstwirksamkeit: Was habe ich geschafft?

Jetzt dürfen wir einen wertschätzenden Blick auf unsere Erfolgsbilanz werfen: auf die Liste all jener Ziele, die wir schon erreicht haben. Natürlich gibt es da „Meilensteine“: Ausbildungsabschlüsse, Führerschein, Übersiedlungen, Auslandsaufenthalte,… Doch mir geht es hier auch um kleine, alltägliche Ziele, die wir, leider meist unbemerkt und damit auch unbelohnt, erreichen: pünktliches Erscheinen bei bestimmten Terminen, Umsetzung unserer Bewegungs- und Ernährungsziele, Erledigen schwieriger Rückrufe,…

Auch das Eigenlob für diese Mini-Schritte tut unserem Selbstwert gut und ermutigt uns für größere Vorhaben.

Wichtig ist, dass wir uns realistische Ziele setzen, das heißt wir haben es selber in der Hand, ob wir die Ziellinie erreichen – alles andere, z.B. der neue Job gehört in die Kategorie „Wünsche“ – da brauche ich das Ja einer anderen Person. Mein Ziel kann nur das zeitgerechte Abgeben sorgfältig zusammengestellter Bewerbungsunterlagen sein. Und meine tägliche To-do-Liste muss zur tatsächlich vorhandenen Zeit passen. Angeblich sollen 30 bis 40 Prozent der verfügbaren Zeit für Unvorhergesehenes frei bleiben. Im Familienmanagement ist dieser Prozentsatz wahrscheinlich noch höher anzusetzen.

Selbstliebe: Wo kann ich mir selbst verzeihen?

Gerade hier dürfen wir anderen mit gutem Beispiel vorangehen und uns immer wieder eine Liebeserklärung machen, durchaus auch mit ein wenig Humor und Augenzwinkern. „Liebe dich selbst wie deinen Nächsten“ ist durchaus ernst gemeint, doch alles andere als selbstverständlich.Für manche meiner KlientInnen ist die Aufgabe, einen Liebesbrief an sich selbst zu schreiben, ein unüberwindliches Hindernis.

Doch dieses Ja zu mir brauche ich nicht nur in guten Zeiten, sondern vor allem wenn etwas schief gelaufen ist, wenn es um Fehler-Management geht.

In Zeiten der Krise ist es wichtig, dass das grundsätzliche Ja nicht in Frage gestellt wird, sondern gesehen wird, dass dieser Fehler einmalig ist und ich daraus lernen kann. Dies gelingt uns in Beziehungen zu anderen Menschen oft leichter. Doch wir dürfen uns auch selber verzeihen, um mit Zuversicht einen neuen Anlauf zu starten.

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EIN ARTIKEL VON
  • Brigitte Ettl

    Als gelernte Juristin habe ich mich nach Jahren im Journalismus, in der Privatwirtschaft und der Kirche (KAÖ-Forum Beziehung) als Ehe- und Familienberaterin, Psychotherapeutin, Mediatorin und Wirtschaftscoach selbstständig gemacht. Mit meinem Mann verbinden mich 28 Ehejahre und die gemeinsame Leitung einer Unternehmensberatung.


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