20. August 2017

Mit Oma und Opa bei der Obsternte

Mit Oma und Opa bei der Obsternte - meinefamilie.at

Oma und Opa haben “biblisches Obst” im Garten, das sie gemeinsam mit den Enkeln ernten. Nebenbei lernen sie über die Bibel und freuen sich, mithelfen und naschen zu dürfen.

In unserem Garten haben wir eine Terrasse mit fünf von den sieben biblischen Früchten. Wie könnte es auch anders sein, da wir schließlich im Land der Bibel leben. Im August ist Erntezeit für die Trauben und Feigen. Schon lange freuen sich unsere beiden Enkelkinder Michael und Mirell darauf, Opa und Oma bei der Ernte zu helfen. Nun ist es endlich soweit. Obwohl die Sonne unbarmherzig niederbrennt, lassen wir uns durch nichts beeindrucken. Mit Schirmmütze und Gartenschere bewaffnet steige ich mit den Kindern zur Obst-Terrasse hinunter. Oma Louisa und Mama Mirjam warten schon am Gartentor und zeigen auf die Rebzweige, an denen mächtige Traubenbüschel hängen.

„Opa“, fragt Michael, „warum hast du vorher unsere Terrasse als biblisch bezeichnet?“ Ich versuche jetzt kindgerecht zu antworten: „Du kennst doch die Geschichte von der Hochzeit zu Kana.“ –„Na klar, Opa. Im Religionsunterricht haben wir davon ein Video gesehen. Da gab es plötzlich ein großes Problem.“- „Die hatten keinen Wein mehr“, ruft die sechsjährige Mirell spontan dazwischen. „Und was hat Jesus gemacht?“, frage ich weiter. „Der hat Wasser in Wein verzaubert,“ ruft Michael im Brustton der Überzeugung. „Genau“, erwidere ich mit einem Schmunzeln. „Aber man sagt besser ‘verwandelt’. Jesus war ja kein Zauberer. Und was haben die Hochzeitsgäste gemacht?“, bohre ich nach. „Sie waren froh“, ergänzt Mirell. „Ich hab’s!“ ruft Michael. „Aus Trauben machen die Leute Wein. Und der Wein macht die Menschen lustig.“- „Richtig, Michael. So wurde Jesus zum Freudenmeister. Deshalb sagt schon das Alte Testament im Psalm 104: ‚Der Wein erfreut das Herz des Menschen.‘“

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Mit Opas Hilfe holt Mirell die süßesten Trauben herunter. © Fleckenstein

 Lernen mit allen Sinnen

Aber jetzt genug theologisiert. Wir recken und strecken uns auf die Zehenspitzen und pflücken eine Traube nach dem anderen. Dann legen wir sie in den Korb, den Oma Louisa bereithält. „Aber da ganz hoch oben hängen noch mehr!“, stellt Mirell fest. Ich hebe sie hoch. So erreicht sie auch noch diese süßen Früchte. Es macht uns allen richtig Spaß, die ausgereiften, hellen Trauben zu pflücken. Sorgfältig legen Michael und Mirell einen Büschel nach dem anderen in den Korb. „Da ganz oben hängen noch die schönsten Trauben“, klagt Mirell. „Aber da komme ich nicht hin. Schaaaade!“-„Macht nichts,“ tröstet sie Oma Louisa. „Die Vögel werden sich darüber freuen. Die sollen auch etwas von der biblischen Freude mitkriegen.“

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Mama Mirjam, Oma Louisa und Mirell bei Feigenpflücken, Symbol für das Wort Gottes. © Fleckenstein

Nun geht es zum nächsten Bibel-Baum: die Feige. Ruckzuck ist Michael hinaufgeklettert. „Opa, machen wir das biblische Ratespiel weiter?“, ruft er mir von oben zu. –„Na klar doch! Also, wie schmeckt die Feige?“ frage ich die beiden Kinder. „Süß!“ kommt es wie aus einem Mund.- „Und was ist in der Bibel süß?“ „Die Liebe!“ ist die spontane Antwort. –„Dass die Liebe süß ist, stimmt schon“, versuche ich zu erklären. Aber in der Bibel ist noch etwas anderes ganz süß. Überlegt mal scharf! Was schleckt ihr am liebsten?“, versuche ich ihnen auf die Sprünge zu helfen. „Honig!“ Kommt es wie aus der Pistole geschossen. „So ist für den König David in seinem Psalm 119 das Wort Gottes süßer als Honig.“ – „Aha“, überlegt Michael, „die süße Feige schmeckt also wie das Wort Gottes. Das muss ich gleich mal ausprobieren.“ Und schon steckt er sich eine ganze saftige Frucht in den Mund.

Gemeinsam ernten und essen

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Wenn diese Schildkröte mit ihrem hohen Alter erzählen könnte! © Fleckenstein

„Schaut mal, Opa und Oma!“ ruft Mirell ganz aufgeregt. „Eine Schildkröte! Eine Schildkröte! Und da ist noch eine! Und hier ein Schildkrötenkind!“ Vorsichtig hebt Oma Louisa eines der Tiere auf und lässt sie die Kinder voller Staunen betrachten. „Wir haben in der Schule gelernt, dass Schildkröten sehr alt werden können,“ beginnt Michael zu dozieren. „Stellt euch vor. Diese ist vielleicht 200 Jahre alt. Wenn die erzählen könnte…“

In der Tat lebt auf unserer Bibel-Terrasse eine ganze Schildkröten-Familie. Einmal haben wir sechs große und 12 kleine gezählt. In diesem freien Gehege sind sie Selbstversorger und genießen anscheinend ihr kleines Paradies. Sonst würde sie sich ja nicht so zahlreich vermehren. Auch wenn sie in der Bibel zu den unreinen Tieren gezählt werden.

Der Tag geht langsam seinem Ende entgegen. Die anderen biblischen Früchte in unserem Obstgarten wie die Granatäpfel, die Mandeln, die Oliven sind noch nicht ganz ausgereift. „So werden wir sie ein anderes Mal mit euch ernten“, erkläre ich unseren Enkelkindern. „Da sind aber nur fünf „Bibel-Obstsorten“, zählt Mirell an den Fingern ihrer Hand ab. „Was ist mit den anderen zweien?“ – „Gut gerechnet“, lobe ich meine Enkelin. „Die Dattel und das Getreide fehlen auf unserer Terrasse. Die werden wir auf dem Markt kaufen.“

Für heute sind wir fertig. Die Körbe sind voll und wir Großeltern freuen sich über die großartige Hilfe von Michael und Mirell. Und weil sie so fleißig gearbeitet haben, schenken wir ihnen die Hälfte der reichen Ernte.

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EIN ARTIKEL VON
  • Karl-Heinz Fleckenstein

    Als ich das erste Mal 1981 eine Pilgergruppe ins Heilige Land führte, fand ich meine Ehefrau Louisa. Seit dieser Zeit führen wir gemeinsam Pilgergruppen auf die Spuren der Bibel. Als Theologe und Reiseleiter fand ich hier auch meine “wahre” Heimat.


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