9. November 2017

Chaos im Wohnzimmer: Mit Kindern Lösungen finden

Chaos im Wohnzimmer: Mit Kindern Lösungen finden

Wenn die Mutter telefonieren möchte oder einmal unter der Dusche steht, stellt der 3-jährige Daniel das Wohnzimmer auf den Kopf. Umsonst ruft sie ihm zu: „Lass das!“ Er ist nicht davon abzubringen. Auch das Argument, dass sie dann nicht gleich auf den Spielplatz gehen können, weil er ja zuerst einräumen muss, hält ihn nicht davon ab. Sollte die Mutter nach strengeren Maßnahmen greifen?

Fragen wir uns zunächst, was in diesem Kind vorgehen mag (Selbstoffenbarungs­ebene). Das könnte sein: „Ich fühle mich vernachlässigt, wenn du dich mit jemand anderem/etwas anderem beschäftigst.“ „Ich langweile und ärgere mich während­dessen“. Dies gilt es zunächst anzusprechen und zu akzeptieren, z.B.: „Du ärgerst dich, wenn ich telefoniere, weil ich dann keine Zeit für dich habe.“ Wichtig ist das aktive Zuhören: Situation beschreiben, Gefühle benennen.

„Deshalb stellst du die Wohnung auf den Kopf, auch wenn du weißt, dass wir erst dann weggehen können, wenn wieder Ordnung ist.“ Wenn Sie diese Ihre Vermutung, wie Ihr Kind sich fühlen mag, ohne zu bewerten und ohne den Ton des Vorwurfs ausgesprochen haben, dann warten Sie zunächst, wie es darauf reagiert. Es wird wahrscheinlich erleichtert aufatmen, weil es sich verstanden fühlt oder klagen, was ihm alles nicht passt. Auf jeden Fall kommen seine Gefühle zum Ausdruck, denn es spürt Ihrerseits Verständnis und Akzeptanz.

Als Eltern Verständnis aufbringen

Viele Erwachsene fragen sich: „Wie komme ich dazu, jetzt auch noch Verständnis aufzubringen, wenn mein Kind mich doch nur ärgern wollte?“ Weil dies der Schlüssel zur Konfliktbewältigung ist! Denn auf diese Weise haben Sie den Boden aufbereitet, um nun Ihrerseits gehört und ernst genommen zu werden. „Ich ärgere mich, wenn ich sehe, wie es hier aussieht. Mir ist es wichtig, dass ich auch einmal etwas Zeit für mich habe und du dich währenddessen allein beschäftigst.“ Sie sagen dem Kind, welches Gefühl sein Verhalten bei Ihnen auslöst und welchen Wunsch Sie haben.

Bei immer wieder kehrenden Problemsituationen ist es wichtig, zur „Familienkonferenz“ zum Anlassfall oder zu einem geeigneten Zeitpunkt einzuladen.

„Hast du eine Idee, was wir tun könnten, damit du dich nicht langweilst und ich in Ruhe telefonieren oder duschen kann?“ Ihre Botschaft zwischen den Zeilen: „Ich trau dir zu, konstruktiv an unserem gemeinsamen Problem zu arbeiten.“ 

#1 Ideen sammeln: Was könnte das Kind stattdessen machen?

Machen Sie ein Brainstorming, also sammeln Sie gemeinsam Ideen, ohne sie zunächst zu bewerten. Zum Beispiel darf das Kind mit einem bestimmten Spielzeug spielen, eine kleine Aufgabe erledigen, Jause essen, eine CD anhören, einen bestimmten Film ansehen, etc., während die Mama telefoniert.

Dann müssen Sie gemeinsam beurteilen, was für oder gegen die eine oder andere Idee spricht, um sich für die beste Lösung zu entscheiden und Vereinbarungen zu treffen. Auf diese Weise fühlt Ihr Kind sich verstanden und als Verhandlungspartner (statt als Befehlsempfänger) ernst genommen und wird daher viel eher bereit sein, zu kooperieren.

#2 Dem Kind Handlungen ankündigen

Oft genügt es dann schon, wenn Sie ankündigen, bevor Sie zum Hörer greifen: „Du, Daniel, ich möchte jetzt in Ruhe eine Weile telefonieren. OK?“ Oder: „Hast du währenddessen eine Beschäftigung?“ Gegebenenfalls müssen Sie Einwände klären und bereinigen, damit das unerwünschte Verhalten erst gar nicht wieder auftritt. Genauso können Sie verfahren, wenn das Telefon unverhofft läutet und Sie merken, das Gespräch könnte etwas länger dauern. Ihr Gesprächspartner wird bestimmt Verständnis dafür haben, wenn Sie kurz unterbrechen, um Ihrem Kind Bescheid zu geben. Besser, als alle zwei Minuten von einem lästigen Kind unterbrochen zu werden als hinterher das Chaos im Wohnzimmer vorzufinden.

#3 Erwartungen kommunizieren

Ist das Kind trotz all ihrer Bemühungen noch immer unverständig, soll man sehr wohl Nachdruck verleihen: „Ich erwarte mir, dass du dich bemühst, mir diesen Wunsch zu erfüllen, auch wenn es dir schwerfällt.“ Natürlich müssen Sie darauf achten, dass Ihre schönen Worte nicht ungehört verhallen und dass Ihr Kind sich daran gewöhnt, auch Ihre Bedürfnisse zu respektieren und Vereinbarungen einzuhalten. Seien Sie beharrlich, auch wenn es anfangs etwas länger dauern sollte, weil alte, unbrauchbare Muster sich womöglich schon verfestigt haben.

Mit der Zeit wird das Aufeinander-Rücksicht-Nehmen zur Selbstverständlichkeit und viele Probleme werden erst gar nicht auftreten oder lassen sich mit zwei Sätzen klären.

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