1. Juni 2016

Mit Kindern gärtnern

Mit Kindern gärtnern - meinefamilie.at

Mit Kindern zu gärtnern ist motivierend und praktisch, vor allem aber ist es Beziehungspflege. Erfahrungen vom gemeinsamen Gemüsepflanzen.

Wir haben seit einigen Jahren ein großes Hochbeet im Garten, das ich bisher mehr oder weniger erfolgreich bepflanzt habe. Heuer hab ich den Kindern vorgeschlagen, diesen Teil unseres Gartens gemeinsam zu bearbeiten. Allein machte es mir einfach zu wenig Spaß und vor allem fand ich den Kampf gegen die Schnecken allein nur frustrierend. Benni und Sara waren begeistert, Gregor auch mit dabei – nicht so sehr des Gärtnerns wegen, sondern weil er einfach überall gerne dabei ist. Fritz hatte keine Lust auf Gartenarbeit, beobachtete und beurteilte unser Treiben jedoch aus der Ferne. Im vergangenen Jahr hatte ich das Beet brach liegen lassen und allerlei Unkraut war darauf gewuchert. „So kann das nicht bleiben, das ist ein Schandfleck in unserem Garten“, meinte unser Größter. Also beschloss ich, dieses Projekt heuer mit neuem Elan in Angriff zu nehmen.

Radieschenpflanzen als Motivationsschub

Die Begeisterung, mit der Benni und Sara ans Werk gingen, spornte auch mich an. In einigen Etappen entfernten wir das Unkraut und karrten frischen Kompost herbei. Gregor war begeistert, einige dicke Regenwürmer darin zu finden. Das sind seine Lieblingstiere. Nun folgte die Einteilung der Pflanzen. Ich wollte in einem Frühbeet Salat und Radieschen anbauen. Benni reservierte sich eine Ecke für Karotten und Kresse. Einige Erdbeerpflanzen und Vogerlsalat, die schon im Beet waren, setzten wir an den Rand. Sara säte in einer Ecke Spinat und Zuckererbsen. Damit war nun etwa die Hälfte des Platzes belegt. Um uns einen Motivationsschub zu geben, besorgte ich in der Gärtnerei zusätzlich zu den Salatpflanzen auch einige Radieschenpflanzen. Dadurch mussten wir nicht so lange auf unser erstes Gemüse warten! Und wirklich konnten wir schon nach etwa zwei Wochen unser erstes knackiges Radieschen ernten, das wir uns gerecht teilten. War das eine Freude!

Bei einigen weiteren Arbeitseinsätzen pflanzten wir noch mehr Gemüse: Pflücksalat, Kohlrabi, Zucchini, Melanzani, Lauch. Benni wollte unbedingt ein kleines Getreidefeld anlegen, also haben wir noch eine Ecke für Weizen und Zuckermais reserviert. Keine Ahnung, ob alles gut gedeihen wird. In den vergangenen Jahren hab ich mit verschiedenen Gemüsesorten experimentiert, manches gedieh, manches nicht.

Ich merke, dass mich das Gärtnern an sich nur mäßig begeistert, aber die gemeinsame Aktivität mit den Kindern macht für mich etwas sehr Wertvolles daraus.

In erster Linie sehe ich das Projekt als Beziehungspflege. Mit dem positiven Nebeneffekt, dass wir einiges an selbstgezogenem Gemüse ernten und genießen können!

Auch Kinder brauchen guten Dünger

Wenn wir dann so gemeinsam werken oder ich eine kleine Extrarunde mache, um Unkraut und Schnecken zu entfernen, mache ich mir so meine Gedanken. Ich merke, dass Kinder, genauso wie Pflanzen, regelmäßige Pflege und guten Dünger brauchen.

Der Dünger in der Erziehung sind die ermutigenden Worte.

Ich merke, wie meine Kinder aufblühen, wenn ich sie lobe oder ihnen auf die Schulter klopfe. Sogar Fritz klinkt sich dann manchmal ein, indem er uns ein Lob ausspricht. Darüber freue ich mich besonders. Er fühlt sich geliebt, wenn wir seinen  Wunsch ernst nehmen und Ordnung schaffen. Es genügt für uns Menschen nun mal nicht, es einmal zu hören, dass wir geliebt sind. Wir müssen es immer wieder, Tag für Tag neu hören und auch spüren, bis wir es ganz fest in unserem Inneren glauben können. Bis es zu einer Überzeugung wird, die ein Leben lang hält. Ich zeige meinen Kindern gerne meine Zuneigung, indem ich sie kuschle oder fest drücke und ihnen sage: „Ich hab dich lieb.“

Das Gartenprojekt gibt mir eine zusätzliche Gelegenheit, mit lobenden Worten Liebesdünger in ihre Herzen zu gießen. Und ganz egal, wie unsere Gemüseernte ausfällt, unsere Beziehung wird heuer besonders gestärkt und genährt.



EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at