3. Februar 2018

Mit Hochsensibilität leben und Mutter sein

hochsensibilität mutter - meinefamilie.at

Eines der Themen, das mich die letzten paar Jahre immer wieder sehr beschäftigt hat, ist das Thema “Hochsensibilität”, oder “Hochsensitivität”, wie es auch genannt wird. Diesen Begriff gibt es schon seit einigen Jahrzehnten und es wurden schon einige gute und hilfreiche Bücher darüber geschrieben. Ich habe als Betroffene vor kurzem an einem Seminar zu diesem Thema teilgenommen und möchte nun ein paar Begriffe erklären.

Vielleicht führt dies bei der einen oder anderen, mit sich und dem lieben Nachwuchs ringenden Mama zu “Aha”-Erlebnissen, so wie bei mir vor einigen Jahren, als ich das Buch “Sind Sie hochsensibel? Wie Sie Ihre Empfindsamkeit erkennen, verstehen und nutzen” von Dr. Elaine N. Aron las. Im Internet fand ich einen Test, der meine Hochsensibilität in hohem Maß bestätigte.

Ich hatte lange Zeit gedacht, dass mit mir “etwas nicht stimmt”. So vieles hatte ich anders wahrgenommen als andere, fühlte mich oft als Außenseiterin und unverstanden. Nun erkannte ich, dass ich einfach speziell gebaut war und darauf Rücksicht nehmen sollte und durfte.

Emotionen 400 Mal stärker wahrnehmen

“Hochsensibel” zu sein bedeutet, manche Dinge besonders stark und differenziert wahrzunehmen im Gegensatz zu “normalsensiblen” Menschen. Das können Geräusche, Gerüche oder andere sensorische Wahrnehmungen sein, aber auch Emotionen, Stimmungen, geistliche Eindrücke oder hochkomplizierte kognitive Dinge. Hochsensiblen fehlt ein gewisser “Filter”, der Eindrücke von außen “sortiert”, weshalb diese in viel größerer Menge und Intensität auf den Betroffenen einstürmen. Angeblich fühlt ein hochsensitiver Mensch bis zu 400 Mal stärker als ein normal sensitiver. Das ist wirklich bemerkenswert.

Kein Wunder, dass solche Menschen viel mehr Zeit und Energie brauchen, um diese Informationsflut zu verarbeiten.

Doch nicht jeder hochsensible Mensch tickt gleich. Es gibt verschiedene “Typen” und Ausprägungen.

Es ist eine Gabe

Laut Studien sind ungefähr 20 % aller Menschen hochsensibel, entweder, weil sie so geboren wurden oder aber es führten bestimmte Umstände wie Traumata dazu. Hochsensibilität ist jedoch keine Krankheit oder ein Makel, sie ist eine Gabe! Die feinen Sensoren befähigen solche Menschen zu genauester Beobachtung, starkem Einfühlungsvermögen, künstlerischer Kreativität und vielem mehr. Allerdings hat es bei mir selbst eine Weile gebraucht, diesen Aspekt meiner Persönlichkeit positiv zu sehen.

Ausgleich entlastet

Lange Zeit, besonders in der Phase, wo die Kinder sehr klein waren, empfand ich ihn als Last, ja fast schon als “Behinderung”. Ich hatte Angst, bis hin zu Panikattacken, dass ich das mit den Kindern nicht schaffen würde. Früher, bevor ich Mutter war, hatte ich keine besondere Einschränkung durch meine besondere Sensibilität gemerkt, doch inmitten der Kinderschar fühlte ich mich sehr oft ausgelaugt, überbelastet, überfordert und unzulänglich. Mir war sehr schnell alles zu viel, der Lärm, das ständige Gefordertsein, der Mangel an Ruhe und Rückzug.

Erst jetzt, wo ich beginne, mich selbst besser zu verstehen, kann ich für den für mich lebenswichtigen Ausgleich sorgen: Spaziergänge allein im Wald, ein gutes Buch in Ruhe, eine Tasse Tee auf der Veranda, persönliche Gespräche mit Gott oder anderen Freunden…  Ich habe gelernt, mit meiner ganz speziellen Form der Hochsensibilität gut umzugehen und erfahre auch immer wieder Wertschätzung dafür. Immer wieder fühlen sich Menschen durch meine Texte oder Bilder angesprochen. Das freut mich sehr. Eine Freundin war z.B. durch ein Geschenk von mir so berührt, dass sie immer wieder davon spricht. Das sind die schönen Seiten.

Hochsensibilität ausdrücken

Für meine Familie ist es nicht nur einfach. Sehr oft haben Kinder und Mann meine Überreizung als “aggressive Gereiztheit” erlebt, wenn ich erst viel zu spät mein Bedürfnis nach Ruhe erkannt habe. Das tut mir aufrichtig Leid. Andererseits ist es wichtig, ihnen meine spezielle Veranlagung mitzuteilen und begreiflich zu machen. Ich möchte nicht, dass sie sich schuldig fühlen. Es liegt in meiner Verantwortung, gut für mich selbst zu sorgen. Unser Miteinander kann durch klare und ehrliche Kommunikation besser funktionieren und außerdem lernen sie so, Rücksicht zu nehmen und auch auf sich selbst zu achten. Beim einen oder anderen Familienmitglied nehme ich auch hochsensible Neigungen wahr, auf die ich mit Feingefühl zu reagieren versuche.

Hochsensible müssen, mehr noch als andere, lernen, gesunde Grenzen zu setzen, um nicht auszubrennen oder emotional unterzugehen. Das ist die größte Herausforderung.

Trotz allem kann ich mittlerweile sagen, dass ich dankbar bin für meine feinen Sensoren und das Leben als solches als ein großes Geschenk empfinde.

Sind Sie hochsensibel? Wie Sie Ihre Empfindsamkeit erkennen, verstehen und nutzen

von Dr. Elaine N. Aron
376 Seiten.
ISBN: 978-3-636-06246-8
€ 17,90

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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