7. Dezember 2016

Müll-Diät: Abfall vermeiden in der Familie

Abfall vermeiden - meinefamilie.at

Meinen Müll genauer unter die Lupe nehmen und versuchen, ihn zu reduzieren – ein Selbstversuch, bei dem die ganze Familie mitmacht.

Kürzlich füllte folgende Frau das Wiener Gartenbaukino mit seinen 750 Plätzen: Bea Johnson. Noch mehr Menschen wären gerne gekommen, um die in den USA lebende Französin bei ihrer Europatour zu sehen. Nein, sie ist keine berühmte Schauspielerin. Auch aus Wissenschaft, Musik oder Sport muss man sie nicht kennen. Womit begeistert Bea Johnson also all diese Leute? Mit der Tatsache, dass der jährlich anfallender Müll ihrer vierköpfigen Familie in ein Marmeladenglas passt. Und ihre Garderobe nur 15 Kleidungsstücke umfasst.

An sich würde ich mich als umweltbewussten Menschen bezeichnen. Ich betreibe Lebensmittel-Reste-Verwertung vom Feinsten, habe im Supermarkt immer ein Sackerl dabei und trenne meinen Müll brav.

Aber auch der getrennte Müll muss erstmal entsorgt werden.

Ich habe nicht besonders viel Ahnung, was genau mit meinem Mist passiert, wenn ihn die orange gekleideten Herrschaften der MA 48 abholen. Aber ich bin froh, dass sie es tun. Denn würde ICH den Müll eines ganzen Jahres sammeln, dann könnte ich meine Wohnung mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr betreten.

Abfall vermeiden - meinefamilie.atWo kann ich Abfall vermeiden?

„Der beste Abfall ist der, der gar nicht entsteht“, lese ich auf der Homepage der Wiener Müllentsorger. Die werden es wohl wissen, denke ich mir. Und eigentlich weiß ich es auch. Ich habe Filme wie „Plastic Planet“ nicht nur einmal gesehen und mir ist schon längst klar, dass es mit den Konsumgewohnheiten in unserer Gesellschaft so nicht weitergehen kann.

Darum beschließe ich, meinen Müll genauer unter die Lupe zu nehmen. Und zu reduzieren. Dank den Blogs von Bea Johnson und anderen „Zero-Wastlern“ bekomme ich dafür reichlich Anregungen und Informationen.

Ein vermeidbarer Abfall, über den ich mich ohnehin nur ärgere, fällt mir sofort ein: unerwünschte Briefsendungen. Zahlreiche Prospekte, Werbehefte und Gratis-Zeitschriften werden von uns aus dem Postkasten in den 4. Stock getragen, um von dort beim nächsten Gang in den Müllraum gleich wieder hinuntergetragen zu werden. Einen „Bitte keine Werbung“-Aufkleber haben wir schon seit ein paar Monaten an Briefkasten und Wohnungstür angebracht, jetzt nehme ich mir die adressierten Zustellungen vor. Ich schreibe E-Mails und bestelle alles ab oder bitte darum, mir Informationen künftig nur noch via E-Mail zuzusenden.

Weniger Lebensmittel, weniger Verpackungen

Weiter geht es bei den Lebensmitteln. Ich bin immer erstaunt, wie schnell der Mistkübel in der Küche voll wird, obwohl ich doch meist nur Kleinigkeiten wegschmeiße. Nach meinem Lebensmitteleinkauf verstaue ich die Köstlichkeiten nicht sofort, sondern packe sie erstmal aus und fülle sie in leere Marmeladegläser und diverse Aufbewahrungsboxen um. Wow, da kommt echt viel Abfall zusammen. Kann ich das reduzieren? Da ich ohnehin meine Einkäufe gut plane und zudem eine recht große Auswahl an Geschäften um mich habe, muss das doch möglich sein.

Bei Obst und Gemüse greife ich zu den unverpackten Stücken und gebe sie entweder in die normalen Obst- und Gemüse-Plastiksäcke, die ich noch von den letzten Einkäufen von zuhause mitnehme, oder auch einfach in ein Stoffsackerl. Ich merke, dass in meinem nächstgelegenen Supermarkt gerade die Bio-Ware, zu der ich bevorzugt greife, besonders viel Verpackung aufweist. Hätte ich nicht in absolut akzeptabler Gehweite auch einen Markt und einen Bioladen (bei denen ich mir zudem den Etiketten-Müll von der Waage erspare), würde ich hier wohl auf ein Bio-Kisterl umsteigen, das nach Hause geliefert wird.

Nachdem die Backstationen zur Selbstbedienung mittlerweile viele Supermärkte erobert haben, wandert das Brot und Gebäck daraus auch gleich ohne Probleme in einen mitgebrachten Stoffsack.

Bei den Lebensmitteln bevorzuge ich Papierverpackung, bzw. bei Flüssigkeiten ein Pfand-Glas. Und ich kaufe möglichst Großpackungen. Auch das Abfüllen-Lassen in meine eigenen Behältnisse wird schon immer mehr zur Gewohnheit, obwohl ich hier eine große Hemmschwelle zu überwinden hatte. Bei der Käsetheke im Supermarkt ist es oft gar nicht so einfach, die Routine der Mitarbeiter/innen zu unterbrechen. Das Take-away beim Asiaten oder auch dem Maronibrater war aber bisher immer recht einfach.

Selbermachen und Mist vermeiden

Wenn man Freude am Selbermachen hat, ist man beim Müll-Einsparen klar im Vorteil. Obstmus, Joghurt, Frischkäse oder Humus lassen sich problemlos selbst herstellen. Der Arbeitsaufwand ist gering, man muss aber rechtzeitig daran denken.

Da nicht nur in der Küche, sondern auch im Bad Müll eingespart werden kann, habe ich mich auch schon an selbstgemachter Körperbutter probiert. Das Ergebnis ist toll, auch die jüngsten Hausbewohner cremen sich mit Begeisterung ein. Auch hier liegt der größte Aufwand beim Recherchieren der Rezeptur und dem möglichst verpackungsarmen Auftreiben der Zutaten. Dafür habe ich jetzt auch richtig tolle, hochwertige Weihnachtsgeschenke.

Wir haben immer noch mehr als genug Müll. Aber durch die ersten Bemühungen sind alle im Haushalt recht aufmerksam. Es wird gezielter eingekauft, Gratis-Sticker etc. bleiben gleich an der Supermarkt-Kassa. Vieles wird gebraucht gekauft oder – weil nicht aus einem Impuls heraus gekauft wird – stellt sich nach kurzem Zuwarten als unnötig heraus.

Ich bin gespannt, ob wir uns auch in der geschenke- und konsumreichsten Zeit des Jahres diese Achtsamkeit bewahren können.

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein


EIN ARTIKEL VON
  • Agnes Rehor

    Ich bin Kindergarten- und Hortpädagogin und habe Diätologie studiert. Seit 2013 bin ich verheiratet und habe zwei kleine Kinder. Mit meiner Familie wohne ich derzeit in Wien, träume aber vom Haus am Land – am Balkon übe ich fleißig das Gärtnern. Außerdem koche ich mit Begeisterung und liebe - nicht nur in der Küche - unkonventionelle Ideen.


Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at