5. April 2017

Mein Kind soll glücklich sein – wirklich?

Mein Kind soll glücklich sein - meinefamilie.at

Eltern wünschen sich glückliche Kinder. Doch dürfen Kinder auch traurig, frustiert oder verängstigt sein? Oder müssen meine Kinder für mich glücklich sein? Reflexionsfragen zum Nachdenken.

Wenn ich in meinen Workshops die Teilnehmer frage, welche Wünsche, Vorstellungen und Erwartungen sie bezüglich ihrer Kinder haben, ist – so verschieden die Antworten auch sind – eine ist fast immer dabei: „Mein Kind soll glücklich sein“.  Oft höre ich auch: „Ich wünsche und erwarte mir gar nichts von meinem Kind, es kann so sein, wie es ist…(kurze Pause)…es soll ja glücklich sein“.

Ich möchte dieses „Glücklichsein-Sollen“ (oder gar müssen?) aus einer ganz anderen Perspektive beleuchten, an die kaum jemand denkt.

Welche Bürde ist es für ein Kind, glücklich sein zu müssen, damit es die Erwartungen seiner Eltern erfüllt?

Muss ein Kind die Erwartungen der Eltern erfüllen?

Mein Kind soll glücklich sein - meinefamilie.atDas ist echt hart, verdammt hart. Immer und immer wieder den Eltern zuliebe den Anschein erwecken zu müssen, glücklich zu sein. Egal wie ich mich grad fühle. Oder fällt schreien, vor Wut toben, weinen, traurig sein, Fehler machen, frustriert sein, Angst haben, sich nicht auskennen, sich schämen, sich schuldig fühlen, krank sein, Schmerzen haben und enttäuscht sein auch unter glücklich sein? Wenn ja, dann fein. Falls nicht, wird’s echt schwierig für ein Kind.

Für wen soll das Kind glücklich sein, für sich selbst oder für seine Eltern? Trägt es mit seinem Glücklich- oder Nicht-Glücklichsein nicht auch irgendwie die Verantwortung für das Glück der Eltern? Glückliche Kinder sind eine große Beruhigung für Eltern. Sie haben dann ja wohl alles richtig gemacht, oder? Und wenn das Kind unglücklich ist, haben sie wohl viel falsch gemacht.

Somit sind Eltern verunsichert, wenn ihr Kind mal unglücklich ist.

Die Bedeutung des Glücks hinterfragen

Was bedeutet Glück überhaupt? Wie ist man, wenn man glücklich ist? Was gehört alles dazu zum Glücklichsein? Da gibt es so viele Antworten wie es Menschen gibt. Wieso sollte Glück für ein Kind das Gleiche bedeuten wie für seine Eltern? Welche Eltern wissen, wie ihr Kind Glück für sich definiert? Es ist auf jeden Fall ein völlig individuelles und damit subjektives Erleben und Empfinden. Was mich glücklich macht, muss für andere nicht das Gleiche sein. Und es ist noch dazu veränderlich, kann schon morgen oder übermorgen anders sein.

Wie reagiere ich als Elternteil?

Was macht Kinder glücklich? Und was können Eltern dazu tun bzw. unterlassen? 

Falls sich Eltern wünschen, dass ihr Kind glücklich sein soll, können sie diesen Anspruch auf seine Auswirkungen, Konsequenzen und Sinnhaftigkeit hin überdenken und gegebenenfalls revidieren. Sie können sich beobachten, wie sie reagieren, wenn ihr Kind gemäß ihren Vorstellungen von Glück einmal nicht glücklich ist. Wie reagiere ich, wenn mein Kind wütend ist, traurig ist, Angst hat, Schmerzen hat, enttäuscht ist, frustriert ist, etc.? Darf das sein? Kann ICH damit sein? Oder muss ich jetzt und sofort etwas tun, damit mein Kind so schnell als möglich wieder glücklich ist? Verlange ich gar insgeheim von meinem Kind, jetzt gleich wieder glücklich zu sein?

Kann ich es aushalten, mein Kind unglücklich zu sehen?

Fragen, die Eltern helfen können, ihre Kinder mitsamt all den negativen Gefühlen, die das Leben mit sich bringt, anzunehmen. Für sie da zu sein und ihnen die Zeit und Möglichkeit zu geben, zu lernen, selbstständig auf ihre eigene Art und Weise wieder herauszufinden. Denn wer das gut kann, ist ziemlich sicher glücklich!

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