11. Oktober 2017

What’s App, Mama? Unsere Regeln für die Handynutzung

WhatsApp, Mama - meinefamilie.at

Wir wollen, dass unsere Kinder lernen, mit den Medien gut umzugehen. Gleichzeitig braucht es Regeln und Grenzen für ihre Handy- und Internetnutzung. Als Eltern sind wir interessiert daran, was unsere Kinder mit dem Handy machen.

Vor ein paar Wochen war ich mit meiner 13-jährigen Tochter in der Buchhandlung. Wir brauchten beide Büchernachschub, denn ein Hobby haben wir beide gemeinsam – wir lieben es zu lesen. Während wir also Ausschau halten nach Literatur, die uns gefallen könnte, fällt der Blick meiner Tochter auf ein Buch, das ein Lächeln auf ihre Lippen zaubert. „Mama, das Buch musst du lesen!“, sagt sie sogleich. Meine Tochter empfiehlt mir ein Buch, was kann das nur sein? Ich schaue auf das Buch und muss auch lachen: „What’s App, Mama? Warum wir Teenies den ganzen Tag online sind und warum das okay ist.“ Nun gut, ich habe den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden, kaufe das Buch und lasse mich darauf ein. Gibt es wirklich einen treffenden Grund, warum die Jugendlichen von heute ohne Smartphone nicht leben können?

Vor ein paar Tagen habe ich das Buch gelesen. Der Autor des Buches Robert Campe ist 16 Jahre alt, lebt in Deutschland und zeigt den Erwachsenen mit seinem Buch „seine“ Online-Welt. Er erklärt, welche Social Media für ihn und seine Freunde wichtig sind, was die verschiedensten Apps (Facebook, Instagram, Snapchat, Twitter, YouTube) alles können, was die Nachteile der einzelnen Apps sind, erklärt Begriffe aus der Onlinewelt wie „Hauls“ oder „Follow me arounds“ und versucht uns Erwachsenen, die Sorge zu nehmen, dass unsere Kinder internetsüchtig werden.

Und er erklärt auch, warum es wichtig ist, dass sich unsere Kinder mit dem Internet auseinandersetzen – wir wollen doch, dass unsere Kinder eine gewisse Medienkompetenz erwerben, die sie in Zukunft viel mehr brauchen werden als wir Erwachsene; dass sie sich vernetzen können; dass sie wissen, wie sie schnell zu Informationen kommen, die sie brauchen und dass das Internet die Jugend von heute auf die Arbeitswelt vorbereitet. Und während des Lesens merke ich, dass ich wirklich aus einer anderen Generation stamme (trotz genauer Erklärung von Snapchat verstehe ich noch immer nicht, was der Sinn dahinter ist :o)). Auch wenn ich nicht immer einer Meinung mit Campe bin, schafft er es doch mit viel Humor, mir seine Welt zu zeigen.

Über die Gefahren des Internets Bescheid wissen

Und dann überlege ich, wie ist es denn bei uns zu Hause?

Unsere beiden Teenager haben ihr erstes Handy im Gymnasium bekommen. Es ist ein Wertkarten-Smartphone, das heißt sie können bei uns zu Hause ins WLAN, damit mit dem Handy ins Internet und sind dadurch auch über WhatsApp erreichbar. WhatsApp durften unsere Kinder erst zwei Jahre später installieren – sie hatten gerade in der Schule ein Projekt über die Gefahren von Onlinemedien.

Es ist uns wichtig, dass unsere Kinder wissen, was passieren kann, dass es Personen gibt, die sich unter falschen Namen mit falschen Fotos und Altersangabe ihre Freundschaft erbuhlen wollen.

Sie sollen wissen, dass Fotos, die einmal online gestellt wurden, schwer wieder zu löschen sind und dass es „Freunde“ gibt, die zum Spaß Fotos veröffentlichen, obwohl sie selbst das nicht wollen. Sie sollen wissen, dass Worte, die einmal ins Handy eingetippt und weggeschickt worden sind, nicht zu löschen sind und besonders verletzen können.

Von den Kindern lernen

Für unsere Jugendlichen ist das Handy ein Kommunikationsmedium. Durch WhatsApp haben sie eine gute Möglichkeit, mit ihren Freunden in Kontakt zu bleiben. Übrigens meine Tochter hat mir erklärt, wie ich bei einer Gruppe herausfinde, wer meine Nachricht noch nicht gelesen hat. Und mein Sohn hat mir gezeigt, wie ich es abstellen kann, dass nicht jeder sieht, wann ich das letzte Mal online war.

Gleichzeitig ist das Handy auch eine Spielekonsole – sie laden sich (nachdem sie uns gefragt haben) ein Spiel hinunter und spielen es dann… für uns spannend zu beobachten – unser Sohn hat eher Fußballspiele und Verteidigungs-Angriffs-Strategiespiele, unsere Tochter ist mehr der Rätsel-Denkspieletyp. Ich habe auch schon einmal mir selbst ein Spiel installiert und dann mit meinem Kind gemeinsam gespielt. Das war dann ein Spieleabend der etwas anderen Art. Dadurch konnte ich mich in den Sog des Onlinespielens hineinfühlen, lernte Neues über mein Kind kennen und ja, ich hatte auch Spaß dabei.

Und sie benutzen ihr Handy, um Informationen zu bekommen. Entweder für die Schule oder aus reinem Interesse. So wie jetzt kurz vor der Wahl – da sieht sich mein Sohn gerne die Wahlkampfduelle an. Und erzählt dann voller Begeisterung, was ihn beeindruckt oder was er komisch gefunden hat. Manchmal sehen sie sich die „Verstehen Sie Spaß“-Sendungen an und lachen laut vor sich hin. Da kann es schon vorkommen, dass wir Eltern uns dazusetzen und mitschauen.

Nach der Handynutzung eine Abwechslung anregen

Als Regel gilt bei uns: eine Stunde am Tag, nicht direkt nach dem Lernen und über Nacht ist das Handy im Wohnzimmer. Wir wollen nicht, dass der Schlaf unserer Kinder durch das Handy gestört wird. WLAN funktioniert bei uns übrigens nur im Wohnzimmer.

Unsere Kinder wachsen heute anders mit den Medien auf als wir selbst. Sie kennen sich teilweise besser aus als wir selbst und so können wir auch einiges von ihnen lernen.

Wichtig ist uns, dass sie einen guten Umgang mit den Medien erlernen, dass sie genügend Bildschirm-Auszeiten auch vor einem guten Buch oder in der Natur beim Sport haben.

Manchmal brauchen sie einen Anstoß von uns, um das Handy liegen zu lassen und mit uns im realen Leben eine Runde Canasta zu spielen.

Habt ihr schon einmal eure Kinder gefragt, was es da so treibt mit seinem Handy? Wirklich interessiert nachgefragt? Ich denke, ihr werdet staunen, mit wie viel Freude und Elan eure Kinder von seiner Welt erzählen und was ihr von ihnen lernen könnt.

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein


EIN ARTIKEL VON
  • Claudia Umschaden

    Als Mutter stehe ich – trotz meiner pädagogischen Ausbildung – immer wieder vor neuen Herausforderungen. Ich habe fünf Kinder im Alter von 14, 13, 8, 4 und 2 Jahren und jedes ist anders. Als Familientrainerin möchte ich meine Erfahrungen teilen und Wege aufzeigen, wie es möglich ist, mit noch mehr Freude Familie zu leben!


Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at