26. April 2017

Wieviel Medienkonsum von Kindern darf sein?

Medienkonsum von Kindern - meinefamilie.at

Auf dem Sofa liegt der Laptop herum, der Fernseher läuft im Hintergrund und unterwegs werden schnell am Handy die Mails gecheckt – wie soll man da seinen Kindern einen verantwortungsvollen Medienkonsum beibringen?

Ist eine Stunde fernsehen am Tag für ein sechsjähriges Kind zu viel? Oder eine Stunde Handy-Streicheln? Oder vielleicht zwei Stunden Hörspiel-Konsum? – Es brauchte keine zwanzig Minuten wohlmeinenden Vortrag einer Kinderpsychologin in unserem Kindergarten, bis diese Fragen die ausgewogenen, entwicklungspsychologisch angelegten Ausführungen jäh unterbrachen und zu einer regen Diskussion unter den anwesenden Eltern führte. Fragen, die offenbar alle Eltern verbinden und wohl auch sorgen. Schadet die Allgegenwart der Medien den Kindern – oder sollte man sie doch rechtzeitig heranführen an einen kompetenten Umgang?

Wir sind bei dem Thema genau so unsicher wie viele andere Eltern auch. Bei mir schlagen diesbezüglich noch dazu zwei Herzen in meiner Brust, bin ich doch selber „Medien-Freak“, der als Jugendlicher viel – wohl zu viel – Zeit mit US-amerikanischen Serien vor dem Fernseher verbracht hat. Auf der anderen Seite merke ich an mir selber, dass sich nicht nur mein Mediennutzungsverhalten geändert hat, sondern die Medien selber.

Die Medien sind schneller geworden, unausweichlicher, haben einen höheren Suchtfaktor und dominieren den Alltag. Abschalten? Gar nicht mehr so leicht.

Eltern sind die Vorbilder für den Medienkonsum

Was also tun? Zurück in die abendliche Elternfortbildung in unserer Gemeinde: Leider bliebt die Vortragende konkrete Antworten schuldig, aufschlussreich waren aber die Erläuterungen einer besorgten Mutter, die es nicht schafft, den Fernsehkonsum ihrer Kinder einzudämmen. Ihr Mann schaue gerne Sport und da laufe dann abends zur Entspannung oftmals die Flimmerkiste, erklärte sie. Die Vortragende zuckte vielsagend mit den Achseln: „Wundern Sie sich? Sie sind die zentralen Vorbilder“.

Tatsächlich kamen im Laufe der Diskussion dann doch einige Anregungen auf den Tisch, die man durchaus als Empfehlungen und Tipps für andere Eltern weitergeben kann und die ich hier kursorisch anführen möchte:

  • Wie schon gesagt: Eltern sind Vorbilder! Achtet gerade in Gegenwart eurer Kinder auf den eigenen Medienkonsum. Wer ständig am Smartphone herumwischt muss sich nicht wundern, wenn die Kinder dies als selbstverständliches Tagesbegleitmedium erachten und umso eher gleiche Rechte einfordern.
  • Wenn Fernsehen, dann nicht zu spät am Tag, da dies die Kinder emotional so sehr fordert, dass sie umso schwerer ins Bett zu kriegen sind. Das hat einen psychologischen und einen ganz banal-technischen Grund: Zum einen wird Geist und Phantasie der Kinder selbst bei passiver „Berieselung“ stark angeregt – zum anderen sorgt der hohe Blaulicht-Anteil bei heutigen TV-Geräten für eine hohe optische Stimulanz des Hirns.
  • Der Fernseher ist kein Ort zum „Kinder-Parken“: Schaut mit den Kindern gemeinsam etwas an – und sprecht über das Gesehene.
  • Achtet bei der Auswahl des Programms auf die Erzählgeschwindigkeit. Heutige Serien und Filme – selbst jene für Kinder! – sind viel schneller geschnitten und auch erzählt als noch vor wenigen Jahren. Die Beschleunigung bedeutet eine enorme Anstrengung für die kindlichen Hirne, dem Stoff intellektuell und auch optisch zu folgen.
  • Bietet Alternativen zum Fernsehen – z.B. Hörspiele oder Hörbücher (wenn schon keine Zeit zum Selber-Vorlesen vorhanden ist…)
  • Tja, und zu guter Letzt: Kinder brauchen Grenzen – auch beim Thema Medienkonsum. Daher: Begrenzen Sie die Konsumzeiten. Wir haben z.B. gute Erfahrungen gemacht mit einem Zeitvolumen von zwei Stunden Fernsehen pro Woche. Diese Zeit dürfen unsere Kinder recht frei einteilen. Wenn Sie z.B. einmal „Ostwind“ schauen, bleibt ihnen halt nurmehr Zeit für eine Folge „Pumuckl“ – und das war’s dann für den Rest der Woche… Das fördert die Eigenverantwortung und man erspart sich als Eltern ziemlich viele Diskussionen.


EIN ARTIKEL VON
  • Henning Klingen

    Semmeln heißen bei mir Brötchen, Erdäpfel Kartoffeln. Selbst nach 14 Jahren in Österreich halte ich die Fahne meiner niederrheinischen Heimat hoch. Von meiner Frau und meinen drei Kindern belächelt. Beruflich bin ich als Journalist für die Presseagentur Kathpress sowie die Zeitschrift „miteinander“ tätig.


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