7. April 2017

Kleinkinder am Smartphone, Tablet & Co.?

Kleinkinder am Smartphone - meinefamilie.at

Weil elektronische Medien heute so wichtig sind, verbringen auch die Allerkleinsten Zeit damit. Kleinkinder lernen schnell, wie man einen Touchscreen bedient. Aber ist das gut? Sollen Eltern schon Zweijährige ans Smartphone oder iPad lassen?

Ich habe mich auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Seelische Gesundheit in der Frühen Kindheit in Wien schlau gemacht. Paula Bleckmann und Christian Montag, Experten für digitale Medien, haben bei der Tagung referiert.

Ihr habt euch vielleicht auch schon gefragt: Ist eine Kindheit ohne digitale Medien noch denkbar? Welche „Portion der digitalen Medien“ ist für mein Kind die richtige? Ab wann geben wir unserem Kleinkind das Smartphone in die Hand? Welche Dosis Smartphone, Tablet, Computer & Co. ist für welches Alter okay? Man merkt schnell, wie viel Unsicherheit hier im Spiel ist.

Immer mehr Kleinkinder, teilweise sogar Babys, spielen statt mit Puppen und Autos am Smartphone und Tablet. In vielen Kinderzimmern wird das Schlaflied nicht mehr von den Eltern gesungen, sondern von Smartphone oder Tablet abgelöst. Ich frage mich: Soll ein Kind schon früh den digitalen Umgang lernen?
Die deutsche Medienpädagogin Paula Bleckmann sagt:

„Es gibt keinen Nachweis für irgendeinen positiven Effekt von Bildschirm-Mediennutzung von Kindern unter 18 Monaten. Babys brauchen sie absolut nicht.“

Was spricht gegen Bildschirm & Apps für Kleinkinder (unter 3 Jahre)?

  • Kinder brauchen das gemeinsame Spiel mit anderen Kindern. Die Zeit, die ein Kind am Bildschirm verbringt, spielt es aber allein.
  • Sehen, Hören, Fühlen, Riechen, Schmecken kann kein elektronisches Spielzeug bieten. Kleine Kinder brauchen vielseitige Sinneseindrücke. Damit sich Kinder gesund entwickeln, sollten alle Sinne geschult werden. Mit Bildschirm und Touchscreen ist das nicht möglich.
  • Elektronische Medien schränken die Bewegung ein. Kinder erleben weniger echte Abenteuer in der freien Natur.
  • Apps geben genau vor, was wie zu tun ist und lassen somit wenig Freiraum für die Fantasie. Daher haben Kinder nicht die Möglichkeit kreativ zu sein.
  • Kinder brauchen Kontakt, Beziehung und Interaktion: Smartphone oder Tablet als Babysitter zu nützen ist daher nicht ratsam.

Brauchen Kleinkinder die Mediennutzung für später?

Doch können Kinder, die wenig online sind, später in der Schule mithalten? Diese Befürchtung ist für Medienpädagogin Paula Bleckmann unbegründet: „Auch wenn ein Kind überhaupt keinen Bildschirmkonsum vor der Einschulung hatte, wird es eher besser in der Schule sein.“

Christian Montag betont, dass das zeitliche Ausmaß ein wichtiger Faktor sei, also wie lange sich Kinder und Erwachsene mit Smartphone und Co anstatt miteinander beschäftigen. „Es gibt eine logische Rechnung: Mehr Screentime heißt weniger Zeit für das Kind.“ Er ergänzt: „Es wird nicht mehr jeden Tag das Lesen der Emotionen im Gegenüber trainiert, es wird weniger geübt, die Stimmlage einer Person zu verorten. Das könnte zu sozial inkompetenteren Kindern führen“.

Aber klar ist auch, dass neue Medien sollen nicht verteufelt werden sollten. Sie sind nicht das Böse, das unsere Kinder verdirbt. Kinder wachsen bereits in einer Mediengesellschaft auf. Sie sind die Digital Natives von morgen. Kinder können heute nicht mehr von den neuen Medien ferngehalten werden, denn ihr Gebrauch ist unser Alltag. Ich empfehle, keine Kleinkinder-Apps zu verwenden und Smartphone-freie Zeiten festzulegen.

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EIN ARTIKEL VON
  • Marie-Thérèse Schmiedleitner

    Ich bin Pädagogin und seit Jahren in der Kinderbetreuung tätig. Darüber hinaus biete ich systemische Familienberatung für Babys, Kleinkinder und Elternworkshops an. Ich lese leidenschaftlich gerne Blogs und bin selbst begeisterte Bloggerin.


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