16. April 2015

Handy: Fluch oder Segen?


Handy & Co. – Fluch oder Segen für die Entwicklung der Kinder? Wie kann man das Handy sinnvoll im Unterricht einsetzen? Warum nützt ein Handyverbot wenig?

Handy & Co. – Fluch oder Segen für die Entwicklung der Kinder?

Soll das Handy in den Schulen verboten werden? Auch dessen Nutzung in den Pausen? Generelle Verbote helfen meist wenig, sie erhöhen den Reiz und beflügeln die Phantasie, wie dieses absolute Nein umgangen werden könnte. Gut an diesem Vorschlag ist die dadurch begonnene gemeinsame Reflexion über einen sinnvollen Umgang mit diesen „ständigen Begleitern“. Lehrer, Eltern und Schüler werden hier miteinander Lösungen finden. Ein wichtiger Aspekt werden dabei aber nicht nur die vereinbarten „Nutzungsbedingungen“ spielen, sondern vor allem die Vorbildwirkung der Erwachsenen.

Warum ist ein generelles Handyverbot nicht sinnvoll?

Medienkompetenz, der Umgang mit den verschiedensten technischen Kommunikationsmitteln gehört heute zu den Grundfertigkeiten. Wissen ist Macht, also die Voraussetzung für eine eigenverantwortliche Lebensgestaltung. Der Zugang zu diesem Wissen erfolgt heute vor allem über das Internet – die Bibliotheken der Welt stehen uns damit offen. Handys sind der Schlüssel dazu.

Kommunikation findet heute auch zu einem hohen Prozentsatz via Telefon, Mail bzw. in Online-Plattformen statt. Hier entwickeln sich neue Spielregeln – auch deren Beherrschung gehört zu den Lebenskompetenzen.

Wie könnte das Handy in den schulischen Unterricht integriert werden?

Zum einen werden vor allem für den Bereich der Fremdsprachen, aber auch für andere Fächer immer mehr sinnvolle Applikationen entwickelt. Noch wichtiger erscheint mir aber, dass der Umgang mit diesen Techniken generell thematisiert wird und beispielsweise die stilistischen Unterschiede zwischen Brief, Mail, SMS und einem Posting herausgearbeitet werden. Es geht aber auch um ein Bewusstmachen der Selbststeuerungskompetenz: Ich kann mich entscheiden, wann und wie ich mein Handy nutze. Ich kenne Beschäftigungsalternativen, die mir Freude bereiten. Ich will und muss nicht immer erreichbar sein – ich schätze den Wert der Stille.

Warum ist das Handy das liebste Spielzeug der Kinder und Jugendlichen geworden?

Das Handy hat sich rasch zu einem Status-Symbol entwickelt, auch bei Kindern – das richtige Handy signalisiert also Zugehörigkeit. Das Handy ist aber auch ein „Vergnügungspark im Taschenformat“ – auf einen Klick habe ich Musik, Filme, Spiele, Bücher, soziale Plattformen zur Verfügung – und telefonieren kann ich auch noch. Es reduziert damit auch den Entscheidungsbedarf – ich muss mich nicht mehr entscheiden, welches Buch, Spiel, etc. ich mitnehme. Ja, manches kann ich sogar zeitgleich nützen – ein Vorteil, dessen Schattenseiten oft erst Jahre später erkannt werden.

Können die Kinder und Jugendlichen mit den Neuen Medien umgehen?

Die technische Beherrschung ist für Kinder und Jugendliche selbstverständlich, sie sind mit diesen Technologien aufgewachsen. Die Beherrschung der persönlichen und sozialen Folgen der Nutzung dieser Medien muss den Kindern und Jugendlichen vermittelt werden. Die Erwachsenen – Eltern und Lehrer – sind hier selber oft überrascht, denn auch für diese Generationen sind die Auswirkungen Neuland. Bekannte Phänomene wie Konflikte, Mobbing, Sucht, aber auch Informationsmöglichkeiten, Kommunikationswege,  Unterhaltungsmöglichkeiten bekommen neue Gesichter und Dimensionen. Hier müssen sich die Generationen gemeinsam auf den Weg machen: Macht euch die Neuen Medien untertan!

Siehe auch: Wenn die Kleinen zum Handy greifen

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EIN ARTIKEL VON
  • Brigitte Ettl

    Als gelernte Juristin habe ich mich nach Jahren im Journalismus, in der Privatwirtschaft und der Kirche (KAÖ-Forum Beziehung) als Ehe- und Familienberaterin, Psychotherapeutin, Mediatorin und Wirtschaftscoach selbstständig gemacht. Mit meinem Mann verbinden mich 28 Ehejahre und die gemeinsame Leitung einer Unternehmensberatung.


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